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Home » Car-HiFi » Car-HiFi-Tests » Porsche Taycan Turbo S mit Burmester im Test: High-End-Audio im E-Sportwagen
Car-HiFi-Tests

Porsche Taycan Turbo S mit Burmester im Test: High-End-Audio im E-Sportwagen

Und führe mich nicht in Versuchung
Stefan SchickedanzStefan Schickedanz10. Juli 2026
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Porsche Taycan Turbo S Burmester Test

Gewöhnlich verbindet man mit Elektroautos höhere Ziele wie die Rettung der Welt durch CO2-Neutralität. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich beim Test des Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester-3D-High-End-Sound-System weniger an Eisbären am Nordpol oder meinen Testerjob als an pures Vergnügen dachte. Die Leistungswerte des Autos nebst Anlage sind dazu geeignet, sowohl Autonarren als auch Audiophile mit Adrenalin zu fluten.

Mit 775 PS wäre er bei den stärksten Autos aus meinen Tests „nur” auf dem vierten Platz, hinter dem für Schreiberlinge wie mich und die meisten anderen von uns unerschwinglichen Bugatti Veyron mit 1001 PS sowie zwei von MTM in Ingolstadt getunten Audis mit jeweils 800 Pferdestärken. Es gibt jedoch noch den in Verbindung mit der Launch Control aktivierten Boost-Modus, der die Spitzenleistung kurzfristig auf 952 PS anhebt. In Kombination mit dem maximalen Drehmoment von 1010 Nm verspricht das – die Tugenden eines Elektroantriebs, der ohne Schaltvorgänge, dafür aber mit konstantem Drehmoment agiert, im Sinn – die Mutter aller Beschleunigungen.

Und das Burmester-Car-Audio-System geizt ebenfalls nicht mit eindrucksvollen Werten: Knapp 1.500 Watt Gesamtleistung, aufwendige Chassis-Technik mit federleichten Bändchen-Hochtönern, 400-Watt-Subwoofer im Kofferraum und einer eindrucksvollen Membranfläche von 2,5 Quadratmetern in einer viersitzigen Kabine.

Doch es sind nicht alleine jene Superlative isoliert betrachtet. Beim batterie-elektrischen Taycan Turbo S Cross Turismo arbeiten die beiden, auf die Spitze getriebenen Spaßfaktoren nicht gegeneinander. Auto und Anlage ergänzen sich. Und jene Synergie – soviel sei dem Testfazit vorweggenommen – macht ihn wirklich zu einem Naturereignis.

Gemischte Gefühle

Dennoch weckte die Aussicht auf eine ausgiebige Testfahrt mit dem Elektro-Sportwagen im Vorfeld nicht nur Begehrlichkeiten, sondern auch Zweifel. Schließlich war es ein Modell jener Baureihe, das vor fünf Jahren auf einer Geschäftsreise im Rahmen des für LowBeats absolvierten Tests zu einem regelrechten Trauma führte. Der „Elektro-Schock“ entzündete sich weniger am Taycan 4 S mit seiner überschaubaren Reichweite. Es war vor allem die, noch in den Kinderschuhen steckende Ladeinfrasturktur, die für reichlich Frust sorgte: Zu wenige und meist auch viel zu langsame Lader, dysfunktionale Karten und Säulen.

Schließlich entschied ich mich dafür, meine neuerliche Testfahrt mit einer ohnehin anstehenden Dienstreise zu einer Präsentation des Fraunhofer Instituts zu verbinden und mit dem Taycan Turbo S Cross Turismo nach Erfurt zu reisen. Damit wollte ich nicht nur die Effizienz meines Test-Betriebs steigern. Die Reise bot auch Gelegenheit, das Fahrzeug samt seiner High-End-Anlage von Burmester unter realen Bedingungen zu erleben. Immerhin hatte ich ohnehin beschlossen, bereits am Vortag des Events anzureisen und stand von daher nicht unter akutem Zeitdruck. Somit konnte ich den „Turbo“-Taycan auf insgesamt rund 800 Kilometern fahrdynamisch und klanglich auf der Straße erleben und mich während der Ladepausen ausgiebig mit den Einstellungen des Burmester 3D High-End Surround-Sound-Systems beschäftigen.

