STEREO GUIDE Testurteil
Die Yamaha True X Surround 90A überzeugte im Test. Sie erwies sich durch und durch als Premium-Soundbar mit Dolby Atmos, Auro-3D, Beam-Technologie und starkem Heimkino-Klang. Überraschend gut eignet sie sich aber auch für reine Musik-Wiedergabe. Als Bonus gibt es Rear-Speaker, die sich mit ihren Akkus auch unabhängig von der Soundbar als mobile Bluetooth-Boxen verwenden lassen.
Vorteile
- Für Heimkino und Musikwiedergabe gleichermaßen geeignet
- Drahtkoser Subwoofer mit konturierter Basswiedergabe
- Verblüffend gute Höhenkanäle dank Beam-Arrays
- Abnehmbare Rears eignen sich als mobile Bluetooth-Boxen
Nachteile
- Bedienung stellenweise etwas umständlich
- Kanalpegel ab Werk nicht optimal justiert
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Natürlichkeit / Transparenz9.3
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Bass / Dynamik9.6
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Räumlichkeit9.4
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Praxis / Connectivity9.4
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Preis/Leistung9.5
Yamaha gehört zu den Herstellern, die das Soundbar-Thema überhaupt erst ernsthaft in Richtung Heimkino gedacht haben. Während viele Konkurrenten lange Zeit vor allem besseren TV-Ton liefern wollten, arbeiteten die Japaner schon früh an echter Raumabbildung mit DSP-Technik, virtuellen Lautsprechern und reflektierten Schallfeldern. Die legendäre YSP-5600 war dafür vor einigen Jahren ein Meilenstein.
Mit der neuen Yamaha True X Surround 90A knüpft Yamaha nun genau dort wieder an. Das System kombiniert Dolby Atmos, DTS:X, Auro-3D, drahtlose Rear-Lautsprecher und eine komplett überarbeitete Beam-Technologie zu einem der technisch ambitioniertesten Soundbar-Konzepte am Markt. Der Anspruch ist hoch: möglichst echtes Heimkino ohne klassische Lautsprecherinstallation.
Und tatsächlich unterscheidet sich die True X Surround 90A in vielen Punkten deutlich von typischen Soundbars. Das beginnt bereits beim grundsätzlichen Aufbau. Denn Yamaha liefert hier nicht einfach eine einzelne Soundbar, sondern ein komplettes 5.1.2-System mit drahtlosem Subwoofer und zwei kabellosen Rear-Lautsprechern. Das gesamte Paket wirkt dadurch eher wie eine kompakte Alternative zu einem klassischen Heimkino-Setup als wie eine gewöhnliche TV-Tonlösung.


Aufwendige Technik hinter dem schlanken Gehäuse
Trotz ihrer wohnraumfreundlichen Abmessungen steckt in der Soundbar selbst erstaunlich viel Technik. Mit knapp 1,18 Metern Breite passt sie optisch gut zu Fernsehern ab etwa 55 Zoll, bleibt mit nur rund sieben Zentimetern Höhe aber angenehm dezent. Yamaha setzt auf insgesamt drei Hochtonkalotten für Front und Center. Im Mitteltonbereich vertrauen die Japaner auf zwei speziell entwickelte ovale Lautsprecherchassis für die Frontkanäle und zwei weitere für den Center. Die sollen trotz flacher Bauweise ausreichend Membranfläche und Pegelfestigkeit bieten. Zum Antrieb szehen für jeden dieser drei Kanäle immerhin 100 Wat bereit.
Ergänzt wird das Ganze durch zwei aufwendige Beam-Arrays für die Höhenkanäle. Auf jeder Seite des flachen Gehäuses finden sich unter einem Grill je sechs nach oben gerichtete Height-Speaker, die von separaten Endstufen mit je 2,5 Watt angetrieben werden.
Genau diese Beam-Technologie ist das eigentliche Herzstück der True X Surround 90A. Auf der Oberseite der Soundbar arbeiten pro Seite sechs kleine Breitbandlautsprecher, die einzeln über den DSP angesteuert werden. Durch minimale zeitliche Verzögerungen bündelt Yamaha den Schall gezielt Richtung Zimmerdecke. Dort entsteht durch Reflexion eine virtuelle Schallquelle, die den Eindruck echter Höhenlautsprecher erzeugt.

