Die Norddeutschen HiFi Tage in Hamburg sind eine der am besten in der Szene verankerten Messen in Deutschland. Die 2026er Auflage fand erneut in einer erstklassigen Location im Herzen Hamburgs statt: dem Le Méridien Hotel an der Außenalster. Heuer wurde erstmalig von Besuchern Eintritt genommen, auch um uninteressierte Zaungäste abzuschrecken. Was natürlich Diskussionen auf den Gängen anheizte, ob dieses Signal das richtige oder falsche ist? Wie war es aus Besuchersicht?
Der Besucheransturm am Samstag war im gewohnten Rahmen, am Sonntag wurde es etwas leerer als von den NDHT gewohnt. Für die immense Anzahl von Räumen schien es aber genau die richtige Publikumsmischung zu sein, so dass letztlich alle zufrieden waren. Die Aussteller freuten sich über ein besonders involviertes Publikum, die Besucher über Vorführungen, bei denen man auch bei attraktiven Workshops problemlos in die meisten Räume hineinkam. Abgeschaltete Fahrstühle und eiskalte Temperaturen draußen sorgten für eine gleichmäßige Verteilung des Publikums auf Gänge, Foyers und Treppenhäuser. Von Enge 2026 keine Spur!
Trends aus dem hohen Norden
Können wir einen Trend vermelden? Nun ja, im Vergleich zum letzten Jahr gab es weniger Mini-Anlagen, Bluetooth, Kopfhörer und Einsteiger-Equipment. Leider. Aber auch wir als STEREO GUIDE kamen auf unsere Kosten, denn Streaming, ausgewachsene Aktivlautsprecher und ein Hang zu kompakteren, puristischeren Anlagen war auszumachen. Darauf haben wir uns auch im folgenden Bericht konzentriert.
Von höchstem Interesse war natürlich wie immer die gespielte Musik. Wie schon letztes Jahr gab es vermehrt Sanftes und Spaßorientiertes, unabhängig von Größe und Preis der vorgeführten Anlage. Einen vermehrten Trend zu recht deftigen elektronischen Klängen vermeinten wir auszumachen, nicht nur durch den Siegeszug von „Ratchets“. So findet sich auf unserer völlig unrepräsentativen Messe-Playlist ein breites Spektrum von zartem Vocal-Jazz bis Club-Atmosphäre und einigem knalligen Rock. Wie immer kann man die von uns erlebten Tracks beim Streaming-Dienst Qobuz nachhören, wo es auch die anderen STEREO GUIDE Playlists gibt:
Aktivlautsprecher in aller Herren Formen
Wie immer standen für STEREO GUIDE moderne Anlagenkonzepte im Vordergrund. Und die zahlreichen Hersteller enttäuschten nicht, gerade bei den mittelgroßen Aktivlautsprechern gab es so manche Premiere in Hamburg zu hören. Und auch einige kleinere und bereits bekannte Modelle zogen die Besucher wie magisch an.
Avantgarde macht den Anfang

Ein kompakter Hornlautsprecher von Avantgarde Acoustics, und das auch noch vollaktiv? Die neue Opus 1 active war ohne Zweifel einer der Stars der Messe.
KEF Kompakt: Coda W kommt auch ohne Audiokabel aus

Die KEF Coda W (links) kam im letzten Jahr als erschwinglicher WLAN-HiFi-Lautsprecher mit Phono-Eingang ins Programm des Lautsprecher-Sepzialisten hinzu.
Progressive Audio Extreme – extrem schlicht

Progressive Audio sind schon seit Jahren Vorreiter bei den Aktivlautsprechern im Ultra High End Bereich. Firmenchef Ralf Koenen brachte die neueste Version seiner besonders schlanken Extreme I nach Hamburg, die sich mit komplett neuer Weiche anhörte wie eine neue Box.
Publikums-Magnet: Ascendo

Die Hotelzimmer im Le Méridien sind notorisch zu klein. Ascendo sicherten sich eine der größeren Suiten, was dem Klang des neuen Aktivlautsprechers Live 6 Humming Bird mit seinem vollaktiven Vierwegekonzept mit Bi-Amping, Speaker Management und Raumeinmessung zugute kam. Die Koax-Chassis im sehr klar gestalteten Gehäuse spielten kultiviert und füllten den Raum hervorragend, so dass die Besucher hier besonders lange sitzen blieben.
Kiel-Möbel: Elac fürs Home Office

