STEREO GUIDE Testurteil
Der Majority Quadriga ist ein echtes Allround-Talent: CD, DAB+, UKW, Streaming und Bluetooth – alles steckt in einem kompakten Gerät für unter 300 Euro. Die Bedienung gelingt intuitiv per Tasten, Fernbedienung oder App, ein Konto ist dafür nicht nötig. Klanglich überzeugt das 2.1-System mit natürlicher Stimmwiedergabe, kräftigem Bass und überraschender Transparenz. Ein preislich wie praktisch äußerst attraktiver Ersatz für klassische Kompaktanlagen.
Vorteile
- Ausgewogener, differenzierter Klang mit sattem Bassfundament
- Tuner für UKW und DAB+
- Hervorragende Bedienung mit App und Infrarot-Fernbedienung
- CD-Player und Spotify Connect an Bord
Nachteile
- UKW-Tuner rauscht
- Kein AirPlay oder Chromecast
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Natürlichkeit / Transparenz7.7
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Bass / Dynamik7.9
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Praxis / Connectivity9.5
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Preis/Leistung10
Als uns der Majority Quadriga zum Test angeboten wurde, sagte mir die britische Marke aus Cambridge ehrlich gesagt, gar nichts. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Engländer sich zunächst auf ihren Heimatmarkt konzentrierten. Inzwischen gehört Majority über die Grenzen des Empires hinaus zu den erfolgreichsten Marken bei Händlern wie Amazon und hat mehr als 50 Radios, Lautsprecher, Soundbars oder DVD-Player im Programm.
Im Quadriga verdichtet sich diese Know-how – laut Hersteller werden sogar alle Geräte in Cambridge entwickelt – in einem One-Box-Audio-System, das für unter 300 Euro das ganze gängige Programm-Spektrum abdeckt. In dem 43 x 12,8 x 28 Zentimeter großen Gehäuse brachten die Briten einen CD-Player mit Schlitzlaufwerk, Internet-Radio, einen Tuner für DAB+ und UKW, Bluetooth- plus WLAN-Schnittstelle, diverse Analog- und Digital-Eingänge sowie ein 2.1-Lautsprecher-System mit 120 Watt Nennleistung und Downfire-Subwoofer unter. Über die Durchmesser der einzelnen Chassis macht Majority keine Angaben, doch sieht man auf einer Explosionszeichnung, dass es sich bei den beiden, links und rechts neben dem Display nach vorne abstrahlenden Breibändern um vergleichsweise große Treiber handelt.

Bunte Quellen-Vielfalt
Auch Spotify Connect lässt sich vom Smartphone aus kontrollieren und mit der mitgelieferten Infrarot-Fernbedienung in den Basis-Funktionen wie Play/Pause oder Titelsprung vorwärts/rückwärts steuern. Cover und Titel werden sogar auf dem 2,8-Zoll-Farbdisplay angezeigt. Dabei fallen zwei Besonderheiten auf: Zum einen verzichtet Majority, auf den inzwischen weit verbreiteten Touchscreen zu Gunsten hochwertig anmutender, klar gegliederter Tasten mit gut ablesbarer Beschriftung. Neben der Tastenreihe unter dem Display gibt es einen griffigen, aus Metall gefertigten Dreh- und Drücksteller. Damit lässt sich der Quadriga auch direkt am Gerät bestens bedienen.
Gegen den allgemeinen Trend schwimmen die Briten durch die Möglichkeit, auf die allgegenwärtige App zu verzichten. Sie haben die Bedienung des Einteilers so ausgelegt, dass man in den meisten Fällen die App kaum vermissen durfte. Selbst die Einrichtung inklusive WLAN Passwort für die Netzwerkverbindung ließen sich mit der übersichtlichen Infrarot-Fernbedienung gut bewältigen. Trotzdem gibt es Punkte, die sich bequemer oder sogar ausschließlich über die UNDOK- oder die Oktiv-Apps für Android- und iOS-Geräte steuern lassen. Da wäre allem voran der Betrieb eines Multi-Room-Systems in mehreren Räumen. Doch auch Dinge, die sich zwar alternativ via Fernbedienung abrufen lassen – etwa die unterschiedlichen Equalizer-Presets – gehen damit gerade auf große Distanz oder gar ohne Sichtkontakt zum Quadriga zuverlässig und bequem.






