STEREO GUIDE Testurteil
Die neuen Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2 überzeugen im Test mit verbessertem ANC, weniger Rauschen, Head-Tracking mit geringerem Delay und kabellosem Ladecase.
Vorteile
- sehr tiefreichender und druckvoller Bass mit Kick und guter Präzision
- bemerkenswert guter 3D-Klang mit praxistauglichem Head Tracking
- Jetzt mit schnellerem Head Tracking und Kino-Modus
- auch der sehr gute Tragekomoft trägt zum Eindruck natürlichen Hörens bei
Nachteile
- Mit Immersive-Audio kurze Akkulaufzeit
- die In-Ears lassen sich nur etwas umständlich aus dem Case entnehmen
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Natürlichkeit / Transparenz8.7
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Bass / Dynamik9.6
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Praxis / Connectivity9.5
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Preis / Leistung9.5
Abgesehen vom Active Noise Cancelling (ANC), das eine nahezu vollständige akustische Abschottung von der Umwelt erzeugte und dem Raumklang-Gefühl konnte der Vorgänger der Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2 im Test keine Ausrufezeichen setzen. Am ehesten noch im Bass, der sehr satt war, nach audiophilen Kriterien aber etwas zu üppig erschien. Ungeachtet der Gesamtnote hatte ich während des Tests unser Vergleichsmuster jedem anderen Kopfhörer im Fundus der Redaktion vorgezogen, wenn ich abends allein Musik in zünftiger Lautstärke hören wollte. Schließlich gibt es Kriterien, die sich nicht so leicht in die Schablone einer technisch geprägten Bewertung pressen lassen. Wenn ich mit dem Bose akustisches Schlagzeug hörte, klang das genauso, wie ich es aus meinem bevorzugten Jazzclub in Stuttgart kenne. Und auch Beats aus dem Synthesizer hatten saftigen Punch und das nötige Volumen.
Außerdem ist mir bei einem Kopfhörer auch der Tragekomfort ausgesprochen wichtig. Dafür drückte ich ein Auge bei der größten Schwachstelle der ersten Generation des Bose zu: Die In-Ears rauschten stark, was allerdings bei jenen, die privat wie ich Rock und Pop bevorzugen, allenfalls in Pausen ins Gewicht fiel. Auch das verzögerte Ansprechen des Head-Trackings auf Kopfbewegungen war zu verschmerzen. Denn außerhalb des Hörtests für meinen Bericht nutzte ich fast immer den immersiven Modus „Bewegung“. Der konnte auf Grund physikalischer Limits die Musikwiedergabe zwar nicht ganz aus dem Kopf befördern. Gegenüber den anderen Ohrhörern und den Earbuds von Bose im Standard-Modus entsprach er mit seiner plastischeren Darstellung der einzelnen Klangkörper mehr meinem natürlichen Hörempfinden. In diesem Fall, der für Bewegungen gedacht ist und vermeiden soll, dass sich ständig die Bühne mitdreht, war das Problem mit dem verzögert reagierenden Head Tracking im Grunde vom Tisch.

Was ist neu an der 2. Generation der QuietComfort Earbuds?
Für das neue Modell des Jahrgangs 2025 hat Bose einige kleine Änderungen vorgenommen. Interessanterweise wird dabei nicht auf die beiden gerade geschilderten Probleme eingegangen. Zwar kann ich keinen direkten Vergleich mit dem gerade auf Reisen sehr geschätzten Vorgängermodell machen, das ich leider auf einer Geschäftsreise verloren habe. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die Reaktion des Head-Trackings auf Kopfdrehungen jetzt fast verzögerungsfrei im Immersive-Modus in der Einstellung „Unbewegt” vonstattengeht. Und auch das Rauschen ist deutlich geringer. Letzteres ist besonders für Klassik- und Chormusik von Vorteil.
Aber kommen wir zunächst zu den Änderungen, die Bose in seinen technischen Unterlagen hervorhebt.
Verbesserte adaptive Geräuschunterdrückung (ANC)
Laut Bose nutzt die 2. Generation der QuietComfort Earbuds nun eine künstliche Intelligenz (AI-Algorithmus) zur adaptiven ANC-Regelung, die plötzliche Geräuschspitzen flüssiger und präziser unterdrücken soll. Man kann im Modi-Menü unter dem Preset „Wahrnehmbar“ die Active-Sense-Funktion aktivieren, damit man bei der Benutzung des Transparenz-Modus nicht durch plötzliche Geräusche gestört wird. Allerdings konnte ich zumindest in meinem Versuch die Wirkung nicht nachvollziehen.