Elac zeigte in Hamburg ein audiophiles Desktop-Setup mit den ultrakompakten Aktivlautsprechern ConneX, die sowohl mit ihrem Design, als auch zahlreichen Anschlussmöglichkeiten punkteten.
Insider-Informationen: Backes&Müller

Aktivspezialist B&M zeigte keine neuen Lautsprecher, dafür ein besonders reduziertes Setup mit einer volldigitalen Kette, die nur aus Server, Vorverstärker und eben Aktivlautsprechern Jubilee bestand. Dazu gab es von Ex-Chefredakteur Malte Ruhnke diverse Vorträge zum Thema Raumakustik und Hörtests, die den Saal über den ganzen Messetag gut gefüllt hielten.
High End fürs Ohr und fürs Auge
Eine High End Kette darf heute nicht mehr mit technischen Look nach Hobbykeller aussehen, sie muss auch im edlen Wohnzimmer etwas hermachen. Neben miniaturisierten Design-Lautsprechern und allerlei neuartigen minimalistischen Anlagenkombinationen fielen uns auf den NDHT 2026 diverse Präsentationen auf, die optisch einfach umwerfend waren. Hier eine kurze Auswahl.
Revox – Voll Retro mit Design-Lautsprechern

Revox präsentierte die schlanken Design-Säulen G140 mit Plattenspieler und hauseigener Bandmaschine. Die B77 III war aber nicht die einzige spielende Hommage an die Vergangenheit, es gab auch einen CD-Player und neu produzierte Compact Cassetten!
WB Manufacture: Mit Röhren betören

WB Manufacture zeigte stattliche Röhren-Amps, die vom audiophilen Auswanderer Frank Werner in Schweden gebaut werden an Hornlautprechersn von hORNS.
Hessee-Fair: Canton und Rotel MICHI

Bei Canton wurde, trotz des reichhaltigen Angebots an smarten Devices, klassisches HiFi gespielt. Was vielleicht auch am Spielpartner Rotel MICHI lag, die die Elektronik zusteuerten. Besonders gefiel uns die kompakte und elegant verrundete Reference 9 GS Edition. Die audiophile 2-Wege-Box feierte auf den NDHT 2026 Premiere.
Schöner wohnen, Besser hören: PMC an AVM Elektronik

Als eine der wenigen trauten sich Besser Distribution und AVM, mit großen Lautsprechern (hier von PMC) in einem Wohnzimmerambiente zu spielen.
Edel und gut: Wilson Audio mit d´Agostino und SME



Im Vorraum von Audio Reference entdeckten wir die eigentliche Sensation: Den „kleinen“ neuen Vollverstärker Pendulum mit seiner eigenwilligen Ferbebdienng von Dan d´Agostino (der weiland als Gründer und Mastermind von Krell bekannt wurde). Nach klassischen HiFi-Maßstäben ist der weder klein noch billig. Doch im Portfolio des US-Herstellers gibt er den Benjamin und eignet sich wunderbar für kleine, feine Anlagen mit dem gewissen High End Extra.

Allein der Ausblick aus dem sechsten Stock war unbezahlbar, aber die Kette aus Wilson Audio Sabrina V und Dan D´Agostino Pendulum Z verzauberte das Publikum mit highendig-feinen Klängen und einem knackigen Bass zusätzlich. Das Schmuckstück auf dem Rack wurde leider nicht gespielt, der Plattenspieler SME Model 12.
Die Legende lebt: Vertere x Miles Davis – ein Bild für Götter

Das Analog-Laufwerk Vertere Reference Groove RG-1 aus dem Vertrieb von Beat Audio war eine der nicht nur klanglich, sondern auch optisch eindrucksvollsten Erscheinungen auf den NDHT 2026.
Last Nord least: Phonar mit neuen inneren Werten

