STEREO GUIDE Testurteil
Mehr High-End-DAC als nostalgischer Discman: Der Cayin CP6 begeistert mit neutralem, hochauflösendem Klang, Röhrenoption und enormer Vielseitigkeit. Kleine Schwächen bei App und Firmware trüben den hervorragenden Gesamteindruck nur geringfügig.
Vorteile
- Höchste Neutralität und Transparenz
- CD-Wiedergabe und -Ripping auf USB-Stick
- Stoßunempfindliches CD-Laufwerk
- Massives Akugehäuse mit Metall-Tasten
Nachteile
- Ohne Tasche etwas sperrig beim Transport
- Bluetooth- und App benötigen Updates
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Klang9.8
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Praxis / Connectivity9.6
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Preis/Leistung9.3
Totgesagte leben länger – das gilt derzeit nicht nur für die Schallplatte. Nachdem Vinyl längst wieder Kultstatus erreicht hat und sogar die Compact Cassette ein überraschendes Comeback erlebt, entdeckt nun auch die CD eine neue Generation von Musikfans. Kein Wunder also, dass Produkte wie der Kassettenspieler We Are Rewind – zuletzt sogar in einer limitierten Pink-Floyd-Edition – oder der portable CD-Player Cayin CP6 schon als Neuheiten das Interesse der STEREO-GUIDE-Leser weckten. Jetzt musste der ungewöhnliche Newcomer mit seiner integrierten Röhren-Ausgangsstufe im Test zeigen, ob hinter dem Retro-Charme auch echter HiFi-Anspruch steckt.
Erster Eindruck und Bedienung
Schon beim Auspacken macht der Cayin CP6 klar, dass er mit den federleichten Discmen vergangener Jahrzehnte nur noch die silbernen Scheiben gemeinsam hat. Mit rund 720 Gramm bringt der portable CD-Spieler ordentlich Gewicht auf die Waage. Verantwortlich dafür sind nicht nur das massive Aluminiumgehäuse und der große Akku, sondern auch die aufwendige Elektronik mit diskretem Kopfhörerverstärker und echter Röhrenstufe.
Entsprechend hochwertig fühlt sich der Player an. Das dickwandige Metallgehäuse wirkt ausgesprochen verwindungssteif, sämtliche Tasten bestehen ebenfalls aus Metall und vermitteln einen präzisen Druckpunkt. Besonders gut gefällt die gerändelte Lautstärkewalze auf der Oberseite. Sie lässt sich angenehm dosieren und verleiht dem CP6 fast schon den Charakter einer klassischen Studiokomponente.
Auch das Farbdisplay hinterlässt einen guten Eindruck. Es ist kontrastreich, ausreichend hell und selbst aus schrägem Blickwinkel noch gut ablesbar. Die Bedienlogik erschließt sich allerdings nicht sofort. Statt einer separaten Setup-Taste gelangt man erst nach längerem Druck auf die große Timbre/Menu-Taste in das insgesamt zwölf Punkte umfassende Einstellmenü. Anschließend wird mit Lautstärkewalze und den Skip-Tasten navigiert. Hat man diese etwas ungewöhnliche Logik einmal verinnerlicht, geht die Bedienung problemlos von der Hand.


Mehr als ein tragbarer CD-Spieler
Der Cayin CP6 versteht sich nicht als nostalgischer Discman mit etwas besserem Klang. Vielmehr steckt in seinem Aluminiumgehäuse ein ausgewachsener mobiler High-End-DAC samt diskretem Kopfhörerverstärker, Bluetooth-Schnittstelle und echter Röhrenausgangsstufe. Die CD-Wiedergabe ist letztlich nur eine von mehreren Quellen.
Herzstück bilden zwei sorgfältig selektierte Raytheon JAN6418 NOS-Pentoden, die ursprünglich für militärische Anwendungen entwickelt wurden. Anders als viele Geräte, die lediglich mit einer Röhre werben, arbeitet der Cayin tatsächlich mit einer vollwertigen Röhrenstufe. Per Tastendruck lässt sich jederzeit zwischen drei Klangcharakteren wechseln: Neben einer neutralen Solid-State-Abstimmung stehen die beiden Röhrenmodi Modern Tube und Classic Tube zur Wahl. Die Unterschiede werden wir später im Hörtest näher beleuchten.
Mindestens ebenso ungewöhnlich ist der vollständig diskret aufgebaute, symmetrische Vierkanal-Kopfhörerverstärker. Im Menü lässt sich zwischen Class-A- und Class-AB-Betrieb umschalten. Zusätzlich stehen eine High- und Low-Gain-Stufe sowie mehrere Digitalfilter zur Verfügung. Letztere erlauben eine feine Anpassung der digitalen Signalverarbeitung. Etwas weniger gelungen ist allerdings, dass die Gain-Einstellung nach jedem Neustart automatisch wieder auf Low zurückspringt.