Zusätzlich hebt Bose verbesserte Sprachaufnahme (Voice Pickup) mit acht Mikrofonen hervor, wodurch Wind- oder Hintergrundgeräusche beim Telefonieren über die True-Wireless-In-Ears besser eliminiert werden sollen. Bei Telefongesprächen kann man über die App in vier Stufen einstellen, wie deutlich man dabei seine eigene Stimme hört. Die Sprachqualität fiel in unserem Praxistest für einen In-Ear-Kopfhörer wirklich gut aus. Sie gab aber auch schon in der ersten Generation wenig Anlass zur Kritik.
Eher evolutionäre Fortschritte in der Praxis
Die 2. Generation setzt darüber hinaus Feinschliff in weiteren Praxis-Details. So bietet das neue Modell drahtloses Laden im Case (Qi-Standard). Dieses praktische Feature fehlte bei der ersten Generation. Die von Silikon-Ohrpolstern und -Passstücken, die Bose als Bänder bezeichnet, eingesäumten Schallaustritts-Öffnungen wurden überarbeitet. Das soll zur besseren Hygiene und besserem Klang beitragen. Denn dort lagerte sich bei einigen Usern offenbar so viel Ohrenschmalz ab, dass dieser Punkt nicht nur in Foren diskutiert, sondern auch von einem Support-Video des Herstellers aufgegriffen wurde.
Hinsichtlich Konnektivität bleibt Bluetooth 5.3 mit Multipoint-Verbindung sowie aptX Adaptive erhalten. Auch SBC und ACC werden weiterhin unterstützt. Das Gleiche gilt für Google Fast Pair zur einfachen und schnellen Bluetooth-Verbindung mit Android-Geräten. Die Treiberkonstellation wurde offenbar ebenfalls nicht angetastet, die Akkus auch nicht: Die Spielzeit liegt bei um die 6 Stunden mit ANC, Ladecase bis zu 24 Stunden mit Nachladen im Case. Dabei reichen rund 20 Minuten Ladezeit für gut zwei Stunden Weiterbetrieb. Leider erweist sich die Killer-App als Akku-Killer: Wer wie ich am liebsten 360-Grad-Raumklang in einem der beiden Immersive-Modes genießt, darf sich selbst bei randvollen Akkus bereits nach vier Stunden auf eine Ladepause gefasst machen.

App & Bedienung: Vertrautes Terrain
Bei der App gibt es keine Überraschungen: Bose bleibt bei der Bose Music App für iOS und Android. Auch funktional ist alles beim Alten geblieben. Auch die kleinen Gimmicks sind wieder an Bord – etwa die automatischen Namensvorschläge für die Earbuds. Die Liste reicht von charmant bis fragwürdig: „Bass Bumper“, „Earphoria“, „Moonwalk“ bis hin zu „Vanilla Cream“. Am Ende blieb es bei uns dann doch bei der nüchternen Wahrheit: „Bose QC Ultra Earbuds“.
Wie gehabt lassen sich in der App die Touch-Gesten der Sensorflächen nach eigenem Gusto anpassen. Wiedergabe starten und stoppen, Lautstärke regeln, Siri oder Google Assistant aktivieren, ANC auf Transparenz umschalten lässt sich auf Wunsch direkt an den Ohrstöpseln abrufen. Typisch Bose ist auch der praktische Gesprächsmodus: Zieht man einen der beiden Earbuds aus dem Ohr, schaltet der andere automatisch auf Durchzug, was kurze Dialoge deutlich entspannter macht.
Telefonate handhaben die neuen Ultra-Earbuds ebenfalls souverän. Ein Fingertipp auf den rechten In-Ear genügt zum Annehmen des Anrufs. Dabei können die Bluetooth-In-Ears die Telefonnummer des Anrufers ansagen. Es gibt auch weitere nützliche Sprachansagen, etwa für den Ladezustand beim Einsetzen der Earbuds in den Ohrkanal, die sich in der App wie gewohnt konfigurieren lassen.
Ebenfalls unverändert blied die CustomTune-Funktion. Direkt nach dem Einsetzen wird ein kurzer Sweep abgespielt, der die Abdichtung im Ohr überprüft. Dieser Earbud-Seal-Test lässt sich jederzeit manuell wiederholen.









ANC & Transparenz: Bose bleibt seiner Linie treu
Auch bei der Bezeichnung der ANC-Funktionen geht Bose weiterhin eigene Wege. Das aktive Noise-Cancelling läuft unter dem schlichten Namen „Leise“, während der Transparenzmodus auf „Wahrnehmbar“ hört.
