STEREO GUIDE Testurteil
Die AE Active begeistert mit Neutralität in Reinform. Sie spielt fein aufgelöst, ausgewogen und selbst bei hohen Pegeln frei von Härte. Ihr Bass besitzt Punch und Kontur, reicht in großen Räumen aber nicht besonders tief. Größte Einschränkung bleibt die rein analoge Anschlussausstattung.
Vorteile
- Extrem ausgewogener Klang mit natürlicher Stimmwiedergabe
- Konturierter Bass mit einem für die Größe guten Punch
- Cinch- und XLR-Eingänge
- Tadelloses Hochglanzfinish
Nachteile
- Keine Digital-Eingänge
- Keine Drahtlosschnittstelle
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Natürlichkeit / Transparenz9.5
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Bass / Dynamik8.9
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Räumliche Abbildung9.5
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Praxis / Connectivity8.8
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Preis/Leistung8.8
„When Do I Get To Sing ‚My Way‘?“ fragten die Sparks 1994 mit einer feinen Mischung aus Selbstironie, Melancholie und Spott über einen der meistgecoverten Songs. Für HiFi-Tester gibt es ähnliche Evergreens, die jeder mal in den Händen gehabt haben sollte. Eine Acoustic Energy AE1 gehört definitiv dazu.
Für STEREO GUIDE, bei dem wir uns modernem Audio-Equipment verschrieben haben, darf es natürlich lieber ein aktives Modell sein. Und just beim Träumen von ewigen HiFi-Komponenten kam das Angebot des Vertriebs, die brandneue Version der AE Active zu testen. Wobei die Briten die Eins inzwischen aus dem Namen gestrichen haben: Das neue Modell heißt offiziell Acoustic Energy AE Active, und hebt sich damit von der 2017 vorgestellten AE1 Active ab – akustisch, technisch und optisch soll es von Grund auf modernisiert worden sein.
Auch im Segment der Aktivlautsprecher gehen die Briten aber ´My Way´. Sie pflegen einen Purismus, der die Jahrtausendwende erstaunlich unbeschadet überstanden hat. Netzwerk, Bluetooth, USB-Eingang oder gar HDMI ARC? Alles Fehlanzeige. Hier geht es nach alter Väter Sitte per Cinch oder XLR analog hinein, auch die Signalverarbeitung, Frequenzweiche und Endstufen bleiben komplett auf der analogen Ebene.

Acoustic Energy AE Active: Ein Klassiker verliert die Eins
Die ursprüngliche AE1 Active kam 2017 auf den Markt und verfolgte bereits damals einen anderen Ansatz als viele Aktivlautsprecher. Sie wollte keine komplette Anlage mit eingebautem DAC, Funkempfänger und Quellenwahl ersetzen, sondern in erster Linie Endverstärker und passive Frequenzweiche überflüssig machen. An diesem Konzept hält Acoustic Energy fest. Die neue AE Active ist deshalb keine smarte All-in-one-Box, sondern ein konsequent analoger, vollaktiver Zwei-Wege-Lautsprecher.
Das bedeutet: In jedem Gehäuse sitzen eine aktive Frequenzweiche und zwei separate Endstufen. Tiefmitteltöner und Hochtöner erhalten also jeweils ihren eigenen, exakt auf den betreffenden Arbeitsbereich zugeschnittenen Verstärker. Zugleich sind beide Lautsprecher technisch gleichberechtigt. Es gibt keine Masterbox, die das Signal digital oder über ein Lautsprecherkabel an die zweite Box weiterreicht. Beide benötigen einen eigenen Stromanschluss und ein eigenes Line-Signal von einer Vorstufe, einem DAC oder einem Streamer mit regelbarem Ausgang.
Gegenüber der AE1 Active von 2017 steckt in der Neuauflage deutlich mehr als ein kosmetisches Facelift. Die Verstärkerschaltungen wurden nach Angaben von Acoustic Energy auf höhere Dynamikreserven optimiert. Auch die analogen Filter erfuhren eine Überarbeitung, um Phasendrehungen im Übergangsbereich zu verringern. Die Trennfrequenz sank von ehemals 3,5 auf 3,1 Kilohertz. Statt eines steilflankigen Filters vierter Ordnung mit 24 dB/Oktave kommt nun ein flacheres Filter zweiter Ordnung mit 12 dB/Oktave zum Einsatz. Vor allem aber erhielt die AE Active neue beziehungsweise weiterentwickelte Chassis.