Das funktioniert in der Praxis deutlich präziser als bei vielen Atmos-Soundbars, die lediglich einfache Upfiring-Lautsprecher einsetzen. Die Höhenabbildung wirkt konkreter, stabiler und vor allem besser integriert. Statt diffuser Effektkulisse entsteht tatsächlich ein glaubwürdiger Höheneindruck. Besonders interessant: Yamaha erlaubt nicht nur die Anpassung des Winkels, sondern auch die Fokussierung der Beam-Projektion abhängig von Raumhöhe und Hörposition. Dadurch lässt sich das System deutlich besser an unterschiedliche Wohnräume anpassen als viele Konkurrenzmodelle.
Streaming und Ausstattung
Die True X Surround 90A integriert Yamahas MusicCast-Plattform und unterstützt zahlreiche Streamingdienste wie Spotify Connect, Tidal Connect oder Qobuz. Zusätzlich stehen AirPlay 2 und Bluetooth zur Verfügung.
Im Alltag funktionierten vor allem Spotify Connect und Streaming via Roon komfortabel und stabil. Weniger gelungen wirkt dagegen die direkte Qobuz-Integration innerhalb der MusicCast-App, die funktional vergleichsweise schlicht ausfällt.
Anschlüsse bietet Yamaha in sinnvoller Auswahl. Neben HDMI eARC steht ein zusätzlicher HDMI-Eingang bereit, dazu optischer Digitaleingang, Netzwerkanschluss und USB-Port für Updates.



Kabellose Rear-Lautsprecher mit cleverem Konzept
Auch die Surround-Lautsprecher Yamaha WS-X3A fallen aus dem üblichen Soundbar-Rahmen heraus. Yamaha integriert hier Akkus, sodass die Rear-Speaker entweder dauerhaft auf ihren Ladebasen betrieben oder flexibel im Raum genutzt werden können. Gleichzeitig lassen sie sich unabhängig vom Heimkino auch als mobile Bluetooth-Lautsprecher verwenden.
Das wirkt zunächst wie ein Lifestyle-Feature, erweist sich im Alltag aber tatsächlich als praktisch. Klanglich überraschen die kompakten Lautsprecher ebenfalls positiv. Trotz ihrer geringen Größe reproduzieren die WS-X3A Surroundeffekte erstaunlich vollwertig und tonal stimmig. Die Rear-Kanäle fügen sich sauber ins Gesamtbild ein und erzeugen keine hörbaren Brüche zwischen Front- und Hintergrundkulisse.
Überraschend erwachsener Subwoofer
Der drahtlose Subwoofer Yamaha SR-X90A wirkt auf den ersten Blick relativ kompakt. Umso überraschender fällt seine Leistung im Hörraum aus. Yamaha verwendet hier die sogenannte Symmetrical-Flare-Port-Technologie, die Strömungsgeräusche reduzieren und den Bass sauberer wirken lassen soll. Dem 17-cm-Tieftöner stehen 100 Watt zur Verfügung.
Tatsächlich spielt der Woofer bemerkenswert kontrolliert. Statt des oft typischen Soundbar-Dröhnens liefert er trockenen, erstaunlich tief reichenden Bass mit guter Struktur. Besonders wichtig dabei: Selbst bei actionreichen Filmszenen bleibt der Tiefton kontrolliert genug, um Stimmen und Mitten nicht zuzudecken. Gerade das gelingt vielen Soundbar-Subwoofern deutlich schlechter.


Einrichtung und Bedienung: Viel Komfort, kleine Schwächen
Die Einrichtung gelingt insgesamt unkompliziert. Die Funkverbindung zwischen Soundbar, Subwoofer und Rear-Lautsprechern arbeitete im Test stabil und zuverlässig. Positiv fällt außerdem das Frontdisplay auf, das ungewöhnlich viele Informationen liefert. Neben Lautstärke und Eingängen zeigt die Yamaha auch Signalformate, Decoder und sogar Kanalinformationen an. Das kennt man eher von großen AV-Receivern als von kompakten Soundbars.

