STEREO GUIDE Test-Urteil
Der OneOdio Focus A6 überzeugt mit wirkungsvollem Hybrid-ANC, funktioneller App, homogenen Klang mit zünftigem Bass und bis zu 75 Stunden Akkulaufzeit. Bei einem Preis von deutlich unter 100 Euro ein klarer Kauftipp.
Vorteile
- Homogene Klangabstimmung
- Ordentlicher, kontrollierter Bass
- Sehr wirksames ANC
- Lange Akkulaufzeit
Nachteile
- Ohne Case oder Schutzhülle
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Natürlichkeit / Transparenz7
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Bass / Dynamik8.3
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Praxis / Connectivity8.9
-
Preis/Leistung9.9
Obwohl STEREO GUIDE zu den jüngeren Online-HiFi-Magazinen zählt, ist man sogar schon im über 7.000 Kilometer entfernten China auf uns aufmerksam geworden. So erreichte uns kürzlich neben den üblichen Spam-Angeboten nach SEO-Dienstleistungen oder bezahlten Advertorials eine interessante Anfrage einer mir bis dato völlig unbekannten, aber seriös wirkenden Audio-Brand. Die freundliche Dame bot uns einen sehr günstigen Over-Ear-Kopfhörer mit leistunsgfähigem Active Noise-Cancelling (ANC) zu einem unabhängigen Testbericht an. Why not, wenn er nicht gut ist, braucht man sich nicht die Mühe machen, über ein unbekanntes Produkt zu berichten. Was aber, wenn er wirklich gut ist? Das wäre eine Entdeckung. So bestellten wir ein Testmuster.
Die Verpackung wirkte auch nach dem Entfernen der bedruckten Hülle schon mal einladend, deshalb habe ich sie auch im Foto festgehalten, obwohl ich gewiss kein Fan von Unboxing-Beiträgen bin. Auch der zweite Eindruck des faltbaren, aber ohne Etui ausgelieferten Bluetooth-Kopfhörers überraschte mich positiv. Die Seitenwangen der Ohrmuscheln bestehen zwar trotz ihres Metall-Looks wie der ganze Kopfhörer mit Ausnahme des mittleren Bügels aus schwarzem Kunststoff, doch das gilt für zahlreiche weitaus teurere Over-Ears aus renommierten Häusern auch.

Der OneOdio Focus A6 bringt alles mit, was man von einem modernen ANC-Kopfhörer erwartet – und setzt sogar noch einen drauf. Herzstück ist die Hybrid Active Noise Cancellation, die laut Datenblatt bis zu –48 dB Geräuschunterdrückung verspricht. Dabei kombiniert der Kopfhörer Feedforward- und Feedback-Technologie, unterstützt von fünf empfindlichen Mikrofonen. Das Ergebnis: störende Umgebungsgeräusche verschwinden fast komplett, egal ob im Flugzeug, im Büro oder in der Bahn. Über fünf verschiedene Modi lässt sich die Geräuschunterdrückung flexibel anpassen – von völliger Abschottung bis hin zu Umgebungswahrnehmung.
Klanglich setzt OneOdio auf 40-mm-Treiber mit PET-Membran, die nicht nur kräftigen Bass, sondern auch fein aufgelöste Mitten und Höhen liefern sollen. Der Kopfhörer ist Hi-Res Audio zertifiziert und unterstützt den hochauflösenden LDAC-Codec, wodurch Musikstreams dreimal so detailreich übertragen werden wie mit Standard-Bluetooth.

Sprachqualität & Telefonie
Für klare Anrufe unterwegs sorgen fünf Mikrofone mit KI-gestützter Rauschunterdrückung. Wind, Straßenlärm oder Stimmengewirr werden zuverlässig herausgefiltert, sodass die eigene Stimme deutlich und ohne Störungen beim Gesprächspartner ankommt.