In China gefertigt, very british gestaltet
Schon beim Gehäuse machte die neue AE Active einen hervorragenden Eindruck. Die in China gefertigte Britin übertrifft in diesem Punkt meine eigene, seinerzeit aus Malaysia stammende Acoustic Energy Radiance 2 deutlich. Der weiße Hochglanzlack des Testpaars wirkt tief und gleichmäßig, die seitlichen Kanten sind elegant verrundet und die Übergänge nahtlos ausgeführt. Die rückseitige, schlitzförmigen Bassreflexöffnung hat Acoustic Energy sauber eingepasst. Alternativ gibt es die Box in schwarzem Hochglanzlack oder mit natürlichem Walnussfurnier. Der Paarpreis liegt bei 1.500 Euro. Das ist angesichts von vier eingebauten Endstufen und der gebotenen Verarbeitung ausgesprochen fair.
Mit 31,2 Zentimetern Höhe, 18 Zentimetern Breite und 25 Zentimetern Tiefe bleibt die AE Active angenehm kompakt. Jede Box bringt dennoch stattliche 7,5 Kilogramm auf die Waage. Das Gehäuse besteht aus 18 Millimeter starkem MDF und wird intern mit Verstrebungen sowie Dämpfungselementen beruhigt. Die schlitzförmige Reflexöffnung nutzt die verfügbare Breite effizient und soll Strömungsgeräusche reduzieren. Weil sie nach hinten abstrahlt, sollte man der Box dennoch etwas Luft zur Rückwand gönnen oder die dreistufige Bassanpassung nutzen.
Die magnetisch haftende Stoffbespannung kommt ohne sichtbare Haltestifte aus und hinterlässt nach dem Abnehmen eine angenehm aufgeräumte Schallwand. Dazu tragen auch die neuen, silikonbeschichteten Einfassungen der Chassis bei. Auffällig ist der geringe Abstand zwischen Hoch- und Tiefmitteltöner. Je näher deren akustische Zentren zusammenrücken, desto eher nähert sich ein Zwei-Wege-Lautsprecher dem Ideal einer Punktschallquelle. Davon darf man besonders bei kurzen bis mittleren Hörabständen eine stabile, präzise räumliche Abbildung erwarten. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, muss natürlich der Hörtest zeigen.


Metall-Membranen in sechster Generation
Beim 12,5 Zentimeter großen Tiefmitteltöner greift Acoustic Energy auf eine Entwicklung aus der passiven AE1 40th Anniversary Edition zurück. Seine keramisch beschichtete Aluminium-Membran steht in der Tradition jener Metallkonusse, mit denen sich die Marke einst einen Namen machte. Der Hersteller spricht inzwischen von der sechsten Generation dieser Technik. Die harteloxierte, im Metalldrückverfahren geformte Aluminiummembran soll besonders steif und zugleich leicht ausfallen. Dadurch soll sie sich in ihrem Arbeitsbereich möglichst kolbenförmig bewegen, statt sich zu verformen und eigene Partialschwingungen auszubilden. Ob daraus tatsächlich die versprochene Schnelligkeit und Impulstreue resultiert, bleibt ebenfalls eine Frage für den Hörtest.
Darüber arbeitet eine 2,7-Zentimeter-Kalotte aus Aluminium. Für die neue AE Active bekam der Hochtöner eine überarbeitete rückwärtige Kammer. Sie soll Verzerrungen rund um die Übergangsfrequenz reduzieren und insbesondere Stimmen natürlicher, weniger harsch erscheinen lassen. Die Kalotte sitzt in einem WDT-Waveguide. Das Kürzel steht für Wide Dispersion Technology. Die Schallführung soll hohe Frequenzen breiter verteilen und den unteren Arbeitsbereich des Hochtöners zugleich stärker bündeln. Ziel ist ein gleichmäßigeres Abstrahlverhalten, bei dem weniger Schallenergie über frühe Reflexionen von Wänden, Boden und Decke zum Hörer gelangt.
