STEREO GUIDE Testurteil
Edifier MR5 Test: Dreifach aktive Desktop-Monitore mit starkem Bass, präzisen Mitten und ConneX-App-Tuning. Für 250 Euro eine echte Empfehlung,
Vorteile
- Satter Bass und hohe Spielfreude
- Klang via App und Reglern anpassbar
- auch bei gehobenen Pegeln sauber und transparent
Nachteile
- Lautstärkeregelung der App nicht synchronisiert
- kein Streaming/Digitaleingänge
- Klangfarben nicht ganz so natürlich
- Dröhngefahr in kleinen Räumen/wandnah
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Natürlichkeit / Transparenz8.5
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Bass / Dynamik8.4
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Räumlichkeit7.8
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Praxis / Connectivity9.3
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Preis/Leistung9.6
Selbst wenn man schon sehr lange Testberichte verfasst und auch gerade die letzten Jahre viele kleine Desktop Monitore getestet hat, kann man immer wieder neue Überraschungen erleben. Eigentlich sieht die Edifier MR5 einfach nur wie eine größere, besser ausgestattete Variante der günstigeren MR3 aus. Dabei bleibt der sichtbare Konustöner erstaunlich klein.
Dass auf dem rückseitigen Anschlussfeld mehr Eingänge, darunter auch professionelle XLR-Buchsen bereitstehen, fällt auf den ersten Blick auf. Und man stellt auch schnell fest, dass in die Seitenwände der im Paar 10,8 Kilo schweren, 26,4 Zentimeter hohen Aktiv-Lautsprecher längliche Öffnungen integriert wurden. Die sehen aber weder wie konventionelle Bassreflex-Öffnungen aus, noch machen Sie als Griffmulden in dem MDF-Gehäuse mit Folien-Furnier Sinn. Und dann waren ja noch die typischen ovalen Bassreflex-Ports auf den Rückseiten beider in Schwarz oder Weiß erhältlichen Stereo-Boxen.
Unkonventionell umgesetztes Monitor-Konzept
Ich hatte natürlich nicht gleich nach dem Auspacken die kompletten technischen Unterlagen gelesen und stutzte dann nicht schlecht, als ich in den technischen Daten von Tri-Amping erfuhr. Was sollen um alles in der Welt in einer als typische 2-Wege-Box gelesenen Konstruktion drei Endstufen? Während ich bei der Suche nach einer Erklärung noch zwischen Marketing-Gag oder Fehlübersetzung schwankte, kam mir nur eine mögliche Lösung in den Sinn: Der 3,7-Zoll-Konus auf der Vorderseite mit seiner auffälligen kupferfarbenen, konkaven Staubschutzabdeckung ist kein Tief-Mitteltöner wie bei der MR3, sondern wirklich nur für die mittleren Frequenzen zuständig.
Schließlich fand ich in den Technischen Daten auch Hinweise auf einen 5-Zoll-Tieftöner, der für langen Hub ausgelegt wurde. Nun brauchte es nur noch eine Explosionszeichnung, um die einzig mögliche Schlussfolgerung zu bestätigen. Die tollkühnen Entwickler der Edifier MR5 haben ihr schwerstes Geschütz unter den drei Treibern pro Box unsichtbar im Inneren untergebracht. Schließlich fand ich ein Röntgenbild auf der Website, die meinen Verdacht bestätigte.


Das ist dann wirklich eine äußerst ungewöhnliche Konstruktion, die diesen für 250 Euro angebotenen Desktop-Monitor-Lautsprecher zu etwas ganz Besonderem macht. Er behält die zierliche Schallwand eines der üblichen 2-Wege-Monitore bei, kann aber einen, auf langen Hub optimierten 12,7-cm-Tieftöner zum Einsatz bringen. Wenn der Mitteltöner sich auf den Grundtonbereich konzentrieren kann, aber nicht noch obendrein die Bässe mit den einhergehenden großen Auslenkungen übertragen muss, kann er sich viel sorgfältiger den Klangfarben von Stimmen und Instrumenten widmen.
