STEREO GUIDE Testurteil
Der Technics EAH-AZ100 bringt neuen Treiber, besseres ANC, längere Laufzeit und Head Tracking. Im Test zeigt er klaren Fortschritt gegenüber dem EAH-AZ80 – besonders beim Klang und der räumlichen Wiedergabe.
Vorteile
- Sehr kräftiger, kickender Bass
- Natürliche Stimmenwiedergabe und feine Auflösung
- Dolby Atmos Spatial Audio und Head Tracking
- Nützliche Funktionen wie Messung zum Finden des passenden Ohr-Adapters
Nachteile
- Einstellungen Dolby Atmos und Head Tracking etwas umständlich zu erreichen
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Natürlichkeit / Transparenz9.3
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Bass / Dynamik9.6
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Praxis / Connectivity9.1
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Preis/Leistung9.4
Der Technics EAH-AZ100 wurde Anfang 2025 als Nachfolger des EAH-AZ80 eingeführt. Dazu entwickelte die Panasonic-Tochter neue Treiber und brachte mit Dolby Atmos und Head Tracking zwei spannende neue Features in Spiel. Damit positioniert sich der laut Liste für 300 Euro angebotene In-Ear als Herausforderer der beliebten Apple AirPods Pro 3, die allerdings, was bei Apple selten vorkommt, in diesem Fall sogar das günstigere Angebot verkörpern. Das spricht allerdings auch gleichzeitig für ein gesundes Selbstvertrauen der Japaner. Was die Konkurrenz von Sony betrifft, liegt die offizielle Preisempfehlung des EAH-AZ100 allerdings 20 Euro niedriger, und das, obwohl die Bluetooth-Earbuds dem 2023 von uns getesteten WF-1000XM5 mit ihrem Head Tracking und Dolby Atmos, zwei zugkräftige Argumente voraus haben.
Und diese neuen Features sind nicht die einzigen Verbesserungen, die der neue In-Ear von Technics in die Waagschale wirft. Die Japaner entwickelten für die in den Farben Mitternachtsblau, Silber, Schwarz oder Champagne erhältlichen In-Ears auch komplett überarbeitete Treiber. Statt auf das bisherige 10-mm-Aluminium-Diaphragma des AZ80 zu setzen, nutzt das neue Modell eine leichtere und zugleich steifere Membran. Der Schritt zielt hörbar auf mehr Direktheit im Mittenbereich und eine sauberere Basskontrolle. Beim AZ80 war der Tiefton kräftig, aber gelegentlich etwas weich. Der AZ100 wirkt strukturierter und zieht Konturen klarer nach, ohne den seidigen Grundcharakter zu verlieren. Die höheren Frequenzen löst der neue True Wireless In-Ear feiner auf, was Stimmen und Akustikinstrumenten spürbar zugutekommt.

Zudem vertraut Technics bei den Treibern der neuen In-Ears auf Magnetic Fluid: Damit ist eine spezielle, magnetische Flüssigkeit gemeint, die im Antrieb des Treibers eingesetzt wird. Sie befindet sich im Luftspalt des Magneten und erfüllt gleich mehrere Aufgaben: Sie kühlt die Schwingspule, dämpft unerwünschte Schwingungen und stabilisiert die Bewegung der Membran. Das Ergebnis ist eine präzisere Kontrolle, geringere Verzerrungen und ein sauberer Klang auch bei höheren Pegeln.
Mit der akustischen Kontrollkammer optimiert Technics gezielt die Luftbewegung hinter dem Treiber. Diese Kammer fungiert als definierter Resonanzraum, der den rückwärtigen Schall kontrolliert ableitet und stehende Wellen reduziert. Dadurch arbeitet der Treiber gleichmäßiger über seinen gesamten Frequenzbereich. Vor allem im Bass und Grundton verbessert sich so die Präzision, während der Mittelton an Klarheit gewinnt. Gleichzeitig trägt die Kontrollkammer dazu bei, Verzerrungen bei höheren Pegeln zu minimieren.