Diese Einschätzung führte zur größten positiven Überraschung im Test. Die Ladepausen blieben nicht nur überschaubar in der Zahl. Vor allem gingen sie dank der inzwischen möglichen bis zu 320-kW-Ladeleistung für den 105-kWh-Akku unerwartet schnell über die Bühne. Beim ersten Ladestopp hätte ich auf einen PR-Gag geschworen, wenn ich die Reise nicht ohne jegliche Einflüsse von Porsche selbst geplant hätte.

Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System am Porsche Charging Point
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System am Porsche Charging Point
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Die Porsche Charging Lounge in Würzburg macht jetzt sogar Ladepausen zum Erlebnis. (Fotos: Stefan Schickedanz)

Die Sache mit der VIP Lounge

Zunächst dachte ich, ich würde mein Ziel in Erfurt womöglich sogar ohne Zwischenstopp erreichen. Dann ging mir allerdings auf, dass ich mit Apple CarPlay navigierte und weder Apple Maps noch Google berücksichtigen, dass ich in einem Elektroauto sitze. Nach dieser gerade noch rechtzeitigen, den vielen Berichten und Termine der letzten Woche geschuldeten, späten Erkenntnis wechselte ich auf der Fahrt auf das integrierte Navigationssystem des Porsche Taycan. Das zeigte auch prompt einen Ladestopp auf halber Strecke an. Hinter Würzburg führte mich das Navi in die Porschestraße. Was für ein Zufall, dachte ich noch, um dann nicht mehr aus dem Staunen über die schicke Porsche Charging Lounge herrauszukommen.

Neues Porsche PCM mit Dolby Atmos
Vor sechs Jahren konnte es einem wie hier noch passieren, dass man fernab der Autobahn an einer Ladesäule auf einem einsamen Parkplatz im Regen stand. Seitdem hat sich eine Menge getan. (Foto: Stefan Schickedanz)

Schnelles Laden lässt einen nicht mal in Ruhe seinen Kaffee genießen

Während der Taycan seinen Akku mit voller Ladeleistung für den Rest der Strecke auflud, zog ich mir in der Lounge am Automaten ein Wasser für die Weiterfahrt. Ich hätte mir auch an einem anderen Automaten einen Kaffee kochen lassen können. Theoretisch wäre der Wagen sogar vor mir fertig gewesen. Doch dank der Entspannung ließ ich ihn noch etwas mehr Strom in den Speicher pumpen, damit ich auf dem zweiten Teil der Strecke nicht dauernd für eilige weiße Sprinter auf die rechte Spur wechseln müsste.

Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzt du in einer der potentesten Sportlimousinen auf der ganzen Welt zum Listenpreis von 263.882,97 Euro und hast Schwierigkeiten, mit einem eiligen, gestressten Boten mitzuhalten. Da soll mal einer sagen, wir hätten keine soziale Gerechtigkeit im Land. So gingen mir bereits am ersten Tag der Testfahrt verschiedene Einordnungen für mein Fazit durch den Kopf. Widersprüchliche Einordnungen wohl gemerkt.

Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Manchmal schreibt das Leben die besseren Geschichten: Im Parkhaus am Erfurter Dom wartet ausgerechnet Stellplatz 131 auf den Taycan mit der Autonummer 131. (Foto: Stefan Schickedanz)

Leiser Thriller

Natürlich bedeutet eine hohe Motorleistung keinesfalls, dass man sie ständig ausnutzen muss. Das hat mir mein eigener, von einem Verbrennungsmotor angetriebener Dienstwagen bereits unmissverständlich klar gemacht: mein erstes eigenes Auto, das in unter 10 Sekunden von null auf 100 geht. Und ich meine nicht Kilometer, sondern Meilen. Auf YouTube kann man mit dem Modell ständig Influencer-Videos mit Beschleunigungs-Experimenten und wilden Drifts auf abgesperrten Flugplatzkursen sehen. Und was mache ich? Schalte den über die Lautsprecher eingespielten Motoren-Sound selbst für den Sportmodus ab, freue mich darüber, dass es sich im Eco-Pro-Modus so leise wie ein Elektroauto – beim Segeln ohne Motor noch leiser – bewegen lässt.

In der Folge höre ich die Musik viel leiser, weil ich damit nicht einen hohen Geräuschteppich übertönen muss. Und ich höre dadurch auch komplexe akustische Klänge mit Klavier oder Saxophon. Das wiederum macht den Fahrstil sehr viel entspannter. Statt ständig am Limit zu fahren, genieße ich inzwischen entspanntes Cruisen mit rund 200 km/h. Für mein früheres Ich wäre das wohl schon Rentnertempo.