3-Wege-Aufbau mit klarer Aufgabenverteilung
Die 3-Wege-Kombination geht mit einer klassischen Bassreflexabstimmung einher, keineswegs mit einem Bandpass wie bei anderen „versteckten“ Subwoofern. Letzterer erhält von einem dedizierten Verstärker allein ordentliche 30 Watt. Darüber übernimmt ein vergleichsweise großer 3,75-Zoll-Mitteltöner, der noch einmal 15 Watt erhält und den wichtigen Präsenzbereich sauber herausarbeiten soll. Die Hochtonwiedergabe schließlich übernimmt eine 1-Zoll-Seidenkalotte, der noch einmal ein eigener 10-Watt-Verstärker zur Verfügung steht.
Durch diese klare Arbeitsteilung – 30 Watt für den Bass, 15 Watt für die Mitten und 10 Watt für die Höhen pro Lautsprecher – können die MR5 einzelnen Frequenzen nicht nur präziser trennen, sondern im Zusammenspiel auch deutlich entspannter agieren, wenn einer der Wege ans Limit gerät (was meistens der Bass sein dürfte). Gerade Stimmen und akustische Instrumente profitieren in unseren Hörtests von dieser separaten Mittelton-Einheit, während der Woofer die Tieftonarbeit souverän erledigt, ohne den Rest des Spektrums durch Intermodulationen zu überlagern.

110 Watt Gesamtleistung für kräftigen Wumms
Wie schon in den kleineren MR3-Monitoren, hat Edifier die Elektronik mit den Anschlüssen, dem DSP und den insgesamt sechs Endstufen im Primär-Lautsprecher, der in der Werkseinstellung für den rechten Kanal vorgesehen ist, zusammengefasst. (In der App lassen sich aber die Seiten tauschen). Der zweite Lautsprecher (voreingestellt für den linken Kanal) wird über ein mitgeliefertes Spezial-Kabel angesteuert, das drei getrennte, verstärkte Signale für die drei Treiber überträgt. Das hebt das vollaktive Stereo-Lautsprecherset von einfacheren Lösungen wie den Mackie CR8BT oder CR3.5BT ab, die zwar über eigene Verstärker im Primär-Lautsprecher verfügen, bei denen aber pro Kanal nur eine Endstufe die beiden 2-Wege-Systeme von Primär- und Sekundär-Lautsprecher über eine konventionelle Frequenzweiche ansteuert.
So verschafft sich Edifier bei der MR5 einen weiteren Vorteil, denn die drei Endstufen für jeden Kanal können über eine aktive DSP-Weiche angesteuert werden. Das ermöglicht dann auch die gezielte Entzerrung der einzelnen Lautsprecher-Chassis ebenso wie die Beeinflussung der unteren Grenzfrequenz, um den Tieftöner bei hohen Pegeln zu entlasten. Schließlich gibt Edifier in den technischen Daten einen Maximalpegel von 101 Dezibel an.

Anschlüsse & Konnektivität: Ungewöhnlich vielseitig für diese Klasse
Bei den Anschlüssen zeigen sich die Edifier MR5 im Test von ihrer professionellen Seite. Auf der Rückseite des Primär-Lautsprechers wartet ein für Nahfeldmonitore dieser Preisklasse ungewöhnlich breites Sortiment: Balanced XLR und Balanced 6,35-mm-TRS stehen für symmetrisch verbundene Studio-Setups bereit, während ein asymmetrischer Cinch-Eingang klassische HiFi-Quellen abdeckt. Für schnelle Verbindungen gibt es zusätzlich eine 3,5-mm-AUX-Buchse auf der Front. Dazu kommt Bluetooth, wenn der Zuspieler kabellos arbeiten soll. Allerdings unterstützen die Multimedia-Studioboxen laut Datenblatt des Herstellers nur den LDAC- und den simplen SBC-Codec. Da würden sich Apple-Afficionados noch AAC wünschen und mancher Android-User dürfte auch aptX vermissen. Praktisch für den Schreibtisch-Alltag: Auf der Vorderseite sitzt neben dem AUX-Eingang mit 3,5-mm-Klinke ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss, der automatisch die Lautsprecher stummschaltet. Insgesamt bieten die MR5 damit genau die Anschlussflexibilität, die man sich von modernen Desktop-Monitoren wünscht. Ob im Homestudio, an der Workstation oder als hochwertige PC-Lautsprecher ist dabei egal.

