Mit der Ankündigung im Jahr 2025, die Cloud-Unterstützung für die populäre Multiroom-Serie SoundToucheinzustellen, hat sich Bose selbst ein Bein gestellt. Der traditionsreiche US-Hersteller erntete dafür nicht nur Kritik aus der HiFi-Community, sondern auch aus wirtschaftsnahen Medien. Das Handelsblatt brachte die Stimmung mit der zugespitzten Überschrift „Smarte Bose-Lautsprecher werden dumm“ auf den Punkt.
Was folgte, war ein massiver Protest vieler Nutzer – ein Shitstorm, den Bose ausgerechnet zu einem ungünstigen Zeitpunkt kaum gebrauchen kann. Schließlich hat der Konzern zuletzt mit der Übernahme renommierter High-End-Marken wie McIntosh und Sonus Faber seine Ambitionen im Premiumsegment unterstrichen und will zudem wieder stärker im prestigeträchtigen Automotive-Audio-Geschäft Fuß fassen.
Besonders brisant ist die Situation, weil SoundTouch einst als ernstzunehmende Multiroom-Plattform gegen Sonospositioniert wurde. Viele Kunden investierten bewusst in mehrere Lautsprecher für verschiedene Räume, um sie zentral über eine einzige App zu steuern. Vor diesem Hintergrund trifft die Ankündigung umso härter – zumal die Nutzerbasis nach den jüngsten Turbulenzen rund um Sonos, ältere Gerätegenerationen und miteinander inkompatible Apps ohnehin sensibilisiert ist. Für Besitzer früher Streaming- und Multiroom-Systeme ist das Vertrauen in cloudbasierte Audioplattformen damit weiter erschüttert.
Anworten auf drängende Fragen zur Soundtouch-Abschaltung
Das Multiroom-System Bose SoundTouch wurde 2013 eingeführt und setzte von Beginn an stark auf eine cloudbasierte Architektur. Zentrale Funktionen wurden dabei bewusst aus den Lautsprechern ausgelagert und über die Bose-eigenen Cloud-Server sowie die proprietäre SoundTouch App realisiert. Dazu zählten insbesondere der Zugriff auf Streamingdienste, die Verwaltung der Preset-Tasten sowie der Zugang zu Internetradio-Angeboten.
Warum Bose die SoundTouch-Server nun abschaltet, hat der Hersteller nicht im Detail erläutert. In vergleichbaren Fällen gehen Fachleute jedoch häufig davon aus, dass entweder die zugrunde liegende Server- und Cloud-Hardware nicht mehr wirtschaftlich oder sicher zu betreiben ist oder dass notwendige Sicherheits- und Betriebssystemupdates nicht mehr zuverlässig umgesetzt werden können. Diese Probleme betreffen wohlgemerkt nicht die lokale Hardware der WLAN-Lautsprecher selbst – was den Unmut vieler Nutzer zusätzlich verstärkt.
Eine Neuentwicklung oder Modernisierung der SoundTouch-Cloud schließt Bose ausdrücklich aus. Der Hersteller hatte sich bereits 2020 offiziell von der Plattform verabschiedet, nur rund sieben Jahre nach deren Markteinführungund wenige Jahre nach wichtigen Produkterneuerungen. Umso problematischer ist die Situation für Käufer, da Bose SoundTouch Geräte bis heute auf Marktplätzen wie Amazon als Neu- oder Gebrauchtware angeboten werden.
Bose SoundTouch 10
Bose SoundTouch 20 (Series III)
Bose SoundTouch 30 (Series III)
Bose Wave SoundTouch Music System (IV)
Bose SoundTouch Soundbar 300
Bose Lifestyle Serie (z.B. 135, 235, 525 etc.)
Bose CineMate-Serie (z.B. 120, 130, 220)
Bose Lifestyle SoundTouch Serie
Sowie alle Geräte mit SoundTouch in der Bezeichnung, auch Zonenverstärker etc.
Wichtig zu wissen: Alle nach 2020 eingeführten drahtlosen Speaker von Bose, also auch alle von STEREO GUIDE jemals getesteten Boses, sowie die reinen Bluetooth-Geräte, sind nicht von der Abschaltung betroffen! Das gilt auch für Bose Home Speaker 500, Home Speaker 300, Portable Smart Speaker, Bose Soundbar 600 und Bose Solo 5.
