Ein Bekannter von mir stand neulich vor meinem Oldtimer, schaute auf die Reifen und kommentierte sinngemäß: „Michelin, daran sieht man, wer sein Auto liebt.“ Das war nicht als Technik-Statement gemeint, eher als Charakterdiagnose. Wer sich diese Marke ans Auto schraubt, will nicht nur von A nach B, sondern auch die Kurve dazwischen.
Genau an dieses Gefühl musste ich denken, als der Zeekr 7GT im Foyer der Geely Holding in Raunheim, also im Umfeld von Frankfurt, seine Deutschlandpremiere gab. Denn auch hier ist die Botschaft demonstrativ: Der vollelektrische Grand Tourer vetraut nicht auf irgend einen Reifen, er leistet sich Michelin Pilot Sport EV auf schickenm großen Alufelgen. Das Auto sagt damit recht deutlich: Ich will Spaß machen, nicht nur Fahrten abspulen. Vor allem asteht dieses Detail für einen Anspruch, der auch vor dem unter eigenem Label präsentierten Sound-System nicht halt macht. Ungeachtet des überraschend günstigen Preises für Fahrzeug samt seiner Premium-Lautsprecher unterstreicht das die ambitionierte Herangeehensweise der chinesischen Newcomer mit ihrem Entwicklungszentrum im schwedischen Göteborg.
Ich konnte den 7GT an diesem Tag noch nicht fahren. Der erste Hörcheck des Audio-Systems fand im Stand statt. Das Ergebnis ließ aber aufhorschen, zumal das Konzept des Zeekr Premium Sound-Systems auf Anhieb aus dem allgemeinen Angebot heraussticht.

Europäische Handschrift, 800 Volt und ein Cockpit ohne Nervfaktor
Das Design wirkt, als hätte man es nicht für einen Showroom gezeichnet, sondern für Menschen, die jeden Tag einsteigen. Klare Flächen, ein Lichtband, das nicht nach „Guck mal, Zukunft“ schreit, und ein Cockpit, das modern ist, ohne dich mit Menüschichten zu erziehen. Die 800-Volt-Technik wird unter dem Schlagwort „Golden Battery“ kommuniziert, und selbst wenn man solche Begriffe grundsätzlich mit Vorsicht genießen sollte: Das Setup passt zum Grand-Tourer-Anspruch, weil es auf der Langstrecke nicht nur um Sitze, sondern auch um Lade-Realität geht.

Das Sound-System: 23 Lautsprecher und ein exponierter Tweeter als Ansage
Zeekr nennt es Premium Sound System, und die Eckdaten sind zunächst einmal eine Ansage: 23 Lautsprecher inklusive Subwoofer, der Center-Tweeter sitzt auf dem Armaturenbrett und extra Lautsprecher in der Fahrer-Kopfstütze, der auch für Navi und Telefon gedacht ist. Dazu kommen hochwertige Metallgitter, wie man sie aus europäischen Premium-Modellen kennt.
Die spannendste Stelle ist aber nicht das Material, sondern die Offenheit der Bedienung. Das User Interface erlaubt Feineinstellungen, die eher nach Entwickler-Menü wirken als nach typischem Auto-Preset-Geklicke. Man kann Kanäle einzeln anfassen, Faktoren wie Pegel, Laufzeitverzögerung, Frequenzgang sowie Hall und Surround-Effekt getrennt bearbeiten, um sie als eigenes Klang-Preset abzuspeichern. Das ist eine reinrassige Profi-Obersfläche wie aus der Entwicklungsabteilung der Lautsprecher-Hersteller. Respekt.
Die Kehrseite: Die entsprechenden Bereiche der Menüs für die Klangeinstellungen überfordern den gewöhnlichen Nutzer und könnten selbst Klangexperten, sofern sie nicht in der Enwticklung arbeiten und Messequipment mitgebracht haben, einen ganzen Tag lang beschäftigen. Wer einfach loshören will, könnte sich kurz fragen, ob er gerade eine Auto-Anlage oder ein Studio-Tool bedient. Immerhin gibt es werkseitige Sound-Presets wie „HiFi“ oder „Nahseld Surround“ und wer nicht gleich auf Forschungsebene am Klang herexperimentieren möchte, findet auch ohne Umwege einen gewöhnlichen 6-Band-Equalizer.
Trotzdem: Diese Offenheit zeigt Innovationswillen, und sie wirkt wie ein bewusstes Statement einer Marke, die in Europa ernst genommen werden will. Damit nimmt Zeekr im Markt der hochwertigen Car-Audio-Systeme ab Werk eine einsame Sonderstellung ein.
Der selbstbewusste Newcomer fordert die etablierten Hersteller heraus
Ein Vergleich drängt sich auf, weil er im Premium-Umfeld oft als Maßstab gilt: Bowers und Wilkins bei Volvo und Polestar. Der Zeekr möchte nach den ersten, kurzen Klangeindrücken bei der Premiere in diesem Feld mitspielen, allerdings mit eigenen Prioritäten. Der Fokus lässt sich per Presets stärker auf den Fahrersitz legen oder etwa für den Fond optimieren. Es gibt auch eine eigenständige Anpassung unter dem Preset „Adaptiv“. Klanglich wirkt das System dabei tonal ausgewogen, präzise und vor allem nicht künstlich übertrieben. Auch die Bühnendarstellung gelingt nach ersten Eindrücken ausgesprochen gut.