Acoustic Energy gibt für die AE Active eine Bandbreite von 42 Hertz bis 28 Kilohertz an, nennt im vorliegenden Datenblatt allerdings keine dazugehörige Pegeltoleranz. Für den Antrieb bleibt es bei klassischer Analogtechnik: Pro Chassis steht eine Class-A/B-Endstufe mit 50 Watt bereit, gespeist von einem linearen Netzteil. Damit stecken in jedem Lautsprecher 100 Watt und im Stereopaar insgesamt vier Endstufen mit zusammen 200 Watt. Auf digitale Signalverarbeitung verzichtet Acoustic Energy vollständig. Auch Frequenztrennung und Klangkorrektur erfolgen rein analog.

Analoge Anschlüsse statt Streaming-Komplettpaket
Entsprechend übersichtlich fällt das Anschlussfeld aus. Jede Box besitzt einen unsymmetrischen Cinch-Eingang und eine symmetrische XLR-Buchse. Den Cinch-Anschluss hat Acoustic Energy gegenüber dem Vorgänger aufgewertet, damit er auch mit hochwertigen, bisweilen recht voluminösen Audiokabeln besser harmoniert. XLR empfiehlt sich vor allem bei längeren Leitungswegen, weil die symmetrische Signalführung unempfindlicher gegenüber eingestreuten Störungen ist. Beide Eingänge gleichzeitig zu belegen, untersagt die Bedienungsanleitung ausdrücklich.
Zum Lieferumfang gehören neben zwei Netzkabeln auch zwei jeweils drei Meter lange Cinch-Leitungen. Damit lässt sich ein passender Vorverstärker oder Streamer direkt mit beiden Lautsprechern verbinden. Eine Durchschleifmöglichkeit von der einen zur anderen Box gibt es nicht. Das ist konsequent, verlangt bei weiter auseinanderstehenden Lautsprechern aber entsprechend lange Kabelwege von der mittig platzierten Quelle zu beiden Seiten.
Über getrennte rückseitige Regler lässt sich der Pegel jeder Box von stumm bis 0 dB einstellen. Wer eine Quelle mit variablem Ausgang nutzt, stellt beide Regler normalerweise auf den gleichen Wert – im Idealfall auf Maximum – und regelt die Lautstärke komfortabel an der Vorstufe oder am Streamer. Eine Quelle mit festem Line-Ausgang lässt sich grundsätzlich ebenfalls anschließen. Dann müsste man die Lautstärke jedoch an beiden Lautsprechern separat verändern und zugleich auf exakten Gleichlauf achten. Eine Fernbedienung gibt es schließlich ebenso wenig wie eine App.
Analoger Purismus

Zwei weitere Regler erlauben eine moderate Anpassung von Bass und Höhen um jeweils plus oder minus 2 dB. Der Bass-Regler hilft vor allem bei wandnaher Aufstellung, während sich mit dem Höhenregler stark bedämpfte oder eher hallige Räume in gewissen Grenzen berücksichtigen lassen. Die Korrektur ist Teil der aktiven analogen Schaltung und darf deshalb auch von Puristen ohne schlechtes Gewissen genutzt werden. Für die Praxis ist sie ohnehin deutlich nützlicher, als manch dogmatischer HiFi-Fan zugeben dürfte.
Alltagstauglicher als ihr Vorgänger gibt sich die AE Active schließlich beim Energiemanagement. In der Stellung „Auto“ wechseln die Lautsprecher nach 15 Minuten ohne Eingangssignal in den Standby-Modus und wachen ab einer Eingangsspannung von 24 Millivolt wieder auf. Alternativ lassen sie sich dauerhaft eingeschaltet betreiben oder über den separaten Netzschalter vollständig vom Strom trennen. Eine in die Einfassung unterhalb des Tiefmitteltöners integrierte LED informiert mit weißem oder rotem Licht über den Betriebszustand.