Konnektivität
Der Focus A6 nutzt Bluetooth 6.0 mit ISOAL-Technologie, was für stabile Verbindungen, schnelles Pairing und geringe Latenzen sorgt. Besonders praktisch ist das Dual-Pairing: Der Kopfhörer kann gleichzeitig mit zwei Geräten verbunden sein, sodass sich nahtlos zwischen Smartphone und Laptop wechseln lässt. Wer möchte, kann den Kopfhörer auch per USB-C-Kabel betreiben – nicht nur am Rechner, sondern auch am Smartphone. Dabei bleiben die ANC-Funktionen nutzbar und der Kopfhörer kann während der Wiedergabe auch gleich seinen Akku aufladen.

Akku, Laufzeit und Komfort
Ein echtes Highlight ist die Akkulaufzeit von bis zu 75 Stunden, auch wenn sich dieser Traumwert nur ohne ANC erzielen lässt. Doch die in der Praxis erreichbaren Werte von bis zu 45 Stunden mit aktiviertem ANC sind sogar über diese Preisklasse hinaus top. Selbst bei täglicher Nutzung hält der Kopfhörer fast eine ganze Woche durch. Geladen wird bequem per USB-C, auch während des Hörens. Damit ist der Focus A6 einer der ausdauerndsten Bluetooth-Kopfhörer mit ANC auf dem Markt.
Trotz seiner Technik bleibt der OneOdio Focus A6 mit nur 240 Gramm angenehm leicht. Der verstellbare Kopfbügel sorgt für eine individuelle Passform, während die weichen, gepolsterten Ohrmuscheln auch bei stundenlangem Tragen nicht drücken.

Gelungene App-Steuerung
Über die OneOdio App lässt sich der Kopfhörer individuell anpassen. Neben Equalizer-Presets wie „Pop“ „Bass-Modus“ und „Super-Bass-Modus“ steht ein 7-Band-Equalizer und diverse ANC-Einstellung zur Verfügung. So gibt es einen „Windgeräuschreduzierungsmodus“ für stürmische Verhältnisse und auch einen zusätzlichen Transparenzmodus für solche Wetterlagen.
Gamer können auf einen speziellen Modus wechseln und somit die Latenz auf 0,065 Sekunden verringern, um verzögerungsfreien Spiele-Sound über die OneOdio-Kopfhörer wiederzugeben. Damit nicht genug. Der Funktionsumfang dürfte manche etablierte HiFi-Hersteller neidisch machen. Da lässt sich die Ausschaltzeit nach Aktivierung der Abschalt-Automatik einstellen, eine Tageszeit-Erinnerung oder Multipoint-Verbindung zu zwei Geräten aktivieren. Und es gibt sogar eine Funktion, um den Kopfhörer durch laute Wiedergabe hochfrequenter Töne zu finden.
Das alles gelingt den chinesischen Newcomern ohne die verbreiteten Übersetzungsfehler in der deutschen Version der OneOdio App, die im Apple App Store und auf Google Play zum kostenlosen Download bereitsteht. Ebenfalls nicht selbstverständlich: Nach der umstandslosen Verbindung (ohne Registrierung und ewige Zugriffsrechte-Anfragen) von Smartphone, App und Kopfhörer wurde ein Software-Update angezeigt. Das war nach nur rund zwei Minuten installiert und nach einem automatischen Neustart des Bluetooth-Kopfhörers verwendbar.





Sound-Test und ANC-Praxis-Prüfung: Stunde der Wahrheit
Im Praxisteil des Tests konzentrierte ich mich zunächst auf das Active Noise-Cancelling, dem ich spätestens nach der Entdeckung eines dezidierten Wind-Modus einiges zutraute. Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, verwende ich dazu vor dem ANC-Test auf der Straße bevorzugt meinen Teufel Boomster, mit dem ich bei der Arbeit Digital-Radio höre. Dank seiner stufenweisen digitalen Lautstärke-Anzeige ist er ideal für Vergleiche. Dabei staunte ich schon über die hohe passive Isolation des geschlossenen Kopfhörers.
