STEREO GUIDE Testurteil
Der JBL Xtreme 4 liefert gerade auch im Bass mehr Leistung, natürlicheren Klang und unterstützt Auracast für Wiedergabeketten aus mehreren Boxen. Er kann mit bis zu 24 Stunden auch deutlich länger mit einer Batterieladung durchhalten, mit dem Eco-Modus sind sogar bis zu 30 Stunden möglich. Das kostet allerdings Bass. Und manche dürften einen Analog-Eingang wie beim Vorgänger vermissen.
Vorteile
- Enorm kräftiger und präziser Bass aus einer relativ kompakten Box
- Stereo-Kopplung und AuraCast für Party-Modus
- 24 Stunden Laufzeit, im Eco-Modus sogar bis zu 30
- Umhängegut, Powerbank-Funktion, Netzteil mitgeliefert
Nachteile
- Kein Analog-Eingang mehr
- Stromspar-Modus lässt die Box schroff klingen
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Natürlichkeit / Transparenz7.9
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Bass / Dynamik8.9
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Praxis / Connectivity8.4
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Preis/Leistung9.2
Mit dem Xtreme 4 schickte JBL vor etwas über einem Jahr die vierte Generation seines kraftvollen Outdoor-Bluetooth-Lautsprechers ins Rennen. Der Vorgänger Xtreme 3 hatte sich im Test (sie finden ihn hier) als pegelfester Allrounder mit erwachsenem Klangcharakter und robuster Bauweise etabliert. Der in Blau, Schwarz und Camouflage angebotene Nachfolger soll in mehreren Disziplinen nachlegen: mit KI-gestützter Signalverarbeitung, austauschbarem Akku, Bluetooth 5.3 inklusive LE-Audio-Vorbereitung sowie einer noch konsequenteren Ausrichtung auf Nachhaltigkeit.
Optisch bleibt sich JBL treu: Das zylindrische Gehäuse mit seitlichen Passivradiatoren, robuster Gummiarmierung und textiler Ummantelung signalisiert weiterhin Outdoor-Tauglichkeit. Allerdings wunderte ich mich, als ich direkt nach dem Auspacken den nagelneuen Wireless Speaker im Garten fotografierte. „Verflixt, der ist ja gleich bei der ersten Posiotionierung auf Sand und Stein schon an den Gummipuffern totall mit Schlamm verdreckt“, dachte ich mir.

Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, dass es sich bei den auch in die schwarzen Gummis auf der Unterseite eingelassenen beigen Sprenkel um ein Design-Detail handelte. Wer denkt sich bitteschön so etwas aus? Und wofür? Soll es für einen machohaften Outdoor-Auftritt handeln, etwa wie bei jemandem, der seinen Stadtgeländewagen nach dem Durchqueren einer Pfütze auf einem sandigen Parkplatz nicht mehr wäscht, um den Hauch von Abenteuer zu versprühen?
Mit IP67-Zertifizierung ist der rund 2,1 Kilogramm schwere Lautsprecher wasser- und staubgeschützt und damit nichts nur für die nächste Poolparty, sondern auch für Strand oder Festival gerüstet. Der abnehmbare Schultergurt gehört weiterhin zum Konzept. Mobilität ist beim Xtreme 4 kein Marketingversprechen, sondern integraler Bestandteil.
Neu ist hingegen der stärker kommunizierte Anspruch auf Nachhaltigkeit: 70 Prozent des verwendeten Kunststoffs sowie das komplette Gewebe der Lautsprecherabdeckung bestehen aus recycelten Materialien. Das System wird in Papier verpackt, das nach FSC-Standard für nachhaltige Waldwirtschaft zertifiziert ist und mit Sojafarben bedruckt wurde. JBL verbindet hier also Performance mit einem ökologischeren Produktionsansatz.