Diesen Effekt konnte ich auch beim Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo feststellen. Durch den ängstlichen Blick auf die Reichweitenanzeige und die Distanz zum Ziel gab ich mich ungeachtet der Höllenpower sogar mit Reisegeschwindigkeiten zwischen 160 und 170 km auf den freien Stücken der Autobahn zufrieden. Man kann also auch cruisen mit einer Elektro-Rakete, die laut Datenblatt in 2,5 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt und für die 100 Meilen pro Stunde nur etwas mehr als halb so lang wie mein eigenes Sport Coupé braucht.

Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Die Höhenlautsprecher für die Height-Kanäle sitzen weit oben in den A-Säulen des Taycan. Die besonders im Autobereich äußerst exklusiven AMT-Bändchen-Hochtöner sind elegant ins Armaturenbrett integriert. (Fotos: Stefan Schickedanz)

Dolby Atmos kommt per Software, nicht per Schraubenzieher

Das Burmester 3D High-End Surround Sound-System im Porsche Taycan ist seit der Markteinführung 2019 als Hardware-Plattform bereits extrem aufwendig: 21 Lautsprecher, echte Height-Kanäle für 3D-Klang und 1.455 Watt Gesamtleistung. Dazu kommt ein technischer Unterbau, der sich klar an High-End-Anspruch orientiert: AMT-Hochtöner (Air Motion Transformer) als besonders schnelle Bändchenlösung, verwindungssteife Druckgusskörbe für mechanische Ruhe und eine DSP-Steuerung, die von Anfang an auf 3D-Wiedergabe ausgelegt war, inklusive Auro 3D und zusätzlicher Höhen-Lautsprecher in der Mitte der A-Säulen.

Mit dem im letzten Jahr nachgereichten PCM-Update (wir berichteten) passierte zwischenzeitlich etwas, das für Audio-Fans spannender ist als die üblichen „neue Features“-Meldungen. Es kam keine neue Hardware. Stattdessen integrierte die vom HiFi-Enthusiasten Mathias Renz angeführte Sound-Abteilung im Entwicklungszentrum Weissach Dolby Atmos als Software-Erweiterung, die sich für ältere Fahrzeuge und auch für die von Preis und Anspruch unterhalb von Burmester positionierten Bose-Systeme updaten ließ. Das ist der entscheidende Punkt: Atmos nutzt die bereits vorhandenen Height-Kanäle und setzt auf objektbasierte Platzierung von Klangereignissen. Und anders als das kanalbasierte Upmixing üblicher Zweikanal-Aufnahmen mit dem bisherigen AuroMatic steht für Dolby Atmos inzwischen via Tidal, Amazon Music Unlimited oder Apple Music ein breites Angebot an echten immersiven Musik-Titeln bereit.

Anders gesagt. Die Bühne wird nicht einfach breiter oder „halliger“. Klang kann innerhalb der vorhandenen Lautsprecherarchitektur gezielter im Fahrzeug positioniert werden. Das deutlich nachvollziehbare Ergebnis ist eine realistischere 3D-Klanglandschaft bei unveränderter Hardware.

Atmos als „neue Denke“ auf bestehender Plattform

Dass keine Hardware nachgeschoben wird, ist nicht automatisch ein Nachteil. Im Gegenteil: Wenn ein System wie dieses bereits Height-Kanäle und eine ausgefeilte DSP-Basis hat, kann eine neue Rendering-Logik (Atmos) das Setup spürbar aufwerten, ohne dass irgendetwas umgebaut werden muss. Der Mehrwert entsteht durch das Mapping der Audioobjekte auf die vorhandenen Kanäle.

Wichtig ist auch: Die Klangqualität hängt nicht nur am Format, sondern weiterhin an der Hardware, und die bleibt die Stärke des Taycan-Systems. AMT-Hochtöner und die mechanisch stabile Auslegung der Konus-Lautsprecher für den Mittel- und Tieftonbereich (Druckgusskörbe) tragen weiterhin die eigentliche Auflösung und Impulstreue. Zudem haben Burmester und Porsche seit der Vorstellung die Elektronik im Detail noch nachgeschärft. Dazu zählt allem voran eine neue Abstimmung der Limiter, mit denen der Audio-DSP des Systems die einzelnen Lautsprecher vor übersteuerungsbedingten Verzerrungen schützen soll.