Ein Ring, um sie zu kontrollieren
Der sogenannte Harmonizer Ring ist ein fein abgestimmtes Bauteil im Treiberumfeld, das gezielt Resonanzen kontrolliert. Er wirkt wie ein mechanischer Stabilisator, der unerwünschte Peaks im Hochton- und oberen Mitteltonbereich glätten soll. Dadurch wollen die Entwickler verhindern, dass bestimmte Frequenzen zu stark hervortreten oder scharf wirken. Das Ergebnis aus Harmonizer Ring und Kontrollkammer ist ein kontrollierter, ausgewogener Klang, der auch bei höheren Lautstärken stabil bleibt und weniger anfällig für Härten oder Unsauberkeiten ist.


Der EAH-AZ100 kann eine Multipoint-Verbindung zu drei verschiedenen Geräten gleichzeitig aufnehmen. Technics setzt auf Bluetooth 5.3 mit den Codecs SBC, AAC, LDAC, LC3. Auf aptX beziehungsweise aptX-HD verzichten die Japaner.






Neue Features und Feinschliff bei der Bedienung
Beim Funktionsumfang setzt Technics am EAH-AZ100 mehrere kleine, aber sinnvolle Verbesserungen um. Die adaptive Geräuschunterdrückung reagiert schneller und lässt sich in feineren Stufen regulieren. Die Sprachqualität bei Telefonaten profitiert von einem überarbeiteten Mikrofon-Array, das Nebengeräusche besser erkennt und filtert. Technics vertraut auf eine Funktion namens Voice Focus AI, welche die Sprachqualität bei Telefonaten und Videokonferenzen deutlich verbessern soll.
Dabei analysiert ein KI-gestützter Algorithmus kontinuierlich das eingehende Signal aus drei Mikrofonen pro Seite und trennt gezielt die menschliche Stimme von Umgebungsgeräuschen. Störquellen wie Wind, Verkehrslärm oder Stimmen im Hintergrund werden wirkungsvoll reduziert, während die eigene Stimme klar und verständlich im Vordergrund bleibt. Anders als bei einfachen Noise-Reduction-Lösungen wirkt die Sprachübertragung dabei nicht künstlich oder abgeschnitten, sondern natürlich und stabil.
App upgedated
Außerdem wurde die App-Steuerung gestrafft: Einstellungen wie ANC-Intensität, Ambient-Sound oder Klangprofile sind jetzt in der Technics Audio Connect App für iOS und Android direkter erreichbar. Keine Revolutionen, aber genug Feinschliff, damit das Bedienerlebnis runder wirkt als beim AZ80.
Allerdings gibt es ein Ausnahme: Ausgerechnet die viel beworbene, für Dolby Atmos optimierte Spatial-Audio-Funktion samt Head Tracking versteckten die japanischen Entwickler ganz tief in den Einstellungen. Auf der Übersichtsseite bekommt man gar nichts davon mit. Und auch in den durch ein Zahnradsymbol versteckten Einstellungen muss man herunterscrollen, um das dafür zuständige „Raumklang“-Menü zu entdecken. Das Head Tracking soll Hören wie im Konzert oder zumindest vor Stereo-Lautsprechern ermöglichen und bei Kopfdrehungen verhindern, dass sich die Bühne mitbewegt.
Akkukapazität und Laufzeit: kleine Gewinne an der richtigen Stelle
Technics erhöht beim EAH-AZ100 die Akkukapazität moderat. Das führt nicht zu spektakulären Sprüngen, aber zu spürbaren Zugewinnen im Alltag. Während der AZ80 im realistischen Mischbetrieb meist zwischen sechs und sieben Stunden durchhielt, legt der AZ100 rund eine Stunde drauf. Mit aktiviertem ANC ist der Unterschied etwas kleiner, aber immer noch messbar. Auch das Ladecase speichert etwas mehr Energie. Für Vielnutzer heißt das: ein kompletter Arbeitstag ist jetzt ohne Zwischenladen realistischer als zuvor. Apropos Laden: Das geht über den USB-C-Anschluss zwar schneller, aber das Case kann auch drahtlos durch seine induktive Qi -Ladefunktion Strom nachtanken.