Denn anders als bei vielen anderen In-Ears fällt beim Transparenzmodus kein starkes Rauschen auf, das sonst des öfteren mit der durchgeschleiften Mikrofonwiedergabe einhergeht. Diese Begleiterscheinung haben wir in Tests anderer Hersteller regelmäßig erlebt. Die QC Ultra schaffen es jedoch, Stimmen und Umgebungsgeräusche so sauber weiterzugeben, dass man fast vergisst, überhaupt Kopfhörer zu tragen. Hier setzt Bose in puncto Natürlichkeit tatsächlich einen Maßstab.
Wie beim Vorgänger lassen sich außerdem eigene Szenarien anlegen mit individuellen Einstellungen für ANC und Immersive. Bei den Voreinstellungen gibt es jetzt den Kino-Modus, den wir auch schon von der 2. Generation der QuietComfort Ultra Headphones kennen. Dieses Sound-Preset empfiehlt sich mit seinem besonders weiträumigen, kräftige Klang und dem fest auf „Unbewegt“, also mit 360-Grad-Head-Tracking fixierten Immersive-Modus für eine ganz private Form von Filmvergnügen.
Zusätzlich stellt die App eine Liste vordefinierter Namen bereit – von „Büro“ bis „Draußen“ – die sich jeweils mit individuell einstellbarer ANC-Stärke verknüpfen lassen. Über einen Slider bestimmt man für jedes Szenario, wie stark die Geräuschunterdrückung wirken soll. Praktisch, wenn man zwischen Alltag, Pendeln und ruhiger Umgebung hin- und herwechselt.

Klang und Feintuning – gezielte Anpassungen statt radikale Neuausrichtung
Auch klanglich bleibt Bose seinem Ansatz treu. Mein Eindruck beim Vorgänger wird auch von der neuesten Version bestätigt. Zwar wirken die QuietComfort Ultra 2nd Gen. nicht so audiophil auflösend und neutral wie beispielsweise der gut dreimal so teure Beyerdynamic Xelento 2 Wireless. Aber sie klingen richtig satt und können neben köperhafter, natürlicher Stimmenwiedergabe ein akustisches Schlagzeug einfach authentisch wiedergeben oder elektronische Beats mit Drive reproduzieren. Und sie schaffen es, die Klangbühne für In-Ear-Verhälltnisse außergewöhnlich weit aus dem Kopf zu bekommen. Das Kunststück gelingt ihnen nicht nur an den Seiten, sondern in den beiden Immersive-Modi „Unbewegt“ und „Bewegung“ auch in der Mitte des Panoramas.
Wie eingangs erwähnt, funktioniert das Head Tracking jetzt in dem für Musikhören im Sessel oder vor dem Bildschirm gedachten Unbewegt-Modus so gut wie verzögerungsfrei. Zudem reagiert die Ortung nicht nur auf Drehungen, sondern auch auf Auf- und Abwärtsbewegungen des Kopfs. Für optimale Wirkung hat Bose auch wieder eine Kalibrierungs-Funktion für das Head Tracking integriert, die man zu Beginn der immersiven Hörsession verwenden sollte. Weniger Kopfhörer-Gefühl über einen Ohrkanal-Kopfhörer geht beim derzeitigen Stand der Technik kaum.
Das bedeutet konkret: Solo-Stimmen und -Instrumente erscheinen noch ein Stück weiter vorne im Raum. Die Feinauflösung und Natürlichkeit von Stimmen macht die Bose Earbuds für alle Musikarten geeignet. Die Hochtonauflösung und Feinzeichnung ist weniger auf audiophile Extravaganzen abgestimmt, als auf stundenlanges Musikhören mit Spaß an der Sache.
Überträgt nicht nur Frequenzen, sondern Emotionen
Was ich persönlich schon an der ersten Generation der Bose QuietComfort Ultra Earbuds überaus schätzte, bietet auch die zweite Generation: Es ist jene Intensität und Authentizität der Musikwiedergabe mit dem satten, punchigen Bass, der sich aber sehr gut ins Klangbild einfügt. In Verbindung mit dem ausgezeichneten Tragekomfort – für mich bei Kopf- und insbesondere bei Ohrhörern wichtiger, als die letzten Klangnuancen – macht das die QuietComfort Earbuds der 2. Generation unabhängig von der Preisklasse zu einem der besten In-Ears überhaupt. Es gibt kleinere, leichtere Ohrhörer, die sich nicht annähernd so bequem tragen lassen wie die jetzt mit optimierten Ohrpolstern und Einsätzen aus haut- und reinigungsfreundlichem Silikon gelieferten Earbuds.