Individuelle Klanganpassung dank Edifier ConneX App
Viele Elemente kennen wir bereits aus unserem Test der MR3, doch bei den CR5 zeigt Edifier erneut, wie weit sich ein kompaktes Aktiv-System an Raum und Hörgeschmack anpassen lässt. Auf der Rückseite des Primärlautsprechers sitzen zunächst zwei klassische Regler zur akustischen Grundkompensation, mit denen sich Bass und Höhen an die jeweilige Hörumgebung angleichen lassen. Der Bass lässt sich bei 125 Hertz justieren, die Höhen bei 10 Kilohertz – jeweils mit einem Bereich von –6 bis +6 Dezibel. Für viele Setups reicht das völlig aus, etwa wenn der Lautsprecher zu wandnah steht oder eine stark bedämpfte Umgebung etwas mehr Brillanz verlangt.
Wer es noch präziser mag, greift zur Edifier ConneX App für iOS und Android, die kostenlos im App Store und auf Google Play bereitsteht. Sie erweitert die analogen Regler um einen 9-Band-Equalizer, mit dem sich die tonale Feinabstimmung erheblich genauer vornehmen lässt. Zwei Presets, „Studio“ und „Music“, dienen als unkomplizierter Ausgangspunkt und sind mit einem Fingertipp abrufbar.






Differenziertes Klang-Tuning
Darüber hinaus bietet die App ein überraschend umfangreiches Klang-Tuning, das weit über die üblichen Komfortfunktionen hinausgeht. So lässt sich die untere Grenzfrequenz flexibel festlegen – inklusive wählbarer Flankensteilheiten des Hochpassfilters zwischen –6 und –24 Dezibel pro Oktave. Diese Funktion entlastet die kleinen Tiefmitteltöner spürbar, wenn man regelmäßig hohe Pegel fordert oder die CR5 über Kabelverbindung zu einem Mischpult mit einem externen Subwoofer kombiniert. Ebenfalls praktisch ist die Einstellung „Acoustic Space“, die unerwünschte Bassanhebungen durch wand- oder ecknahe Aufstellung kompensiert. Für Schreibtisch-Setups gibt es zudem einen Nahfeldmodus, der den Präsenzbereich etwas glättet und die Abbildung im kurzen Hörabstand verbessert.
Ganz ohne Kritikpunkte kam die ConneX App im Test allerdings nicht davon. Auf dem iPhone 16 Pro zeigte sie zwar zuverlässig an, welcher Track gerade lief. ließ Pausieren und Skippen zu. Sie zeigte aber nicht die Cover der in meiner Qobuz-Playlist gesammelten Titel an. Zudem arbeitet die Lautstärkeregelung der App, genau wie der Drehregler am Lautsprecher selbst, nicht synchron mit den Apps vom Apple Music oder Qobuz. Für maximale Klangqualität und um den vollen Dynamikbereich auszuschöpfen, empfiehlt es sich, die Lautstärke in der Streaming-App ganz aufzudrehen und dann in der ConneX App zu regeln. Das ist etwas Umständlich, aber in klanglicher Hinsicht nicht kompromissbehaftet und immer noch praktischer, als beim Hören aus großem Abstand jedes Mal zum Lautsprecher zu laufen.


Sound Test: So klingt der Desktop-Monitor-Lautsprecher
Während der im wahrsten Wortsinne zwei Nummern kleineren MR3 einfach Bass- und Grundtonvolumen fehlten, lässt die Edifier MR5 hier nichts anbrennen. Sie spielt sowohl ihr größeres Gehäusevolumen als auch ihren unsichtbar im Inneren versteckten 12,7-cm-Langhub-Tieftöner voll aus. Die Darbietung wirkte einfach packender und erwachsener. Und sie konnte mit Titeln wie „Solitary Man“ von Johnny Cash auch Emotionen transportieren. Die Stimme des amerikanischen Sängers war zwar auch im Monitor-Modus nicht 100 Prozent verfärbungsfrei, doch preisbezogen auf einem sehr ordentlichen Niveau.