Die Phonar Veritas p4.2 SE wurde überarbeitet und stellte sich in Hamburg der Öffentlichkeit. Ein maßgefertigter Scan Speak Hochtöner mit vielfältigen Einstellmlöglichkeiten soll die Standbox auf ein neues Level heben. Am Accuphase-Amp E-3000 machte das Nordlicht eine sehr gute Figur.
People in Hamburg 2025
Eine HiFi-Messe lebt natürlich auch von den Ausstellern und echten Typen unter den Besuchern -besonders die Norddeutschen Hifi Tage in Hamburg sind für eine hohe Dichte an Firmeninhabern, Entwicklern und prominenten Vorführern bekannt. Aus Hamburg deshalb auch eine kleine People-Show zum Schluss.
Wir beginnen mit einigen Branchen-Urgesteinen, die neue Aufgaben gefunden haben oder die wir beim Präsentieren an ungewöhnlicher Stelle angetroffen haben.
Auch ohne Bowers voller Powers: Stefan Splawski hat jede Menge PS

Stefan Splawski, langjähriger Boss bei B&W in Deutschland, hat sichtlich Spass bei Hifi2Die4. Der Geschäftsführer des Vertriebs zeigte neue, klanglich ausgesprochen gelungene Standboxen namens Aspen FR10 und sehr stylische Elektronik der Signature Serie von PS Audio.
Andi-Held: Andreas Eichelsdörfer bei Audium

Frank Urban, Chef von Audium aus Berlin, hatte einen ungewohnten Stargast als DJ und launigen Präsentator angeheuert: Andreas Eichelsdörfer, HiFi-Youtuber und Ex-Chefredakteur von AUDIO. Der fühlte wohl sich beim Präsentieren der Komponenten von Atoll, Fezz und Pylon. Im Bild links die Pylon Jade Thirty, die hier als echte Männerbox zu entsprechenden Posen einlädt.
Andreas Günther: Quad erat demonstrandum

Er schreibt für das Who ist Who der HiFi-Branche von LowBeats bis Fairaudio und als Apple-Experte auch für STEREO GUIDE: Andreas Günther unterhielt das Publikum beim Vertrieb IAD mit Anekdoten rund um das Thema Musik und HiFi und dem neuen Elektrostaten ESL 2912X vom britischen Kult-Hersteller Quad.
Malte Schule: Meister Ruhnke bei Wilson Audio

Noch ein Ex-Chefredakteur in fremden Gefilden: Den langen Tag über war Malte Ruhnke mit diversen Fachvorträgen beim Aktivlautsprecherhersteller B&M anzutreffen, die letzte Vorführung des Tages ließ er es sich aber nicht nehmen, den neuen Dan D´Agostino Pendulum Z und die Wilson Audio Sabrina V vorzuführen. Dass es hier nicht noch voller war, war dem ausgeklügelten Eintrittskarten-System bei Audio Reference geschuldet, das auch für eine konzentrierte, ungestörte Show mit vielen musikalischen Perlen bürgte.
Der Mann mit der Platte: Lothar Brandt x SME

Kollege Lothar Brandt ist nicht nur durch die Print-Beilage AUDIO Swiss bekannt. Der Platten-Experte kam an die Alster als frischgebackener Chefredakteur des Magazins der Analogue Audio Association, um mit seinen Vinyl-Raritäten das Publikum bei Audio Reference zu unterhalten und die immensen Fähigkeiten, der neu im Vertrieb aufgenommenen SME-Plattenspieler zu demonstrieren.
Schockwork orange: Ingo Hansen loud & proud mit Avantgarde Acoustics

Jeder, der wie ich Ingo Hansen, den eigenwilligen, energiegeladen Phonosophen schon Jahrzehnte kennt, weiß natürlich, dass in Kreisen des Phonosophie-Vertriebs Lautstärke bisweilen in der Maßeinheit „Hansen“ statt wie üblich in Dezibel gemessen wird. Aber wenn der Hamburger anstatt zielicher 2-Wege-Kompaktboxen überraschend mit wirkungsgradstarken Hörnern von Avantgarde auftritt, dann sprengt er die von 1 bis 10 reichende Skala mit 12 Hansen. (Darüber kommt nur noch ein startender Jet, der aber vermutlich nocht nicht einmal für Verteidungsminister Boris Pistorius annähernd so musikalisch klingt wie diese High-Performance-Kombination).
Radar Love: dCS legt noch eine Schippe Technok drauf