Hörtest im Stand: schnelle Wahrheiten mit bekannten Tracks
Der Hörcheck war ein Schnelltest, kein Langstrecken-Marathon. Und er fand wie eingangs erwähnt im Stand statt. Das limitiert die Aussagekraft, weil Fahrgeräusche und der psychologische Effekt der Bewegung fehlen. Trotzdem lassen sich Stimme, Basskontrolle, Bühne und Hochtonqualität schnell einordnen, wenn man mit festen Referenzen wie unseren öffentlichen Hörtest-Playlists auf Qobuz arbeitet.
In dem Schnelltest, als ich allein im Fahrzeug war, nutzte ich eine handvoll Tracks, die mir in solchen Situationen schnell zeigen, ob ein System auf Effekt oder auf Substanz getrimmt ist. Bei Anette Askvik „Liberty“ stand die Stimme im Mittelpunkt. Der Zeekr stellte sie differenziert hin, ohne Übertreibungen, aber auch ohne Unterschlagungen von subtilen Details. Foreigner „Urgent“ („Live In Cjicago) lieferte eine breite, tiefe Bühne mit umhüllenden Konzertfeeling.
Auch der Bass macht Spaß
Dann Bass und Kontrolle: Depeche Mode Remixes 81>04 sowie Hedegaard „Ratchets“ nehmen die Tieftöner eines Sound-Systems richtig ran und decken auch Resonanzen in den Cockpit-Verkleidungen auf. Der Zeekr lieferte einen präzisen, kräftigen Bass, der nicht aufdickt und trotzdem Punch hat. Es war dieses angenehme Gefühl, dass der Subwoofer nicht als eigener Akteur auffällt, sondern das Fundament stützt.
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Beim Thema Staging blieb der Eindruck überraschend erwachsen. Die Bühne war breit und stabil. Der ohnehin gute Fokus gewinnt durch Nutzung des passenden Presets, in meinem Fall für den Fahrersitz, nochmals an Kontur. Unterm Strich ergab das nach ersten Eindrücken ein hohes Potenzial, so als wollte Zeekr sagen, dass man von dieser Marke im wörtlichen Sinne in Zukunft noch eine Menge hören wird.
Zeekr 7GT: Fazit und Zielgruppe
Der Zeekr 7GT hat bei seiner Deutschlandpremiere vor allem eines gezeigt: Diese Marke will nicht nur „auch Premium“ sein, sondern sie will es mit eigener Handschrift. Das Sound-System ist klanglich sehr ausgewogen, mit präzisem Bass, sauberen Stimmen und tadellosem Hochton. Die Bedienung ist ungewöhnlich tief und damit nicht automatisch für jeden, aus HiFi-Sicht aber ein selten offenes Angebot.
Wer ein E-Auto sucht, das im Innenraum nicht nach Gadget-Hype aussieht, und wer beim Audio gerne mehr Kontrolle hat als Preset A bis D, sollte den 7GT auf die Liste setzen. Wer dagegen eine sofort intuitiv verständliche Klang-Bedienung erwartet und keine Lust auf Feintuning hat, braucht allerdings keine Schwellenangst zu haben: Schon die normalen Einstellungen des Premium Zeekr Sound-Systems sind umfangreicher als üblich, aber nicht unnötig kompliziert. Somit passt der überaus positive Eindruck des Sound-Systems zum ersten Ausrufezeichen, das die junge Marke mit den sportlichen Michelin-Pneus bei mir setzte.
Zeekr 7GT – Preise und Ausstattungslinien
- Zeekr 7GT Core RWD ab 45.990 €
- Zeekr 7GT Long Range RWD Launch Edition ab 50.990 €
- Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition ab 57.490 €
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