Technik: KI-Sound-Boost, mehr Leistungsreserven und austauschbarer Akku
Im Inneren arbeitet weiterhin ein echtes 2-Wege-Setup mit vier aktiven Treibern und zwei seitlichen Passivradiatoren. Konkret kommen zwei 7-cm-Tieftöner und zwei 2-cm-Hochtöner zum Einsatz. Die Ausgangsleistung beträgt im Netzbetrieb 2 × 30 Watt RMS für die Tieftöner plus 2 × 20 Watt RMS für die Hochtöner, im Akkubetrieb auf 2 x 20 respektive 2 x 15 Watt reduziert Der übertragene Frequenzbereich wird mit 44 Hz bis 20 kHz angegeben. Das ist für ein mobiles System dieser Größe ein beachtlicher Rahmen.
Die zentrale Neuerung gegenüber dem Xtreme 3 ist der sogenannte KI-Sound-Boost. Laut Hersteller analysiert ein Algorithmus das Eingangssignal in Echtzeit und berechnet voraus, wie weit sich die Treiber auslenken dürfen, ohne Verzerrungen zu generieren. Ziel ist es, Dynamikreserven besser auszunutzen, Verzerrungen bei hohen Pegeln zu reduzieren und gleichzeitig den Bass-Output zu maximieren. Technisch betrachtet handelt es sich um eine adaptive, signalabhängige Limitierung und Optimierung – also eine Art intelligenter DSP, der nicht nur begrenzt, sondern aktiv die verfügbare Leistungsfähigkeit ausreizt.
Laufzeitverlängerung durch Akku-Tausch
Ebenfalls neu: der austauschbare Akku. Der verbirgt sich unter einem Deckel zwischen den länglichen Gummifüßen auf der Unterseite des von Meshgewebe umhüllten Gehäuses. Allerdings benötigt man zum Öffen des Akkufachs einen Inbusschlüssel zum lösen der beiden Schrauben. Das hat JBL bei seinen von uns getesteten PartyBoxen Club 120, Stage 320 oder 520 eleganter ganz ohne Werkzeug gelöst. Der Akku ist separat erhältlich und kann immerhin vom Benutzer selbst gewechselt werden. Das bedeutet einen Pluspunkt für Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit.

Das 68-Wh-Lithium-Ionen-Polymer-Pack (7,2 V / 9444 mAh) soll bis zu 24 Stunden Wiedergabe ermöglichen. Über den „Playtime Boost“ lassen sich laut JBL bis zu sechs zusätzliche Stunden herausholen, indem die Leistungsabgabe angepasst wird. Geladen wird via USB-C mit bis zu 20 Volt/3 Ampere; zehn Minuten Schnellladen sollen bereits rund zwei Stunden Spielzeit liefern.
Auf der Funkseite setzt JBL nun auf Bluetooth 5.3 mit A2DP 1.3 und AVRCP 1.6. Zudem unterstützt der Xtreme 4 Auracast zur Multi-Speaker-Kopplung: Zwei Geräte lassen sich als echtes Stereopaar betreiben, mehrere kompatible JBL-Lautsprecher können zu größeren Klangverbünden zusammengeschaltet werden.
Kein Zurück mehr aus der Zukunft
Aber Achtung: Der JBL Xtreme 4 lässt sich nicht mit seinem direkten Vorgänger Xtreme 3 koppeln. Der Grund ist der Plattformwechsel: Während der Xtreme 3 noch auf JBL PartyBoost setzte, unterstützt der Xtreme 4 ausschließlich Auracast. Die beiden Systeme sind technisch nicht kompatibel. Wer also ein bestehendes PartyBoost-Setup besitzt, kann den Xtreme 4 nicht nahtlos integrieren. Eine Kopplung funktioniert nur mit anderen aktuellen JBL-Modellen wie dem Charge 6 oder dem Flip 7, die ebenfalls Auracast unterstützen.


Was mit dem Xtreme 4 ebenfalls nicht mehr möglich ist: Der mobile Bluetooth-Lautsprecher hat keinen analogen AUX-Eingang mehr. Das dürfte zwar für die meisten Nutzer inzwischen egal sein. Aber für spezielle Anwendungen kommt die vierte Generation damit nicht mehr in Frage.
Die integrierte Powerbank-Funktion erlaubt es, mobile Geräte über USB-C direkt am Lautsprecher zu laden. Beim Vorgänger war dafür ein USB-A-Anschluss zuständig, doch jetzt laufen Laden und Strom abgeben über die gleiche USB-C-Buchse. Das nötige USB-Netzteil gehört erfreulicherweise zum Lieferumfang.
Mit Abmessungen von 29,7 × 14,9 × 14,1 Zemtimetern bleibt der Xtreme 4 transportabel, bewegt sich aber klar im Segment leistungsstärkerer Party- und Outdoor-Lautsprecher.