Sound-Test: So klingt der Technics EAH-AZ100
Im Hörtest zeigt der Technics AZ100 eine klangliche Ausrichtung, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, sich in der Praxis aber als große Stärke erweist. Zwei oft gegensätzlich bewertete Eigenschaften prägen den Charakter besonders deutlich: eine sehr natürliche, in sich geschlossene Abstimmung im Mittel- und Hochtonbereich sowie ein Bassfundament, das mächtig Druck und Energie liefert. Damit dient der ANC-In-Ear sich Audiophilen mit Faible für Stimmen und akustische Instrumente genauso an wie jenen, die Rock und Pop mit zünftigem Punch im Bass goutieren möchten.
Der Mitteltonbereich ist klar die audiophile Visitenkarte des AZ100. Stimmen wirken präsent, sauber fokussiert und frei von Verfärbungen. Gerade bei Jazz- und akustischen Instrumenten überzeugt der Ohrhörer mit einer stimmigen, glaubwürdigen Darstellung. Instrumente entfalten ihren Klangkörper ohne künstliche Wärme oder übertriebene Nähe, etwa bei „Flavour Of The Old School“ von Berverley Knight „Live At The Royal Festival Hall“. Feindetails wie Atemgeräusche, Saitenanschläge oder das Ausschwingen eines Beckens werden klar hörbar, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Auch bei klassischer Musik bleibt diese Balance erhalten. Der AZ100 löst fein auf, ohne analytisch zu wirken. Streicher behalten ihre Textur, Bläser ihre Durchzeichnung, selbst komplexere Orchesterpassagen bleiben übersichtlich und gut strukturiert. Die Wiedergabe wirkt ruhig und kontrolliert, mit einer stabilen, realistischen Raumabbildung, etwa bei der Ouvertüre von Rossinis „Guillaume Tell“ mit dem Prager Sinfonie-Orchester.

Der In-Ear sorgt für Spaß am Bass
Am unteren Ende des Frequenzspektrums zeigt der Technics eine zweite, sehr dynamische Seite. Der Bass reicht tief hinab, tritt mit Nachdruck auf und besitzt eine klar definierte Kontur. Kickdrums haben Punch, elektronische Bassläufe Druck und Substanz. Dabei bleibt der Tiefton stets sauber eingebunden und neigt weder zum Aufdicken noch zum Dröhnen. Gerade bei Rock, Pop oder elektronischer Musik – etwa „Ratchets“ von Hedegaard aus unserer Qobuz-Playlist „Extreme Bass Test“ – wirkt der AZ100 lebendig und mitreißend, ohne seine tonale Balance zu verlieren.
Besonders gelungen ist die Hochtonabstimmung. Der AZ100 spielt sehr transparent und fein auflösend, vermeidet aber konsequent jede Form von Schärfe. Die Höhen wirken seidig und edel, mit ausreichend Luft und Detail, ohne auf Dauer anstrengend zu werden. Auch bei längeren Hörsessions bleibt der Klang entspannt und ausgewogen.
Was bringen Dolby Atmos und Head Tracking?
Natürlich war ich besonders gespannt auf Spatial Audio mit Dolby Atmos und Head Tracking. Nachdem ich die gut versteckten Funktionen in den Einstellungen gefunden hatte, probierte ich sie ausgiebig mit allerlei Dolby-Atmos-Titeln von Amazon Music und Apple Music aus. Das Aktivieren von Dolby Atmos machte die Bühne breiter und vermittelte nach vorne ein leicht gesteigertes Gefühl von Raumtiefe. Allerdings kam es bei einigen Titeln vor, dass die Musik dabei inklusive der Lead Vocals etwas distanzierter wirkte. Je nach Aufnahme und Geschmack kann einem die puristische Wiedergabe bei einigen Titeln mit ihrer direkten zupackenden Art sogar etwas besser gefallen.