Damit bleiben für eine zeitgemäße, wohnraumfreundliche Anlage eigentlich nur zwei Fragen offen: Welche kompakte Quelle ergänzt den britischen Analog-Purismus um Streaming, komfortable Lautstärkeregelung und weitere Eingänge? Und hält die AE Active klanglich, was ihre aufwendige Technik und ihre traditionsreiche Abstammung versprechen? Die erste Frage ließ sich überraschend elegant beantworten. Für die zweite musste sie im Hörraum Farbe bekennen.
Acoustic Energy AE Active im Hörtest: Die Kunst, nicht gehört zu werden
Selten fiel es mir so schwer, den Klang eines Lautsprechers zu beschreiben. Das ist als sehr großes Kompliment gemeint. Wo ein Schallwandler Ecken, Kanten oder ausgeprägte Vorlieben besitzt, findet der Tester schnell Worte für seinen Charakter. Die AE Active macht es einem deutlich schwerer: Dieser kleine Aktivlautsprecher verkörpert Neutralität in ihrer reinsten Form.
Natürlich gibt es einen gewissen Korridor, innerhalb dessen man einen Lautsprecher noch als neutral bezeichnen kann. Manche Boxen bewegen sich eher auf der hellen, andere auf der dunklen Seite dieses schmalen Grats zwischen musikalischer Wahrheit und Verfärbung. Klassische britische Lautsprecher neigen nicht selten zu einer etwas wärmeren, weicheren Gangart, während traditionelle deutsche Abstimmungen mitunter heller und analytischer ausfallen. Die Britin von Acoustic Energy hält sich dagegen mit bemerkenswerter Konsequenz genau in der Mitte.
Das bedeutet keineswegs, dass sie grau, langweilig oder emotionslos klingt. Im Gegenteil: Mit der AE Active lässt sich praktisch jede Musikrichtung in vollen Zügen genießen, ohne dass man selbst während eines Hörtests ständig über technische Eigenheiten nachdenken müsste. Statt den Blick auf einzelne Frequenzbereiche oder Effekte zu lenken, gibt sie den Charakter der jeweiligen Aufnahme weiter.
My Way ohne Eigenwilligkeit
Natürlich musste dabei auch jener Titel laufen, der schon den Einstieg in diesen Test lieferte: Sparks’ „When Do I Get to Sing ‚My Way‘?“. Russell Maels hoch angesetzte Stimme, die synthetischen Flächen und der federnde Rhythmus können über zu hell abgestimmte Lautsprecher schnell etwas angestrengt wirken. Die AE Active ließ weder Schärfe aufkommen noch rundete sie die charakteristischen Kanten der Produktion weich. Sie stellte sich nicht zwischen mich und die Musik – und traf gerade dadurch sehr genau deren besonderen Ton.
Das ist letztlich die treffendste Beschreibung ihrer größten Stärke: Man hört sie nicht. Jedenfalls nicht als Lautsprecher und schon gar nicht als technisches Gebilde, das zwischen dem Hörer und der Aufnahme steht. Ich ließ das Testpaar schließlich weiterlaufen, während ich diesen Bericht schrieb – nicht mehr aus analytischem Pflichtgefühl, sondern weil das Musikhören damit schlicht so viel Spaß machte.
Man kann mit der AE Active vollständig in der Musik versinken und sowohl leise als auch laut die Essenz einer Aufnahme wahrnehmen. Zählt man ihre Eigenschaften zusammen, landet man zwangsläufig bei den Primärtugenden eines guten Studiomonitors: hohe Neutralität, feine Auflösung, Pegelfestigkeit und die Fähigkeit, Unterschiede zwischen Produktionen offenzulegen. Dabei vermeidet sie allerdings jene kühle Nüchternheit, die dem Begriff Monitor bisweilen einen wenig musikalischen Beigeschmack verleiht.
Fein aufgelöst, aber niemals harsch
Besonders überzeugend gelang der AE Active der Hochtonbereich. Die Aluminiumkalotte löste fein auf, ohne Details mit künstlicher Brillanz hervorzuheben. Selbst bei höheren Lautstärken wurde die Wiedergabe nicht harsch. Bei Mahlers 2. Sinfonie mit Iván Fischer und dem Budapest Festival Orchestra blieben Streicher, Holz- und Blechbläser auch in den großen Steigerungen sauber voneinander unterscheidbar. Die kleine Box behielt den Überblick, ohne die Musik in Einzelteile zu zerlegen.