App und Bedienung
Gesteuert wird der JBL Speaker entweder über große, aber nur zum Teil farblich abgehobene Tasten auf der Oberseite des Gehäuses. Die obere Tastenreihe dient für Funktionen wie anschalten, den Aufbau einer Bluetooth Verbindung (auch Multipoint-Verbindungen zu mehreren Geräten gleichzeitig sind damit möglich), und die Koppelung mit anderen AuraCast–Lautsprechern. Diese Tasten sind durch einen kontrastreichen Aufdruck deutlich hervorgehoben und sogar beleuchtet. Die drei Tasten zur Regelung der Lautstärke und der Steuerung der Wiedergabe durch eine Mehrfachbelegung, die sich manchem erst in der Bedienungsanleitung erschließen mag, sind zwar groß, aber in der Gehäusefarbe gehalten. Doch insgesamt gibt es in Sachen Bedienung nichts zu meckern. Und auch der beigelegte Tragegurt ist mit seinen Karabinerhaken an den solide anmutenden Ösen im Gehäuse einfach zu montieren und wieder abzunehmen.
Wer aber etwas Software-Updates aufspielen oder den Klang durch einen Sieben Band Equalizer beeinflussen möchte, der kommt um die im Apple App Store und auf Google Play erhältliche JBL portable App nicht herum. Dort finden sich auch vier Klang-Presets („JBL Signature“, „Chill“, „Energetic“ und „Voice“) sowie die Energiesparfunktion namens PlayTime Boost. Diese bleibt allerdings, wie der anschließende hörtest zeigt, nicht ohne recht drastische Folgen für den Klang. Dazu mehr im nächsten Abschnitt. Wie sich die Kombination aus KI-Optimierung, kräftiger Endstufe und überarbeitetem Energiemanagement klanglich in der Praxis schlägt, klärt der folgende Hörtest.




Sound-Test: Kann der Xtreme 4 durch KI-Boost noch zulegen?
Obwohl es schon eine ganze Weile her ist, dass ich den JBL Xtreme 3 getestet habe, mach das explosive und präzise Powerplay unmissverständlich auf die ersten Takte klar, dass JBL hier noch einmal eine ganze Schippe im Klang draufgelegt hat. Dass es sich beim KI Sound Boost nicht nur um ein Marketing-Versprechen handelt, hatten uns im Test kürzlich schon der kleinere JBL Charge 6 und eine Weile zuvor der kompakte JBL Flip 7 unmissverständlich klargemacht. Der Xtreme 4 gehört zwar zu den kleinsten Bluetooth Boxen im mittelgroßen Bereich. Doch er spielte mit einer Wucht und Präzision, die man mit geschlossenen Augen auch einem deutlich größeren Wireless Speaker zugetraut hätte.
Wenn man wie ich allein schon für den F.A.Z. Kaufkompass eine dreistellige Zahl an Bluetooth-Lautsprechern getestet hat, von Magazinen wie LowBeats oder AUDIO ganz zu schweigen, dann ist man wirklich nicht leicht zu beeindrucken. Doch dem Xtreme 4 ist es tatsächlich auf Anhieb gelungen. Ich begann den Hörtest mit „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode, weil ich das Lied kürzlich im Auto gehört hatte. Die tiefen und kräftigen elektronischen Bässe des Albums „Remixes 81>04“ kamen richtig druckvoll und knackig. Die Präzision ließ über die Größenklasse hinaus nichts zu wünschen übrig. Statt der früher bei JBL bevorzugten Oberbassbetonung gibt es jetzt noch mehr Tiefgang und Differenzierungsvermögen. Das bemerkenswerte Tiefton-Fundament blieb sogar bis in erstaunlich hohe Pegelregionen erhalten.
Was schon bei dieser Aufnahme, aber auch bei audiophilen Titeln wie „I’ll Be Your Baby Tonight“ von Norah Jones brillierte, waren die klaren und frischen Höhen. Auch Stimmen konnte der JBL Xtreme 4 sehr sauber und nuanciert wiedergeben. Die Transparenz der Wiedergabe legte einen hohen Detailreichtum frei, die anspringende Performance war das Gegenstück zu einem verwaschenen Klangbrei, den man mitunter von kompakten Boxen, die auf Pegel getrimmt wurden, serviert bekommt.