Auch die Bedienung überzeugt
Vorbildlich hat Majority die Nutzerführung in der UNDOK-App, die sich per QR-Code auf der Bedienungsanleitung im Apple App Store oder auf Google Play finden lässt, gelöst – und zwar nicht nur durch den übersichtlichen Aufbau. Beim ersten Start führen kleine Sprechblasen den Nutzer durch die Software. Ebenfalls positiv: Anders als beispielsweise bei B&O oder B&W ist zur Benutzung kein Account und keine Anmeldung mit der E-Mail-Adresse erforderlich. Man kann allerdings durch Registrierung seine Garantie auf stramme drei Jahre verlängern, worauf Majority beim Quadriga schon auf der Verpackung hinweist.


Einen Hinweis gibt es auch nach der Installation der von der Bedienungsanleitung ausgewiesenen UNDOK App. Dort wird die Oktiv App für noch bessere Bedienung empfohlen und verlinkt. Muss aber sagen, ich fand beide Apps gut gemacht.
Auf der Rückseite des in Schwarz oder Weiß angebotenen Gehäuses sitzt nicht nur der Bassreflex-Port, sondern auch eine ganze Reihe von Anschlüssen: Es gibt dort einen analogen Cinch-Stereo-Eingang und einen optischen S/PDIF-Digital-Anschluss als Ergänzung zu dem leicht zugänglichen 3,5-mm-Klinken-Eingang für Mobilgeräte auf der Vorderseite des Gehäuses. Außerdem findet sich noch eine USB-A-Buchse, mit der sich Musik von Memory-Sticks (FAT16 oder FAT32 formatiert mit einer maximalen Kapazität von 128 Gigabyte) wiedergeben lässt. Hinten am Gerät findet sich obendrein der Anschluss für das Stecker-Netzteil und ein Hardwareschalter zum Strom-sparen. Ebenfalls sehr praktisch ist der auf der Vorderseite angebrachte Kopfhörer-Ausgang mit 3,5-mm-KIinken-Buchse.


Sound-Test: So gehaltvoll wie eine kleine HiFi-Anlage
Im Hörtest gab es also jede Menge Quellen auszuprobieren. Hier die wichtigsten: Mit Digital-Radio überzeugten vor allem die natürlichen Stimmen. Das macht nicht nur Gesangspassagen, sondern auch die Moderation und Nachrichtenbeiträge sehr angenehm. Die Höhen boten ordentlich Auflösung, der Bass war zwar nicht übermäßig differenziert, aber er bot zünftigen Punch und reichlich Präzision. Alles in allem ein rundes Klangbild, das auch in Sachen Impulsivität positiv auffiel. Da kam kein Verlangen auf, analogen UKW-Programmen zu lauschen. Vom mehr oder weniger starken Rauschen, über limitierte Dynamik bis zu beschnittenem Bass- und Hochton-Bereich blieb bis auf angenehme, allerdings wenig aufgelöste Stimmenwiedergabe nicht Positives zu berichten.
So machte ich dem UKW-Durchgang ganz schnell und bequem ein Ende. Es genügt, eine CD in den Laufwerksschlitz zu schieben und der Quadriga zieht sie automatisch rein, um direkt mit der Wiedergabe zu beginnen. Zufällig lag gerade eine audiophile Aufnahme von Naim Audio, mit der ich zuvor meinen high-endigen 90er-Jahre CD-Player Naim CDS gefüttert hatte. Und was soll ich sagen? Das günstige All-in-one-Gerät übertraf die Erwartungen.