Mit aktiviertem ANC war die Verblüffung perfekt: Der OneOdio blendete bei Lautstärke 3 auf rund 2 Meter Distanz die Musik fast vollständig aus. Ab Stufe vier konnte man zwar dem Songtext folgen, doch den Bass absorbierte der Focus A6 sogar darüber hinaus noch sehr wirkungsvoll. Zwar musste er sich dem ausgezeichneten, allerdings auch über 400 Euro teuren Sony WH-1000XM6 geschlagen geben, der einen noch bei höheren Lautstärken noch bemerkenswert abschirmte. Den Vergleich mit dem immerhin auch über 300 Euro teuren Teufel Real Blue Pro brauchte der OneOdio-Kopfhörer jedenfalls nicht zu scheuen: er lieferte annähernd identische Ergebnisse. Für einen Over-Ear der Preisklasse unter 100 Euro eine beachtliche Leistung.
Bis auf ein leichtes Grundrauschen bei aktiviertem Noise-Cancelling, das wir aber auch schon bei namhaften ANC-Kopfhörern bemerkt haben, machte das ANC alles richtig. Der Transparenzmodus war rauscharm und ebenfalls positiv fiel auf, dass das Tragen einer Brille die Wirkung des ANC-Systems kaum beeinträchtigte – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Die Wirkung der beiden Modi für starken Wind konnten sich allerdings – mangels natürlichem Starkwind – im Luftstrom eines Ventilators nicht sonderlich vom Standard-ANC- und Transparenz-Modus abheben. Das kann man aber auch so interpretieren, dass der Focus A6 schon in den Standard-Einstellungen unter diesen Extrembedingungen sehr im Vergleich zu den meisten ANC-Kopfhörern überraschend gut abschnitt.
Telefonieren in in guter Qualität
Wie auf Bestellung klingelte das iPhone und Falk von den HiFi-IFAs rief an: die perfekte Gelegenheit, seinem audiophilen Gehör das Urteil zu überlassen, was von meiner Stimme auf der anderen Seite ankommt. Ohne zu wissen, um welches Gerät es geht, fand er die Sprachverständlichkeit tadellos. Selbst, als ich meinen Kopf etwa einen halben Meter entfernt von einem auf Stufe 1 rotierenden Ventilator positionierte. Er konnte keinen Unterschied feststellen! Allerdings klang seine Stimme etwas gepresst, was aber nicht unbedingt am Focus A6 liegen muss.

Wenn der Newcomer jetzt im Hörtest gepatzt hätte, wäre es fast schon verwunderlich gewesen. Doch der OneOdio lieferte eine solide Leistung ab. Es gibt keinen expliziten Standard-Sound-Modus, die Grundeinstellung der App ist „Pop“. Und das passte zu all den Musikstücken, die ich ausprobierte sehr gut. Stimmen konnten sich ohne störende Verfärbungen entfalten, die Höhen fielen weder durch Stumpfheit noch durch Vordrängeln auf.
Auch die Bässe waren weder zu knapp noch zu üppig dosiert. Der Focus gehört zu jenen Kopfhörern, bei denen man isoliert betrachtet grundsätzlich nichts zu Nörgeln findet. Ja, natürlich packen Oberklasse-Kopfhörer im direkten Vergleich im Bass noch beherzter zu, bringen Stimmen und Obertöne noch feiner aufgelöst. Doch für sich genommen ist die Klang-Abstimmung des OneOdio eine runde Sache, ganz besonders wenn man den Preis in die Gleichung mit einbezieht.
Was bringen USB-Wiedergabe und Spatial Audio?
Besonders gut klang der OneOdio übrigens an meinem iPhone via USB C. Ein entsprechendes 1,5 Meter langes Kabel liegt bei. Er kickt dann mehr im Bass, der insgesamt trockener als mit Bluetooth-Verbindung erscheint und wirkt im Mittelhochton-Bereich noch minimal feiner.