Die Integration des Burmester-Audio-Systems wirkt mit zahlreichen Aluminium-Grills mit eingraviertem Markenklogo sehr edel. (Fotos: Stefan Schickedanz)

Automatik und „Rettungsanker“ für schlechte Quellen

Zwei Funktionen bleiben als Praxis-Argumente zentral, weil sie genau das adressieren, was im Auto ständig passiert: wechselnde Pegel, wechselnde Quellenqualität, wechselnde Geräuschkulisse.

Der Sound Conditioner passt das Klangbild mit Mikrofonmessung in Echtzeit automatisch an das Fahrgeräusch an. Dazu hebt dieser dynamische Equalizer nach der Aktivierung auf dem Touchscreen automatisch jene Frequenzbereiche an, die etwa durch das tieffrequente Abrollen der Reifen während der Fahrt maskiert werden. Der zuschaltbare Sound Enhancer verbessert die Wiedergabe komprimierter Musikdaten. Das ist keine HiFi-Romantik, sondern Alltag: Nicht jeder Stream ist optimal, nicht jede Aufnahme ist sauber, und im Auto will man nicht ständig nachjustieren.

Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Über das Porsche App Center kann man Apps der Streaming-Dienste für Dolby-Atmos-Wiedergabe im Fahrzeug installieren. Es gibt auch eine Demo-App namens „Dolby Atmos Experience“ mit einigen immersiven Hörbeispielen.

Bedienlogik: Presets statt Nutzerprofile

Bei der Klanganpassung setzt Porsche (beziehungsweise Burmester) nicht auf tiefere Nutzer-Eingriffe, sondern eine simple Bass- und Höhen-Regelung sowie feste Klangprofile: „Pure“, „Smooth“, „Live“ und „Auro-3D“. Das ist eine klare Philosophie: weniger Basteln, mehr definierte Abstimmungen. Schließlich sitzen nicht nur durch Magazine wie AUDIO, stereoplay oder LowBeats gestählte Audio-Nerds am Steuer eines Porsche und könnten mit zu viel Einstellungsoptionen leicht überfordert sein.

Taycan und Burmester in voller Fahrt

Was die Leistung des Wagens betrifft, konnte ich mir bereits auf der Heimfahrt nach der Abholung in Zuffenhausen gleich ein gutes Bild von Drehmoment samt Schlupfreglung machen. Beim Herrausbeschleunigen aus einem meiner Lieblingskreisverkehre versetzte der Taycan Turbo S abrupt gleichmäßig über beide Achsen eine Handbreit nach außen. Auch zu Beginn meiner eigentlichen Testfahrt setzte der Taycan ein Ausrufezeichen, als ich nach einem kurzen Halt zum Checken der Sound-Einstellungen aus einer Haltebucht in den fließenden Verkehr einscheren wollte. Danach war ich dann ob des Adremalinausstoßes hellwach. Jene ansatzlose, unterbrechungsfreie Beschleunigung aus dem Stand lässt Verbrenner auch aus der Sicht eines Petrolheads schnell alt und schwach aussehen.

Danach wurde es eher ruhig. Nicht nur, weil Elektroautos ungeachtet ihrer spektakulären Leistungsdaten sehr beruhigend wirken. Ich legte auch keinen Wert darauf, zu viel Zeit an Ladesäulen zu verlieren. Für Nervenkitzel sorgte bei gleichmäßigem, geräuscharmen Gleiten ausschließlich das Burmester-Sound-System – das aber mit Vehemenz. Selbst ohne Dolby-Atmos-Aufnahmen oder Upmixing via AuroMatic gab es einen Raumklang mit audiophilen Qualitäten.

Damit man wirklich Atmos im Auto erleben kann, muss man sich in dem, zwar auf Bildschirmen und virtuellen Tasten basierenden im integrierten Porsche App Center vorarbeiten. Dort findet man nicht nur eine Demo-App „Dolby Atmos Experience“ mit verschiedenen Atmos-Tracks. Man kann via App Center auch zum Beispiel die Apps von Amazon Music oder Tidal installieren. Schließlich lässt sich Dolby Atmos nicht einfach wie bei Stereo üblich über Bluetooth zum Burmester-Sound-System streamen. Weil ich mich erst beim Ladestopp mit diesem Thema Downloads in Ruhe beschäftigen konnte, hatte ich zuvor eine Menge Zeit, unsere STEREO GUIDE Playlists von Qobuz (dort gibt es bisher keine Atmos-Aufnahmen) in Stereo und als Auro-Upmix auszukosten.