Auch der berühmte Gitarreneinsatz bei Dire Straits’ „Money for Nothing“ besaß den nötigen Biss und sprang dynamisch aus dem Arrangement. Die AE Active machte daraus aber keine Vorführung ihrer Metallmembranen. Becken schimmerten fein und lange aus, Gitarren hatten Energie, Stimmen ihre natürliche Körperhaftigkeit – nur eine lästige technische Signatur ließ sich nicht ausmachen.
Beim Bass zählen Kontrolle und Punch
Wenn sich vor dem unvermeidlichen Vergleich mit meiner eigenen High-End-Kette überhaupt eine charakterliche Eigenschaft klar benennen ließ, dann im Bass. Schon bei kleinen Lautstärken entwickelte die AE Active dank ihrer Aktivtechnik einen erstaunlich guten Punch. Tiefe Töne wirkten straff, sauber konturiert und rhythmisch auf den Punkt.
Bei Yellos „The Expert“ ließ sie die elektronischen Bassimpulse entsprechend trocken und präzise federn. In meinem sehr großen Wohnzimmer mit Dachschräge und bassabsorbierenden Trockenbauwänden reichte sie allerdings nicht besonders tief hinab. Der unterste Frequenzbereich besaß weniger Substanz, als es die ansonsten souveräne Darbietung zunächst erwarten ließ. In einem kleineren, rechteckigen Raum oder im Nahfeld eines Studios dürfte dieser Punkt deutlich weniger ins Gewicht fallen. Dort könnte die kontrollierte Abstimmung sogar genau richtig sein und problematisches Dröhnen vermeiden.
Ein etwas unfairer Familienvergleich
Im Bass lag denn auch der größte Unterschied zu meiner eigenen Anlage. Die gut dreimal so großen Acoustic Energy Radiance 2 sind passive 2,5-Wege-Standlautsprecher mit doppelter Tieftonbestückung. Zusammen mit der externen Bi-Amping-Elektronik von Naim und Phonosophie entwickelten sie einen explosiveren Kick, mehr Tiefgang und spürbar mehr Substanz. Alles andere wäre angesichts von Größe, Aufwand und Preis allerdings auch eine ziemliche Überraschung gewesen.
Bemerkenswert war vielmehr, was beim Zurückschalten geschah. So sehr ich meine Radiance 2 schätze: Unmittelbar nach der vorbildlich ausbalancierten AE Active wirkten die großen Standboxen beinahe ein wenig harscher und kühler. Für sich gehört würde mir diese Tendenz kaum auffallen. Der direkte Vergleich zeigte jedoch, wie eisern die kleine Aktivbox die tonale Mitte hält.
Auch bei der räumlichen Abbildung musste sich die deutlich günstigere Aktivlösung keineswegs geschlagen geben. Beide Acoustic-Energy-Modelle zeichnen eine breite, stabile und geschlossene Bühne, staffeln einzelne Schallquellen aber eher flächig, als Stimmen und Instrumente mit dem Skalpell messerscharf aus dem Raum zu schneiden. Darin lässt sich durchaus eine gewisse Familienverwandtschaft erkennen.
Bei Tori Amos’ Interpretation von „Swimming Pools“ auf Trevor Horns Album „Echoes: Ancient & Modern“ stand die Stimme glaubhaft und frei zwischen den Lautsprechern. Hallräume und feine Nebengeräusche blieben gut nachvollziehbar, ohne dass die Sängerin als übertrieben plastisches Klang-Hologramm vor die Boxen trat. Wer eine maximal körperhafte, tief gestaffelte Abbildung sucht, findet anderswo stärker auf diesen Effekt gezüchtete Lautsprecher. Die AE Active setzt stattdessen auf Homogenität und Langzeittauglichkeit.