Bereits seit 2020 hat Bose keine neuen Produkte mehr auf Basis der SoundTouch-Architektur eingeführt. Dennoch wurden viele Geräte weiterhin gebraucht oder als Restposten verkauft und aktiv genutzt. Laut Bose lassen sich die zugehörigen Cloud-Server künftig nicht mehr sicher betreiben, weshalb der Hersteller die Abschaltung der Internet-Dienste beschlossen hat.
Ursprünglich war das Ende der SoundTouch-Cloud für den 18. Februar 2026 vorgesehen – ohne eine klare Regelung, welche Funktionen danach noch verfügbar geblieben wären. Im ungünstigsten Fall hätten Nutzern dann lediglich Bluetooth sowie ein separat anwählbarer AUX-Eingang zur Verfügung gestanden.
Inzwischen hat Bose den Zeitplan konkretisiert: Der 06. Mai 2026 ist der endgültige Stichtag, an dem alle cloudbasierten SoundTouch-Dienste abgeschaltet werden. Nach diesem Datum soll laut Hersteller eine eingeschränkte, rein lokale Nutzung der Geräte über verfügbare Protokolle und Anschlüsse weiterhin möglich sein.
Zunächst eine wichtige Entwarnung für alle Nutzer, die befürchten, ihr SoundTouch-Produkt könne ab Mai 2026 nicht nur „dumm“, sondern auch stumm werden: Das von Bose angekündigte Update lässt zumindest die zentralen lokalen Wiedergabemöglichkeiten weiterhin zu. Auch nach dem Abschalten der Cloud-Dienste bleiben folgende Protokolle und Anschlüsse nutzbar:
• Bluetooth
• AirPlay
• Spotify Connect
• Analoge AUX-Eingänge, HDMI sowie optischer Toslink, sofern am jeweiligen Gerät vorhanden
Darüber hinaus sollen auch grundlegende Systemfunktionen erhalten bleiben. Dazu zählen die Einrichtung der WLAN-Verbindung, die Grundkonfiguration sowie das Koppeln mehrerer Einheiten. Ebenso werden einfache Fernbedienungsfunktionen wie Play, Pause und Titelsprung weiterhin funktionieren – vergleichbar mit klassischen Bluetooth- oder AirPlay-Lautsprechern ohne eigene Streaming-Plattform.
Abgeschaltet werden hingegen sämtliche cloudbasierten Dienste innerhalb der Bose SoundTouch App. Dazu gehören insbesondere der direkte Zugriff auf Streamingdienste, Internetradio sowie die Verwaltung und Neubelegung der Preset-Tasten. Diese Presets werden laut Bose ab dem 06. Mai 2026 dauerhaft eingefroren und lassen sich danach nicht mehr verändern.
Laut Hersteller wird die Bose SoundTouch App am 06. Mai 2026 ein letztes automatisches Update von App und Geräte-Firmware durchführen. Dieses Update deaktiviert alle cloudbasierten Dienste und Funktionen innerhalb des SoundTouch-Systems und ersetzt die bisherige App durch eine stark vereinfachte Steuerungsanwendung ohne integrierte Streaming-Dienste.
Nach diesem finalen Update auf die künftig eingeschränkte SoundTouch-Firmware wird es keine weiteren Updates, Funktionsverbesserungen oder Sicherheitspatches mehr geben. Bose empfiehlt ausdrücklich, die betroffenen Lautsprecher anschließend nur noch in einem geschlossenen, privaten Netzwerk zu betreiben, etwa hinter einer Firewall im Router.
Auch nach dem 06. Mai 2026 bleiben lokale Wiedergabewege voraussichtlich dauerhaft nutzbar. Dazu zählen Bluetooth, analoge AUX-Eingänge sowie optische Toslink- oder HDMI-Anschlüsse, sofern diese am jeweiligen Gerät vorhanden sind. Für AirPlay und Spotify Connect gibt es hingegen keine verbindliche Zusage. Sollten diese Protokolle künftig Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen, könnte eine Abschaltung auch von Seiten Apple oder Spotify erfolgen.
Bose stellt Nutzern eine Anleitung zur Verfügung, wie sich einzelne Dienste – etwa Internetradio über TuneIn – weiterhin vom Smartphone aus per AirPlay oder Bluetooth nutzen lassen. Weitere Informationen und offizielle Hinweise finden sich auf der Website des Herstellers unter bose.de