Nicht ganz frei von Effekthascherei
Auch wenn der fast schon partytaugliche Bluetooth Speaker versuchte, mit einer leicht überzeichneten Brillanz die Zuhörer durch eine Prise Effekthascherei zu beeindrucken, kann man mit ihm bei aller Bassgewalt auch wirklich ruhigere Klänge aus dem Bereich Singer/Songwriter genießen. Mir persönlich gefiel das Preset „JBL Signature Sound“ als gelungener Kompromiss zwischen punchigen Beats und klar artikulierten Stimmen am besten. Aber auch das Preset „Engergetic“ geht in Ordnung, wenn man den Klang etwas mehr auf Party trimmen möchte.
Was mir überhaupt nicht gefiel, war der Effekt der PlayTime-Boost-Funktion. Die kastrierte den Bass-bereich so stark, dass die klaren, frischen Stimmen und Impulse im Mitteltonbereich zu stark in den Vordergund traten, während es Drums oder elektronischen Beats deutlich an Substanz mangelte. Also, ich persönlich würde die Energiespar-Funktion erst verwenden, wenn der Xtreme 4 im Batteriebetrieb kurz vom Abschalten ist oder ich ein Hörbuch anhören möchte. Letzteres kommt aber nur alle paar Jahre als kleiner Egotrip mit meinen eigenen Werken vor – wäre also für mich kein Use-Case, wie man heute so schön sagt.
Fazit und Alternativen: JBL Xtreme 4
Was JBL beim Xtreme 4 wirklich sehr gut gelang, ist die perfekt ausbalancierte Verbindung aus breitbandiger Klangwiedergabe mit spritzigen, fein aufgelösten Höhen und einem differenzierten, vergleichsweise tiefreichenden Bass Fundament plus einer für die Größe sehr ordentlichen Pegelfestigkeit. Wenn man diesen sehr gut zu transportierenden Outdoor-Bluetooth-Lautsprecher im Batteriebetrieb erlebt hat, mag man kaum glauben dass er am mitgelieferten USB-Netzteil sogar noch mal zulegen kann. Der Effekt äußerte sich im Test aber sehr subtil. Das gilt ganz besonders im Vergleich zum Energiespar-Modus, der dem Klang sein sattes Bass-Fundament raubt.
In meinen Ohren sind der Xtreme 4 und der kompaktere Charge 6 zwei ausgesprochene Highlights im Bluetooth-Boxen-Programm des amerikanischen Herstellers. Allerdings bekommt man, selbst wenn man den Listenpreis des Xtreme 4 ausblendet und den Straßenpreis zu Grunde legt, fürs gleiche Geld mitunter schon größere Kaliber wie den Panasonic SC-BMAX5, deren Preisempfehlung deutlich niedriger bei 280 Euro liegt. Das kann Sinn machen, wenn Bass und Pegel für einen mehr ins Gewicht fallen, als Mobilität.
Technische Daten: JBL Xtreme 4
- Preisempfehlung des Herstellers: 350 Euro
- Abmessungen (B x H x T): 29.7 × 14.9 × 14.1 cm
- Gewicht: 2,1 kg
- Akkulaufzeit bis zu 24 Stunden, bis zu 30 Stunden mit PlayTime Boost
- Besonderheiten: Bluetooth 5.3 inkl. LE-Audio, wasser/staubdicht gemäß Schutzklasse IP67, JBL Auracast Multi Speaker Connection, Powerbank-Funktion, Equalizer
- Mehr unter: https://de.jbl.com