Was die Spatial-Audio-Funktion betrifft, schafft sie zwar den Eindruck von etwas mehr Raum, kostet dafür aber auch Präzision und wirkt etwas artifizieller als ohne diesen Effekt. Das ist aber das übliche Ergebnis für solche DSP-Funktionen, wobei der Focus sich sogar noch ganz gut schlägt. Für TV-Ton kann man das wirklich in Erwägung ziehen, auch wenn ich lieber pure Audio-Signale ohne solches Processing höre.
Bass macht Spaß
Für Rock- und Pop-Hörer produziert er einen richtig tiefen und dabei keineswegs schwammigen Bass. Was die Transparenz und das Raumgefühl betrifft, kann man für unter 100 Euro eigentlich nicht mehr erwarten. Auch die Maximal-Lautstärke geht in Ordnung. Die beiden Sound-Presets für Bass-Boost zeigten Wirkung. So machte der „Super-Bass-Modus“ die Bass Drums auf dem Album von Depeche Mode „Live In Milan“ ganz schön mächtig, gerade ganz unten. Doch das packte der Einstiegs-Kopfhörer selbst mit Maximal-Lautstärke noch, ohne ein unkontrolliertes Gewummer zu veranstalten. Wer viel Bass, aber wenig Geld ausgeben mag, wird hier gut bedient.
Sogar für Klassik geeignet
Nachdem der Focus diese Prüfung ebenfalls tapfer gemeistert hatte kam der altgediente Tester in mir zum Vorschein: So einfach kann man es dem Überraschungs-Hit doch nicht machen, dafür wird in der Branche viel zu viel gejubelt. Was wäre, wenn der OneOdio in die Hände von einem Klassik-Liebhaber gerät? Auf Qobuz fand sich Mozarts „Zauberflöte“ in der Version von René Jacobs mit dem Orchester der Akedemie für Alte Musik, Berlin. Ja, und was soll ich sagen? Das war wirklich gut. Die Streicher fingen trotz Pop-Modus nicht an, zu sägen, die Stimmen der Opernsängerinnen und -Sänger kamen wirklich überraschend angenehm und natürlich aus den Ohrmuscheln. Mehr Kopfhörer kann man für deutlich unter 100 Euro wirklich nicht verlangen.
OneOdio Focus A6: Fazit und Alternativen
Wenn etwas nicht gut ist, sagt man umgangssprachlich: Das kannst du knicken. Den OneOdio Focus A6 kann man wirklich knicken beziehungsweise falten. Das macht ihn klein und praktisch zum Mitnehmen in einer Tasche. Doch was den Klang betrifft, hat der Außenseiter einen ganz großen Auftritt. In dieser Preisklasse kennen wir derzeit nichts Besseres. Selbst unsere günstigen Einsteiger-Tipps mit ANC wie der Sony WH-CH720N kosten laut Liste über 100 Euro. Dass der OneOdio diesen Over-Ear in der Gesamtwertung um einen Prozentpunkt überflügelt, verdankt er schließlich vor allem seinem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis.
Nachdem mich kürzlich unter den In-Ears der Cambridge Audio Melomania A100 für 140 Euro verblüffte, gelingt das jetzt auf Anhieb unter den Over-Ears einer Marke, die ich bisher überhaupt nicht auf dem Radar hatte. Das Schlussfazit möchte ich meinem Freund Falk überlassen: „Das wird für die europäischen Marken langsam genauso eng, wie mit den Elektroautos aus China.“ Und ja, da muss ich ihm leider beipflichten, zumal die versammelten Europäer bis auf Ausnahmen wie Beyerdynamic – Gruß nach Heilbronn – ohnehin in China fertigen lassen.
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OneOdio Focus A6: Technische Daten
- Preisempfehlung des Herstellers: 76 Euro
- Bauart: Over-Ear
- Wandlerprinzip: dynamisch
- Gewicht: 240 Gramm
- Akkulaufzeit: bis zu 75 Stunden ohne ANC, bis zu 45 Stunden mit ANC
- Besonderheiten: USB-C-Wiedergabe, 1,5 m Kabel liegt bei, Bluetooth 6.0
- Mehr unter www.oneodio.com