Zusätzlich stehen eine klassische Fernbedienung, die MusicCast-App für iOS oder Android und ein vollständiges On-Screen-Menü zur Verfügung. Gerade letzteres ist hilfreich, weil sich dort zahlreiche Parameter individuell anpassen lassen. Yamaha erlaubt erfreulicherweise die separate Pegelregelung praktisch aller Kanäle, was im Soundbar-Bereich keineswegs selbstverständlich ist.
Ganz perfekt wirkt die Menüstruktur allerdings nicht. Einige wichtige Einstellungen für die Beam-Technologie lassen sich ausschließlich über das TV-Menü vornehmen, andere wiederum nur über die App. Hier hätte eine konsequentere Struktur die Bedienung erleichtert.


Hörtest Musik: Erstaunlich viel HiFi für eine Soundbar
Die vielleicht größte Überraschung der Yamaha True X Surround 90A ist ihre Musikwiedergabe. Viele Soundbars beeindrucken zunächst mit Effekten und Räumlichkeit, wirken bei längeren Musiksessions aber schnell künstlich oder anstrengend. Yamaha gelingt hier deutlich mehr.
Bereits im reinen Stereo-Modus klingt das System nicht nur erstaunlich ausgewogen, sondern auch erwachsen. Stimmen besitzen Volumen und Natürlichkeit, Instrumente werden sauber voneinander getrennt und die Bühne löst sich deutlich vom Gehäuse. Gerade akustische Aufnahmen und Stimmen profitieren von der insgesamt neutralen Abstimmung.
Allerdings zeigte sich im Test auch, dass die Werkseinstellungen nicht optimal gewählt sind. Im Auslieferungszustand spielte der Subwoofer etwas zu dominant, während Stimmen minimal zurückhaltend wirkten. Nach einer Korrektur von Center- und Basspegel gewann die Wiedergabe jedoch sofort an Balance und Transparenz. Dialoge wurden klarer, Stimmen natürlicher und der Bass deutlich besser integriert.
Richtig spannend wird die Yamaha allerdings mit ihren DSP-Programmen. Genau hier zeigt sich die jahrzehntelange Erfahrung des Herstellers besonders deutlich.
Surround: AI und Auro-3D im Hörtest
Yamahas neue Surround:AI-Technologie analysiert das Tonsignal permanent und passt die Raumdarstellung dynamisch an Inhalte und Szenen an. Das klingt zunächst nach typischem Marketing-Begriff, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich überzeugend.
Die Bühne wächst deutlich über die physische Breite der Soundbar hinaus und gewinnt gleichzeitig hörbar an Höhe und Tiefe. Dabei bleibt die Darstellung angenehm stabil und frei von den künstlichen Verfärbungen, die man von vielen aggressiven DSP-Programmen kennt. Statt spektakulärer Effektshow entsteht ein großes, offenes Klangbild mit glaubwürdiger Räumlichkeit.
Besonders interessant ist die Integration von Auro-3D. Yamaha ist hier tatsächlich Vorreiter im Soundbar-Bereich. Vor allem der Auro-Matic-Upmixer harmoniert hervorragend mit Musik. Konzertmitschnitte, Live-Alben oder akustische Produktionen gewinnen deutlich an Atmosphäre und räumlicher Größe, ohne ihre Natürlichkeit zu verlieren. Gerade Stimmen profitieren von der luftigen, offenen Darstellung.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie unaufdringlich die Virtualisierung arbeitet. Die Klangbühne wirkt größer und immersiver, ohne dass Instrumente künstlich im Raum verteilt oder tonal verfärbt werden. Genau diese Balance gelingt nur wenigen Soundbars wirklich überzeugend.
Dolby Atmos und Heimkino: Große Klangkuppel ohne Lautsprecherwald
Bei Filmen spielt die True X Surround 90A ihre Heimkino-Stärken schließlich vollständig aus. Die Kombination aus Beam-Technologie, echten Rear-Lautsprechern und sauber integrierten Höhenkanälen erzeugt ein ungewöhnlich geschlossenes Surroundfeld. Und nicht zu vergessen: Der standesgemäß umgesetzte drahtlose Subwoofer SR-X90A liefert ein solides Tiefton-Fundament für zünftige Spezial-Effekte bei Action-Filmen.