Minimalistisches Streaming per Bluetooth
Die wirklichen Einschränkungen der AE Active liegen nicht im Klang, sondern bei der Konnektivität. Sie gehört zu den wenigen modernen Aktivlautsprechern, die nicht einmal Digitaleingänge besitzen. Bluetooth und USB wie bei der Cambridge Audio L/R S fehlen ebenso wie das vollständige Netzwerk-Streaming einer Cambridge Audio L/R X. Acoustic Energy liefert im Grunde einen analogen Aktivmonitor – um die Quelle muss sich der Besitzer selbst kümmern.
Neben klassischen Zuspielern wie CD-Player und Plattenspieler verwendete ich deshalb eine ebenso minimalistische wie smarte Lösung, die ausgezeichnet zur AE Active passt: den von Phonosophie getunten Audioengine B1. Den kleinen Bluetooth-Empfänger hatte ich schon vor Jahren für meine Freunde von den HiFi-IFAs getestet und nutze ihn bis heute mit großem Vergnügen an meiner eigenen Anlage.
Direkt per Cinchkabel mit den AE Active verbunden, entsteht daraus eine verblüffend kompakte HiFi-Anlage. Smartphone und B1 übernehmen Quellenwahl und Lautstärkeregelung, während die beiden Lautsprecher nur noch Strom und das analoge Musiksignal benötigen. Bei mir kam die Musik von unserem Streaming-Partner Qobuz, der Aufnahmen mit bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz anbietet. Über die Bluetooth-Strecke erreicht diese Auflösung die Lautsprecher selbstverständlich nicht nativ. Trotzdem klang die Kombination überraschend erwachsen, sauber und musikalisch.
Für unkomplizierte Hintergrundbeschallung ist diese Lösung nahezu perfekt. Doch auch bei konzentriertem Zuhören vermittelt sie bereits sehr viel von dem, was die AE Active auszeichnet. Wer ihr volles Potenzial ausschöpfen möchte, kann später immer noch einen hochwertigen Streamer oder DAC mit regelbarem Ausgang ergänzen. Dsfür würde sich zum Beispiel auber auch ein günstiger Streaming-Preamp wie beispielseise der WiiM Ultra (UVP 439 Euro) anbieten.
Fazit und Alternativen zur Acoustic Energy AE Active
Unterm Strich ist die Acoustic Energy AE Active ein vorbildlich neutraler, für praktisch alle Musikrichtungen offener Lautsprecher. Sie spielt fein aufgelöst, langzeittauglich und selbst bei höheren Pegeln frei von Härte. Gleichzeitig bleibt sie kompakt, hervorragend verarbeitet und angesichts der eingebauten Verstärkertechnik erstaunlich erschwinglich.
Echte Einschränkungen ergeben sich nur durch die rein analoge Anschlussausstattung und – zumindest in sehr großen, akustisch basszehrenden Räumen – beim absoluten Tiefgang. Ihre wichtigste Tugend lässt sich dagegen in einem einzigen Satz zusammenfassen: Die AE Active klingt nicht wie ein Lautsprecher. Sie lässt einfach die Musik spielen. Wer wirklich nur mit zwei Boxen und einem Smartphone streamen möchte oder auf Multiroom-Betrieb Wert legt, findet in der Cambridge Audio L/R X eine vielseitge Alternative mit einer ausgereiften Streaming-Engine an Bord. Sie kostet zwar laut Liste 500 Euro mehr, kommt aber auch ohne zusätzliche Elektronik aus. Und mit ihrem Downfire-Tieftöner und den beidsetigen Passiv-Membranen kann sie auch größere Räume mit zünftigem Bassfundament beschallen.
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Technische Daten: Acoustic Energy AE Active
- Preisempfehlung des Herstellers: 1.500 Euro
- Abmessungen (B x H x T): 18 x 31,2 x 25 cm
- Gewicht: 7,5 kg
- Farben: Walnussholzfurnier, Schwarz hochglänzend und Weiß hochglänzend
- Besonderheiten: Cinch, XLR, Bass/Treble-Regelung ±2, Stoffabdeckungen mit Magnethalterung
- Mehr unter: https://acoustic-energy.de