Was die Stereo-Abbildung betrifft, machen die Kompakt-Monitore einen guten Job. Das 2,5 Meter lange Verbindungskabel ist allerdings etwas knapp bemessen, um die Boxen auch bei Regalaufstellung im Wohnraum weit genug auseinander zu positionieren. Für den Nahfeld-Betrieb auf dem Schreibtisch reicht es aber locker. Stimmen kommen nicht nur plastisch aus den beiden Boxen. Sie entwickeln auch eine anspringende Lebendigkeit und Differenziertheit. Das gilt ganz besonders, wenn man die vergleichsweise günstige Preisklasse bedenkt.
Was den Bass betrifft, legte sich die Edifier-Kombination auch gerade bei Elektro-Pop wie dem aktuellen Depeche-Mode-Album „Memento Mori“ mächtig ins Zeug. Die Synthie-Bässe kamen so druckvoll, dass teilweise Gegenstände im Raum zu vibrieren begannen. Erst bei sehr hohen Pegeln kann je nach Aufnahme etwas Kontur im Tieftonbereich verloren gehen. Die Boxen selbst blieben dabei aber sauber und ließen keine Anzeichen einer Überforderung erkennen. Damit macht elektronische Musik mit tiefen Beats richtig Freude. In kleinen und Mittelgroßen Räumen dürfte so schnell niemand einen Subwoofer vermissen, der sich sowieso nicht direkt anschließen lässt. Diese Verbindung aus einem satten, dabei recht präzisen Bass und frischen, klaren und sauberen Mitten und Höhen macht den MR5 zu einem Lautsprecher, den man gerne mal aufdreht. Für 250 Euro hat Edifier damit ein heißes Eisen gerade auch für junge Leute im Feuer.
Fazit und Alternativen: Edifier MR5
Was auf den ersten Blick wie eine etwas größere, besser ausgestattete MR3 aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als technisch ausgesprochen ambitionierte Konstruktion. Der versteckte Langhub-Woofer im Inneren, der großzügig dimensionierte Mitteltöner auf der Front und die aktiv getrennte Dreiwege-Architektur verleihen dem Edifier MR5 eine Souveränität, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet. Besonders Stimmen und akustische Instrumente profitieren klar davon, dass der Mitteltöner sich nicht zusätzlich mit großen Hüben im Bass abmühen muss.
Die Anschlusssektion deckt vom Homestudio über den Desktop bis hin zum Multimedia-Setup so ziemlich alles ab, und die ConneX App bietet echte Mehrwerte, wenn man sich mit Klangoptimierung auseinandersetzen möchte. Komfortschwächen wie die nur mit der eigenen ConneX App synchronisierte Lautstärkeregelung sollte man kennen, doch sie trüben den sehr positiven Gesamteindruck kaum. Gerade elektronische Musik und Pop profitieren vom straffen Fundament, während Singer-Songwriter-Material und Stimmen angenehm plastisch herüberkommen.
Für rund 250 Euro ist die MR5 damit ein ausgesprochen starkes Gesamtangebot, das sowohl junge Musikfans als auch preisbewusste Produzenten adressiert. Wer dagegen auf App-Komfort verzichten kann und für etwa 50 Euro Aufpreis lieber auf schiere Membranfläche und Pegelfähigkeit setzt, findet in der Mackie CR8-BT eine spannende Alternative. Sie spielt weniger filigran, dafür kompromissloser im Bass und mit deutlich größerem Atem.
Edifier MR5: Technische Daten
- Preisempfehlung des Herstellers: 250 Euro
- Abmessungen (B x H x T): 15, 9 × 26,4 × 28 cm (aktiver Lautsprecher), 15, 9 × 26,4 × 25,7 (passiver Lautsprecher)
- Gewicht: 10.4 kg (Paar)
- Besonderheiten: Hochpegel-Cinch- und 3,5-mm-Klinken-AUX-Eingang, symmetrische 6,3-mm-Klinken- und XLR-Stereo-Eingänge, Bluetooth 5.4, App mit 6-Band-Equalizer, Kopfhörer-Ausgang mit 3,5-mm-Klinke auf der Front, Anschlusskabel mitgeliefert