Burmester ganz ohne Kabeltuning

Kraft der immensen Leistung in Verbindung mit den gemeinsam mit Porsche in der frühen Entwicklunsgphase des Fahrzeugs ausgetüftelten optimalen Einbaupositionen für die Lautsprecher ist dieses Car-Audio-System immer wieder ein Naturereignis. Und mit einem Aufpreis von rund 4.590 Euro ist es ganz nebenbei eine vergleichsweise günstige Möglichkeit, ein ebenso kraftvolles wie hochauflösendes High-End-Audio-System der Berliner Prestigemarke zu erleben.

Auf Messen habe ich schon reine 2-Kanal-Anlagen von Burmester fürs Wohnzimmer gehört, die mehr kosten als der komplette Taycan Turbo S. Doch, was Intensität und Direktheit betrifft, steht ihnen die schlüsselfertige Lösung aus dem Ländle wenig nach. Apropos Ländle: Während man in Stuttgart schon eine halbe Ewigkeit damit beschäftigt ist, den Bahnhof tieferzulegen und den Termin der Fertigstellung inzwischen von 2021 auf 2031 verschieben musste, gelingt das Tieferlegen respektive anheben des Fahrzeugs mit der integrierten Fahrwerksregelung auf Knopfdruck. Die Kombination aus daptiver Luftfederung mit Porsche Active Suspension Management (PASM) plus 4D-Chassis Control schlägt die Brücke zwischen Sportlichkeit und Komfort.

Die Straßen Stuttgarts sind für ein Sportauto aus Zuffenhausen bisweilen die härtere Prüfung als die Nordschleife. Umso beeindruckender, wie gelassen das Luftfahrwerk selbst die Buckel der Reinsburgstraße glattbügelt. Wer hier komfortabel unterwegs ist, dürfte auch im australischen Outback keine Probleme haben. Frei nach Frank Sinatra: „If you can make it there, you can make it anywhere.“

Sound-Test mit Burmester auf der Autobahn

Sinatra war allerdings nicht auf meiner Playlist. Ich startete meine Tour mit dem Album „Remixes 81 > 04“ von Depeche Mode und einigen anderen Standards von meiner Langstrecken-Playlist, um mich nach der langen Pause wieder mit dem Klang des Burmester 3D-High-End-Sound-Systems vertraut zu machen. Durch die Überarbeitung von Software und kleinere Upgrades in Hardware-Details wurde der audiophile Klangcharakter nachgeschärft.

Der Taycan begeistert nach wie vor durch ein ebenso hochauflösendes wie impulstreues Audio-System. Es ist so direkt und ehrlich wie die Lenkung eines Carrera GT3 mit Cup-Reifen. Für analytisch geprägte Hörer bedeutet das, dass es subtile Details der Aufnahme wie mit einer sündteueren High-End-Anlage im Hörraum hervorbringt. Und dass es schlechten Aufnahmen oder stark komprimierten Audiodaten nicht schmeichelt.

Trotz dieser für eher verkopfte Audiophile essentiellen Fähigkeiten, entwickelt das aufwendige Audio-System einen gehörigen Drive. Der Boogie-Faktor sorgt dafür, dass man einfach den Kopf ausschalten und in die Musik eintauchen kann. Die Elektro-Beats von Depeche Mode kommen in dem Elektro-Sportwagen knochentrocken und druckvoll – analog zur ebenso gnaden- wie ansatzlosen Beschleunigung des Taycan Turbo S. Was besonders auffiel, war die extrem plastische, präzise positionierte räumliche Darstellung der elektronischen Klänge. Sound-Effekte verteilten sich breitgefächert über dem Armaturenbrett. Es bot sich eine Klangbühne, die vieles übertraf, was häufig als 3D-Sound tituliert wird. Dabei war das erst mal nur das Warm-up mit Stereo-Aufnahmen.