Live vs Bose: Direktvergleich mit dem Konzert
Kürzlich ließ ich bei besonders schönen Stücken in unserem Stuttgarter Jazz Club Bix beim Konzert einer stadtbekannten Cover-Band mit einem Repertoire von Toto über Prince bis Eminem die Kamera meines iPhones bei Stücken wie „Purple Rain“ mitlaufen. Bei den Drums und der E-Gitarre bekam ich regelmäßig Gänsehaut. Als ich zuhause meine Bootlegs über die QuietComfort Ultra Earbuds 2 bestimmt fünfmal hintereinander hörte, bekam ich in den gleichen Passagen wie im Live-Konzert wieder Gänsehaut.
Während es gerade unter wollgefärbten HiFi-Fans üblich ist, sich bei der Klangbewertung mit Wissen um den Hersteller, Preis oder Testurteil aus dem Lieblingsmagazin selbst zu überlisten, kann man sein Unterbewusstsein nicht austricksen. Gerade die explosive Wucht der Bass Drum kann man nicht nur über Kopfhörer selten so authentisch erleben, sondern auch über die meisten HiFi-Lautsprecher. Vor allem nicht in einem Mehrfamilienhaus nach Mitternacht. Der Bass der beiden Bose ist nicht einfach nur voluminös, er besitzt auch das Timing und die Dynamik, die für Gänsehaut nötig ist. Und auch die E-Gitarrensolos gingen mir nach dem Konzert noch genauso unter die Haut wie während der Live-Performance. Mehr kann man von einem Kopfhörer der Klasse um 300 Euro kaum erwarten, zumal das ANC ebenfalls über die Preisklasse hinaus Maßstäbe setzt. Bei Bedarf kann es die Umwelt akustisch so gut wie vollständig ausblenden.
Die Akkus ermüden schneller als der Träger der Bluetooth-In-Ears
So setzen dann bei den QC Ultra Earbuds auch in der zweiten Generation die Akkus die Limits, obwohl man sich mit Laufzeiten der sehr ehrlichen Herstellerangabe von 6 Stunden mit ANC grundsätzlich nicht wirklich beschweren kann. Nur leider drückt ausgerechnet der Einsatz des Immersive-Audio-Raumklangs, dazu, dass sie Akkus eher schlapp machen. Vor allem überkam mich beim Hören mit den Earbuds immer das Gefühl, dass die Zeit im Fluge vergeht. Das übliche Ermüdungsgefühl, das unter anderem durch das Druckgefühl im Ohrkanal entsteht, welches viele Mitbewerber erzeugen, ließ sich auch mit den jetzt geringfügig schwereren Ultras vermeiden.
Bose QC Ultra Earbuds 2: Fazit und Alternativen
Die Unterschiede zwischen den Generationen fallen sehr dezent aus. Für mich sind das verringerte Rauschen und das geschmeidiger agierende Head Tracking die wichtigsten Verbesserungen. Die Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2. Gen. sind für mich in der Summe einer der besten Kopfhörer überhaupt: Satter, stimmiger Klang für Rock-, Pop-, Hip-Hop- und Jazz-Fans trifft exzellenten Tragekomfort.
Nicht ganz so souverän, nicht ganz so bequem doch von der Tendenz in die gleiche Richtung zielend sind die Cambridge Melomania A100. Angesichts des deutlich niedrigen Preises gilt es dabei aber sowohl beim ANC als auch in Sachen räumliches Hören Abstriche zu machen. Und selbst die eigentlich in der gleichen Klasse angesiedelten Sony WF-1000XM5 müssen sich mit ihrem akkuraten, aber etwas nüchternen Klang in Sachen Emotionalität geschlagen geben und sind auch beim Noise-Cancelling nicht ganz so radikal wie die QuietComfort Ultra der 2. Generation.
Technische Daten Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2. Gen.
- Preisempfehlung des Herstellers: 300 Euro
- Bauart: In-Ear
- Wandlerprinzip: Dynamisch
- Gewicht: je 67,7 g, Case 61,23 g
- Akkulaufzeit: 6 Stunden bei aktiviertem ANC (24 Stunden mit Nachladen im Case)
- Besonderheiten: aktives Noise-Cancelling , wasserabweisend nach IPX4, App-Steuerung, 3 Paar Silikon-Ohreinsätze (S, M, L), 3 Paar stabilisierende Bänder (Größe 1, 2, 3)
- Mehr unter: bose.com