Großzügige Anschlussvielfalt
Auch bei den Anschlussmöglichkeiten zeigt sich der Cayin erstaunlich vielseitig. Für Kopfhörer stehen sowohl ein klassischer 3,5-Millimeter-Klinken-Ausgang als auch eine symmetrische 4,4-Millimeter-Pentaconn-Buchse bereit. Beide Anschlüsse existieren zusätzlich als Line-Ausgänge, sodass sich der CP6 ebenso problemlos in eine stationäre HiFi-Anlage integrieren lässt.
Hinzu kommen koaxiale und optische Digitalausgänge für den Anschluss externer D/A-Wandler. Die USB-C-Schnittstelle macht den CP6 zu einem hochwertigen USB-DAC, der sich mit Computern und Smartphones nutzen lässt. Praktisch gelöst ist die zusätzliche USB-C-Buchse ausschließlich für die Stromversorgung. Dadurch lässt sich der Player stationär am Netzteil betreiben, ohne den Akku unnötig zu beanspruchen.

Auch als DAC auf High-End-Niveau
Im Alltag dürfte der Cayin für viele Nutzer sogar häufiger als hochwertiger D/A-Wandler dienen denn als CD-Spieler. Im Test funktionierte die Verbindung sowohl mit dem iPhone als auch mit dem MacBook Pro völlig problemlos. Im Inneren des CP6 arbeiten zwei D/A-Wandlerchips vom Typ Cirrus Logic CS4308P in Dual-Mono-Konfiguration mit einem leistungsfähigen XMOS-XU316-USB-Prozessor zusammen. Unterstützt werden PCM-Signale bis 32 Bit und 384 Kilohertz sowie natives DSD bis DSD256. Für Digitalisierungsaufgaben kommt zusätzlich ein ESS ES9821Q als ADC zum Einsatz. Über USB unterstützt der CP6 folgende Formate: PCM 16–32 Bit / 44,1–384 kHz; DSD64–256 nativ; DoP64–256
Bluetooth und App
Auch drahtlos zeigt sich der CP6 modern ausgestattet. Bluetooth 5.4 unterstützt praktisch alle wichtigen hochauflösenden Codecs, darunter LDAC, aptX Adaptive und aptX HD. Der Player arbeitet dabei sowohl als Empfänger als auch als Sender. Im Test hatten wir allerdings noch Verbindungsprobleme. Auf meinem iPhone bekam ich den mutmaßlich paarungsbereiten CP6 gar nicht in der Liste der verfügbaren Bluetooth-Geräte angezeigt. Mein geschätzer Kollege Florian Goisl aus dem Meßlabor von AUDIO/stereoplay sah den Cayin zwar auf seinem Android-Gerät, konnte sich aber auch nicht verbinden. Hier dürfte sicher bald ein Software-Update Linderung verschaffen.



Dazu passt: Die zugehörige Cayin Control App hinterließ zum Testzeitpunkt eines der ersten in Deutschland verfügbaren Geräte noch keinen vollständig ausgereiften Eindruck. Zwar existierte inzwischen auch eine iOS-Version, einzelne Menüs erschienen jedoch weiterhin teilweise auf Chinesisch. Mehrfach brachen Firmware-Updates etwa zur Hälfte der Installation ab. Erst ein Hardware-Reset über die versenkte Reset-Taste auf der Geräteunterseite stellte den ordnungsgemäßen Betrieb wieder her. Hier besteht aus unserer Sicht noch Optimierungsbedarf.
CD-Ripping und Alltag
Zu den ungewöhnlichsten Zusatzfunktionen zählt schließlich die integrierte CD-Ripping-Funktion. Musik lässt sich direkt auf einen per USB-C angeschlossenen Speicher als verlustfreie WAV-Dateien übertragen. Im Test zeigte sich allerdings, dass diese Funktion ebenso wie einige Menüpunkte nur spärlich dokumentiert ist und noch etwas Feinschliff bei Software und Dokumentation vertragen könnte.