CD ist auch völlig okay
Man konnte dank guter Transparenz jedes Instrument auf „Charlie Haden’s Private Collection No. 2“ klar heraushören – vom Klavier über das Saxophon bis zum griffigen, differenzierten, gezupften akustischen Bass. Sehr schön kam auch der seidige Messing-Glanz des Beckens am Schlagzeug von Paul Motian heraus. Mit dem Einteiler kann man also auch anspruchsvolle Musik in sehr ansprechender Qualität genießen. Die Klangfarbentreue war wirklich bemerkenswert, was sich ganz besonders auch an Saxophon zeigte, das differenziert, luftig, ohne harsche Töne nachgezeichnet wurde. Abgesehen von der – gegenüber einer Stereo-Anlage mit separaten, auseinanderstehenden Boxen – prinzipbedingt kleinen Bühne, war das schon richtige HiFi-Qualität.
Viele werden aber sicher Pop mit dem Majority Quadriga hören wollen. Und ich selbst höre schließlich auch meist Rock- oder Pop- Musik. Also kramte ich einige verstaubte CDs heraus, denn privat bevorzuge ich Streaming und nutze Compact Discs nur noch in nostalgischen Momenten. Es ist inzwischen fast schon so, wie mit Vinyl. Auf jeden Fall funktioniert das Ganze auch mit Pop und elektronischer Musik ganz ausgezeichnet. Gerade die Lebendigkeit, der Ausdruck im Stimmbereich überzeugen. Der Punch im Bass brilliert bei Beats genauso wie die sehr spritzige, aber zugleich seidige Hochtonwiedergabe.
Streaming setzt noch eins drauf
Bleibt von den wichtigen Quelen noch Streaming, das der Quadriga in verschiedenen Formen beherrscht. Schon mit unseren STEREO GUIDE Playlists vom Online-Musikdienst Qobuz, die ich via Bluetooth drahtlos zum Gerät schickte, legte das One-Box-System noch mal eine ganze Schippe drauf. Gerade im Bass überzeugte das Plus an Tiefgang, Punch und Präzision. Spotify Connect bot klanglich ein vergleichbares Ergebnis, während Internet Radio je nach Kanal und Datenrate im Klang weitgehend DAB+ entsprach.
Anspruchsvolle Stücke wie „Liberty“ von Anette Askvik begeisterten durch Klangfarbentreue, Lebendigkeit, Auflösung und Tieftonfundament. Allein schon das ausdrucksvolle, differenzierte und seidige Saxophon war die reinste Pracht. Wer Musik aus allen Genres gepflegt genießen will, aber etwa in der Küche oder dem Arbeitszimmer nicht den Platz für eine konventionelle Stereo-Anlage hat, der bekommt hier für den Preis einer mittleren Bluetooth-Box einen Allrounder samt DAB+ und CD-Teil.

Was mir im Sound-Test auch noch auffiel: Das Farbdisplay lässt sich bei den wichtigsten Funktionen auch sehr gut aus der Ferne ablesen, etwa beim Quellenwechsel oder der Lautstärke-Regelung. Was mir dabei ebenfalls auffiel: In der Regel griff ich auch zum Titelsprung in meiner Playlist nicht zum Smartphone, sondern zur praktischen Infrarot-Fernbedienung.
Fazit und Alternativen
Mit dem Quadriga ist Majority ein erstaunlich kompletter Alleskönner gelungen, der in einem vergleichsweise kompakten Gehäuse nahezu jede denkbare Quelle unterbringt – vom klassischen CD-Player über DAB+ und UKW bis hin zu Streaming per WLAN und Bluetooth. Die Bedienung überzeugt sowohl direkt am Gerät wie auch per Fernbedienung. Und wer möchte, kann über App zusätzliche Komfortfunktionen wie Multiroom nutzen, ohne sich zwangsweise in einem Konto anmelden zu müssen.
Im Hörtest zeigte sich der Quadriga erfreulich ausgewogen: Stimmen klingen sehr natürlich, das Bassfundament liefert sowohl Punch als auch Punch, und selbst komplexere Musikstücke werden transparent und farbentreu wiedergegeben. Für die Preisklasse unter 300 Euro ist das ein Niveau, das man eher von klassischen HiFi-Anlagen mit separaten Komponenten erwartet. Lediglich die prinzipbedingt eingeschränkte Stereo-Bühne setzt natürliche Grenzen.
Die gerade in Relation zum sehr günstigen Preis kaum zu toppende Programmvielfalt und Ausstattung entzieht den Majority Quadriga dem direkten Vergleich. Zwar bietet der exzellente Cambridge Evo One für den Mehrpreis noch höhere Klangqualität, doch selbst das Mittelklasse-Gerät kann nicht mit einem integrierten CD-Laufwerk aufwarten.
Technische Daten: Majority Quadriga
- Preisempfehlung des Herstellers: 280 Euro
- Abmessungen (B x H x T): 43 x 12,8 x 28 cm
- Gewicht: 5.3 kg
- Besonderheiten: Bluetooth 5.0, CD-Laufwerk, WLAN, DAB+ und UKW-Tuner, Spotify Connect, Garantieverlängerung auf 3 Jahre
- Mehr unter: www.majority.co.uk