Was das Head Tracking betrifft, gehört es zum besten, dass man aktuell bei In-Ear-Kopfhörern geboten bekommt. Auf Kopfbewegungen agiert das System praktisch verzögerungsfrei und macht wirklich einen guten Job. Allerdings gibt es Grenzen, denn wenn man etwas länger zur Seite schaut, springt nach ein paar Sekunden die Mitte der Bühne wieder in die Mitte der Blickrichtung. Außerdem ist der Effekt nur für die Verwendung am Desktop oder auf der Couch geeignet. Während Bose einen eigenen Modus für Situationen bereithält, in denen sich der Benutzer bewegt, löst Technics das Problem, in dem sie den Spatial-Audioeffekt und das Head Tracking getrennt zuschaltbar zu machen.
Spatial Audio als nettes Add-on
Überraschenderweise funktioniert das wie ich finde gelungene Feature auch mit ganz normalen Stereo-Aufnahmen. Ich hatte lediglich den Eindruck, dass dann das Head Tracking nicht ganz so schnell und präzise anspricht und der Raumklang nicht ganz so plastisch wirkt wie mit Dolby-Atmos-Titel wie „Fast Car“ in der Cover-Version von Luke Combs. Aber grundsätzlich lässt sich die Spatial-Audio-Funktion auch mit ganz normalen Titeln verwenden. Ebenfalls erwähnenswert: Man sieht in der Technics App kein Dolby Logo, wenn entsprechende Titel gespielt werden. In der Summe sieht das für mich so aus, als würde Technics mit einem Virtualizer arbeiten, zumal im Begleittext der App lediglich vielsagend von „Optimized for Dolby Atmos“ die Rede ist.
In der Summe überzeugt der Technics AZ100 mit einer Klangabstimmung, die sowohl audiophile Hörer als auch Fans druckvoller, moderner Musik anspricht. Die Kombination aus natürlicher Mittenwiedergabe, hoher Transparenz und kräftigem, kontrolliertem Bass macht ihn zu einem der ausgewogensten und dynamischsten True-Wireless-Ohrhörer seiner Klasse.
Technics EAH-AZ100: Fazit und Alterntiven
Der Technics EAH-AZ100 ist ein klanglich rundum gelungener True Wireless In-Ear mit zwei besonders interessanten Features in Form von Dolby-Atmos-Spatial-Audio und Head Tracking zum erfassen und ausgleichen von Kopfbewegungen auf die Bühnenortung. Was diese Funktionen, aber auch die außerordentlich satte Basswiedergabe betrifft, bietet sich der Vergleich mit den ebenfalls mit 300 Euro in der offiziellen Peisliste stehenden Bose QuietComfort Ultra Earbuds 2 an.
Beim ANC lässt der Bose, wenn es hart auf hart kommt, dem Herausforderer keine Chance. Und er trägt sich auch bequemer, braucht nicht so hohen Anpressdruck der Polster im Ohrkanal für satten Bass. Aber der Technics löst etwas feiner auf, klingt etwas audiophiler im klassischen Sinne. Im Bass bekommt man bei beiden eine richtige Packung auf die Ohren, wobei der Bose noch mächtiger, der Technics dafür noch knackiger und konturierter erscheint. Was den Sony WF-1000XM5 betrifft, wirkt er zwar ebenfalls präzise, aber im Vergleich auch etwas weniger farbenprächtig und emotional ansprechend.
Technische Daten: Technics EAH-AZ100
- Preisempfehlung des Herstellers: 300 Euro
- Bauart: In-Ear
- Wandlerprinzip: Dynamisch
- Gewicht: 5,9 g je Earbud; Ladeetui: 42 g
- Akkulaufzeit: bis zu 7 Stunden mit ANC (28 Stunden mit Nachladen im Case)
- Besonderheiten: Schutzklasse IPX4, Ladecase, App mit Equalizer, ANC mit Transparenz-Modus
- Mehr unter: www.technics.com