Unproblematisch verlief dagegen der mobile Einsatz. Die vom Hersteller genannten bis zu siebeneinhalb Stunden Akkulaufzeit erwiesen sich im Test als durchaus realistisch. Selbst längere Hörsessions absolvierte der Cayin ohne erkennbare Ermüdungserscheinungen.
Sound-Test des Cayin CP6: High-End für unterwegs
Klanglich liefert der Cayin CP6 eine tadellose Vorstellung. Er verbindet eine vorbildliche Ausgewogenheit mit einem bemerkenswert hohen Maß an Transparenz. Dabei fällt nicht nur seine absolut neutrale Stimmenwiedergabe auf. Auch im Bass und in den Höhen trifft er exakt den richtigen Punkt. Der CP6 übertreibt an keinem Ende des hörbaren Frequenzspektrums, bleibt aber weder den nötigen Punch im Bass noch eine exzellente Feinauflösung in den Höhen schuldig. Vor allem verzichtet er konsequent auf jede Form der Effekthascherei.
So lässt sich beispielsweise bei Tori Amos‘ „Swimming Pools“ vom Album Trevor Horn – Echoes: Ancient & Modern ihre Stimme wunderbar plastisch und frei im Raum verfolgen. Gleichzeitig treten selbst feine Hallfahnen und kleinste Klangdetails mühelos hervor. Bei orchestralen Aufnahmen wie Mahlers 2. Sinfonie (Ivan Fischer/Budapest Festival Orchestra) überzeugt der Cayin mit einer hervorragenden Durchzeichnung einzelner Instrumentengruppen. Holzbläser, Streicher und Blech bleiben jederzeit sauber voneinander getrennt, ohne dass die Wiedergabe jemals analytisch oder steril wirkt.
Wechselt das Programm zu Yellos „The Expert“ oder Dire Straits‘ „Money for Nothing“, zeigt der CP6 eine andere Stärke: Sein Bass reicht tief hinab, bleibt dabei aber außergewöhnlich trocken, präzise und konturiert. Druck entsteht nicht durch künstliche Betonung, sondern durch Kontrolle.
Je nach Musikgenre und persönlichem Geschmack lässt sich der Klang über die verschiedenen Solid-State- und Tube-Timbre-Modi individuell anpassen.