Besonders Dolby-Atmos-Material profitiert von der präzisen Höhenabbildung. Regen, Fluggeräusche oder atmosphärische Effekte besitzen tatsächlich eine vertikale Dimension statt bloßer Diffusität. Gleichzeitig wirken Bewegungen im Raum homogen und lückenlos. Die Übergänge zwischen Front-, Rear- und Höhenkanälen gelingen erstaunlich fließend.
Trotz der ausgeprägten Räumlichkeit bleibt die Sprachverständlichkeit erfreulich hoch. Selbst actionreiche Szenen behalten Struktur und Übersicht. Dialoge gehen nicht unter, sondern bleiben sauber im Raum verankert. Genau das unterscheidet die Yamaha von vielen spektakulär abgestimmten Soundbars, die zwar beeindruckende Effekte erzeugen, dabei aber an Präzision verlieren.
Hinzu kommt eine erstaunliche Dynamikreserve. Für ihre vergleichsweise kompakte Bauweise spielt die True X Surround 90A bemerkenswert souverän und pegelfest. Auch größere Wohnräume lassen sich problemlos beschallen, ohne dass das Klangbild früh komprimiert oder angestrengt wirkt.
Fazit: Eine der spannendsten Premium-Soundbars am Markt
Die Yamaha True X Surround 90A gehört aktuell zu den technisch und klanglich interessantesten Premium-Soundbars überhaupt. Yamaha kombiniert hier enorme DSP-Erfahrung mit echter Heimkino-Kompetenz und überraschend ernsthaften HiFi-Qualitäten.
Besonders die Beam-Technologie hebt das System klar von vielen Konkurrenzmodellen ab. Die Höhenabbildung wirkt präziser und glaubwürdiger als bei vielen Mitbewerbern. Dazu kommen ein erstaunlich kontrollierter Subwoofer, überzeugende Rear-Lautsprecher und eine Raumdarstellung, die tatsächlich an klassische Surround-Systeme erinnert.
Kleine Schwächen bei den Werkseinstellungen und der Menülogik ändern daran wenig. Richtig eingerichtet liefert die True X Surround 90A ein großes, präzises und gleichzeitig erstaunlich natürliches Klangbild. Vor allem puristisch geprägte Musikliebhaber erwartet bei Yamaha für Soundbar-Verhältnisse eine sehr natürliche Stereo-Wiedergabe. Als Bonus gibt es noch die Wireless-Rear-Speaker, die sich mit ihren Akkus auch als mobile Bluetooth-Boxen benutzen lassen. Bei dieser Flexibilität kann der KEF XIO nicht mithalten. Er eignet sich aber ebefalls vortrefflich für jene, die von einer Soudnbar auch eine besonders natürliche, hochauflösende Musikwiedergabe erwarten. Wer für seine Soundbar samt Subwoofer nicht über 2.000 Euro ausgeben möchte, sollte sich einmal die Sonos Arc Ultra mit dem Sonos SUB 4 anhören.
Weitere Alternativen finden Sie in unserer STEREO GUIDE HiFi-Bestenliste
Technische Daten: Yamaha True X-Surround 90A
- Preisempfehlung des Herstellers: 2.500 Euro
- Abmessungen (B x H x T): Soundbar: 118 x 8,5 x 14,3 cm, Subwoofer: 24,1 x 37,8 x 41,4 cm, Rear Speaker: 8,8 x 22 x 8,8 cm
- Gewicht: Soundbar: 11 kg, Subwoofer: 12,7 kg Rear Speaker: 1,0 kg
- Besonderheiten: AirPlay 2, Bluetooth 4.2 (SBC/AAC), 1 x HDMI (eARC), 1 x HDMI, USB-A (Service), TOSLINK, RJ45 Ethernet , WLAN, Roon Ready, Spotify Connect, Tidal Connect
- Mehr unter: yamaha.com