Der britische Digital-Spezialist dCS Audio, der seine ersten Lorbeeren mit Radar-Hochfrequenz-Technik für Jets verdiente, schaffte das Kunststück, vom Aufwand her seine bisherigen Ring-DACs zu toppen. Alistair McDonald durfte die neuen Varèse-Komponenten geben die bisherige Top-Linie Vivaldi Apex demonstrieren – ein Vergleich der absoluten Superlative.
I am Legend: Peter McGrath, Wilson Audio gab sich die Ehre

Peter McGrath, Sales Director von Wilson Audio, mit der Alexx V, dem Flaggschiff des US-Lautsprecher-Spezialisten im Hörraum des deutschen Vertriebs Audio Reference im Rahmen einer Auftaktverstandlung am Freitag vor der Messe.
Heute ein Kayser: Stimmungsvolle Demo

Andreas Kayser vom neuen Vertere-Vertrieb Beat Audio (hier in einer Vorführung) teilte sich den atmosphärisch ansprechenden Raum mit Jan Jürgens von HiFi-ve, die mit ihren YG-Acoustics-Boxen und Elektronik-Komponenten von Boulder gepflegte Stimmung verbreiteten.
Kürten Call: Bei Thorens tut sich was

Gunter Kürten freut sich über den neuesten Direkttriebler der eigentlich für Riemenantriebe bekannten Marke Thorens. Der TD 124 DD Exclusive bietet eine Menge cooler Features wie 78 U/min durch gleichzeitiges Drücken der 33er- und 45er-Tasten sowie ein Fenster für das auf der Plattenteller-Unterseite untergebrachte Stroboskop. Das Teller-Design soll zudem an eine Tonbandspule erinnern.
Räke reloaded

Dirk Räke, Sohn des Firmengründers, ließ im Foyer die unverwechselbaren Formen der Transrotor-Laufwerke samt Tonarmen für sich sprechen.
Graue Eminenzen auf der Couch

Entwickler-Multitalent Karl-Heinz Fink (links) und Martin Klaassen (IDC-Klaassen-Vertrieb) kommentierten wie schon im letzten Jahr das Messegeschehen von der Seitenlinie. Auf ihrem Logenplatz im Foyer des Le Méridien ließen sie die Messegäste an sich vorbeidefilieren. Gerade auch für unsere Presse-Kollegen erwiesen sich die beiden Urgesteine als regelrechter Publikumsmagnet, mit dem sich ebenso kurzweilige wie entspannte Gespräche führen ließen.
Alsternativ-Filmfestival: Fotos für den Messebericht

Der optischen Faszination von Dan D´Agostino, SME und Wilson Audio konnte sich auch STEREO GUIDE Chefredakteur Stefan Schickedanz nicht entziehen – her beim Versuch, die Kette vor dem Außenalster-Panorama adäquat abzulichten.
Rock & Rolf: Marion und Rolf Gemein von Symphonic Line

Rolf Gemein, Urgestein der deutschen HiFi-Szene, hatte einige Neuheiten mitgebracht. Neben einer weiteren Auszeichnung für sein Werk war er auch besonders stolz auf Tochter Marion, und seinen größten Lautsprecher mit Mundorf-AMT.
Audi-torium

Frank Werner von WB Manufacture (links) bekam in seinen Vorführungen Unterstützung vom Audi-Ingenier Sebastian Glasl, der in seiner Freizeit einen Röhren-DAC mit Vintage-Chips vom Typ Philips TDA-1541 entwickelte.
Das Beste zum Schluss: Game of Thrones






Markus Schönrock (ganz oben) mit seinem Sonic Throne, von dem sich auch der Autor des Beitrags ein Bild machte. Das klanglich überraschend gut abbildende Sitz-Konzept setzt auf immersives Nahfeldhören mit integrierten Subwoofern und Excitern. Für rund 15.000 Euro erhält man bei dem innovativen kleinen Hersteller aus Tauberbischofsheim den Sessel in einer großen Auswahl von Stoffen oder Lederfarben.