Subtile Klangindividualisierung
Dabei fällt auf, dass die Unterschiede deutlich subtiler ausfallen, als man angesichts der Begriffe „Röhre“ oder „Transistor“ erwarten könnte. Ja, der Classic-Tube-Modus klingt einen Hauch geschmeidiger und weniger nüchtern als der reine Solid-State-Betrieb. Von einem ausgeprägt warmen Röhrenklang würde ich angesichts der eher feinen Unterschiede allerdings nicht sprechen.
Die Änderungen beschränken sich zudem nicht auf Mitten und Höhen. Wer besonderen Wert auf einen maximal präzisen, trockenen und tief reichenden Bass legt, dürfte insbesondere bei Rock, elektronischer Musik oder modernen Popproduktionen den Solid-State-Modus bevorzugen. Die Röhrenbetriebsarten setzen stattdessen eher feine klangliche Akzente, ohne den grundsätzlichen Charakter des Players zu verändern.
In einer ähnlich feinen Größenordnung bewegen sich auch die Unterschiede zwischen Class A und Class A/B. Im reinen Class-A-Betrieb wirkt die Wiedergabe einen Hauch organischer und flüssiger. Gleichzeitig gewinnt sie minimal an Feindynamik. Im Kern bleibt der Cayin seinem ausgesprochen neutralen und transparenten Klangcharakter jedoch treu.
Noch dezenter fallen die Unterschiede zwischen den umschaltbaren Digitalfiltern aus. Für eingefleischte Audiophile mag es durchaus reizvoll sein, den verschiedenen Filtercharakteristiken nachzuspüren. Am grundsätzlichen klanglichen Fingerabdruck des CP6 ändern sie jedoch kaum etwas. Die Unterschiede bewegen sich eher auf dem Niveau verschiedener Masterings derselben Aufnahme als zwischen völlig unterschiedlichen Geräten.
USB steht für maximale Klangqualität
Dabei beeinflusst die Quelle das endgültige Klangergebnis verhätnismäßig deutlich. CD klingt mit dem CP6 wirklich exzellent. Doch gerade mit hochauflösenden Audiodateien vom Computer oder Musik vom Smartphone oder Streaming über Bluetooth läuft der CP6 läuft der vielseitige Mobil-Player zur Höchstform auf. Mit Hi-Res-Audio via USB brilliert die Wiergabe durch besonderen Detailreichtum und äußerste Natürlichkeit plus Drive vom tiefsten Bass bis in die höchsten Obertöne.
Ganz gleich, wie man ihn einsetzt: Der vielseitige mobile Player von Cayin überzeugt mit außergewöhnlicher Neutralität, hoher Detailauflösung und einer beeindruckenden Spielfreude.
Dank umschaltbarer Gain-Stufen treibt er auch anspruchsvolle Kopfhörer wie den Beyerdynamic T5p mühelos an und wird dem Begriff Dynamic in dessem Markennamen mehr als gerecht. Besonders gut harmonierte der CP6 in meinem Hörtest allerdings mit sehr luftigen und fein auflösenden Magnetostaten wie dem Fosi i5 oder dem AMT-Over-Ear HEDD HEDDphone D1 (Testbericht demnächst). Gerade diese Kombinationen profitieren von der enormen Transparenz, der weitgefächerten und der Fähigkeit des Cayin, selbst komplexe Aufnahmen völlig mühelos und selbstverständlich wirken zu lassen.
Was im Hörtest ebenfalls potiiv auffiel, war die Unempfindlichkeit der CD-Wiedergabe gegen Stöße. Davon konnten die Nutzer der ersten Mobilen CD-Player der 80er- und 90er-Jahre nur träumen.

Fazit und Alternativen zum Cayin CP6 Mobil-CD-Player/DAC
Es gibt derzeit ohnehin nicht viele mobile CD-Player, auch wenn sich ein gewisser Nostalgie-Trend abzeichnet. Doch der Cayin CP6 begnügt sich ohnehin nicht damit, Silberscheiben abzuspielen. Er erwies sich in unserem Test als vorzüglicher USB-DAC, der in Verbindung mit der im Timbre zwischen Röhre und Transistor umschaltbaren Ausgangsstufe für anspruchsvolle High-End-Kopfhörer im Revier der Headphone-DACs wildert. Und hier kann er klanglich mit seiner vorbildlichen Neutralität, der feinen Auflösung und der bemerkenswerten Transparenz ausrufezeichen setzen. In einem Punkt lässt ihm der rein als mobiler Kopfhörer-Amp und DAC ausgelegte Cayin RU9 keine Chance: Der CP6 lässt sich im Gegensatz zu ihm nicht einfach in die Hosen- oder Jackentasche stecken. Wer ihn mit seinem ordentlich dimensionierten Akku unterwegs verwenden möchte, braucht eine Umhängetasche, wie sich sich in kompakter Form aus Leder im Zubehörproogramm von Cayin findet.
Cayin CP6: Technische Daten
- Preisempfehlung des Herstellers: 1.000 Euro
- Bauart: Mobiler CD-Player mit Röhrenschaltung
- Abmessungen (B x H x T): 16,7 × 2,9 x 15,1 cm
- Gewicht: 720 g
- Besonderheiten: Transistor- und Röhren-Verstärkung USB-Eingang, S/PDIF-Ausgang, Bluetooth mit LDAC, AAC und Apt-X HD, variable Gain (High/Low), Class-A- und Class-A/B-Betrieb, CD-Ripping, max. Auflösung 32 Bit/384 kHz; DSD256 (USB In), spielt CDs und CD-R ab
- Mehr unter: cayin.com