Upmix war gestern

Das Gebotene war insgesamt so überzeugend, dass kein Verlangen nach dem AuroMatic-3D-Upmix aufkam. Es wirkte kaum räumlicher als Stereo oder Surround, dafür aber nicht ganz so knackig und offen. Das war früher nicht so und ist als Indiz zuwerten, dass die sachte Weiterentwicklung des Burmester-Sound-Systems die Wiedergabe schon ohne künstliche Effekte auf ein neues Level gehoben hat. Je nach Aufnahme schaltete ich allerdings schon mal von Pure aufLive oder Surround (ideal für Rock-Konzertaufnahmen) um, denn die Wiedergabe ist jetzt auf Pure nicht nur gnadenlos direkt und strahlend in den Höhen, sondern auch extrem trocken im Bass, was bei höhrem Tempo schon mal etwas schlank wirken kann, wo man eigentlich fette Drums erwartet. Auf jeden Fall findet mit den Klang-Presets jeder sein passendes Setup für unterschiedliche Geschmäcker und Musikrichtungen.

Mit Dolby Atmos sprengte das Burmester 3D-High-End-Surround-System dann endgültig akustisch die Dimensionen des viersitzigen Innenraums. Schallereignisse ließen sich außerhalb des Fahrzeugs orten. Und das Gefühl für eine hohe Klangbühne über dem Armaturenbrett stellte sich ebenfalls ein. Damit machen Porsche und Burmester gegenüber Auro-3D, das bei meinem ersten Taycan-Test von 2020 in einer eigenen Liga spielte, noch einmal einen deutlichen Sprung in Richtung immersives Musikhören im Auto. Doch nicht nur die stabile, plastische und komplett einhüllende Räumlichkeit von Dolby Atmos überzeugt. Auch in Sachen Attacke und Präzision spielt mit Atmos alles auf den Punkt. Porsche positioniert sich damit – für Kenner keineswegs unerwartet – in der Spitzengruppe der ab Werk angebotenen Car-HiFi-Systeme.

Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System im Test auf der Autbahn
Nach einer letzten Ladepause in der Porsche Charging Lounge in Würzburg konnte man den Taycan Turbo 3 frei von jeglicher Reichweitenangst auf freier Bahn von der Leinse lassen. (Fotos: Stefan Schickedanz)

Das Wunder von Würzburg

Weil ich auf der Heimfahrt nach Stuttgart den Ladestopp an der Porsche Charging Lounge Würzburg für Herumexperimentieren mit den Klangeinstellungen und Streaming-Apps nutzte und nebenbei noch Infomationen über die Neuerungen mit den Sound-Entwicklern aus Weissach austauschte, konnte sich der 105-kWh-Akku an der 400-kW-Ladestation bis zum Rand vollsaugen. Ein besonderes Geschenk für einen speed-affinen Petrol-Head auf elektrischen Abwegen.

Der Taycan Turbo S Cross Turismo regelt erst bei 250 Stundenkilometern ab, die Autobahn ist praktisch leer. Und ich hab noch ein paar Songs, die ich gerne wie „Fast Car“ in der Atmos-Variante von Luke Combs über das Burmester 3D-High-End-System bei Lichtgeschwindigkeit erleben möchte. Egal, was meine Laune und die Verkehrsverhältnisse hergeben: Es würde mir nicht gelingen, auf dem knapp 150 Kilometer langen Teilstück von Würzburg zur Fahrzeugrückgabe bei Porsche in Zuffenhausen den Akku leerzufahren. Sprich, ich konnte zum Ende der Tour noch einmal das wahre Potenzial des Porsche ausnutzen. Endlich durfte der Taycan zeigen, was wirklich in ihm steckt. Und das liegt, mit Verlaub, ein gutes Stück oberhalb der Reisegeschwindigkeit voll beladener Pakettransporter.

Begegnung der dritten Art

In der Folge brannte der Elektro-Porsche nicht nur eindrucksvolle Sprints in den Asphalt. Er brannte sich auch zwischen Bugatti 16.4 Veyron Grand Sport und diversen Sportlimousinen mit V8-, V10- oder Reihensechszylinder-Motoren in mein Gedächtnis ein. So müsste man den elektrischen „Turbo“ eigentlich bewegen, so und nicht anders!

Und jetzt die Preisfrage: Woran merkt man, dass man alt wird? Wenn man von alleine nicht auf die Idee kommt, in einem 2,5-Sekunden-von-null-auf-100-Geschoss die Launch Control auszuprobieren. Das hab ich offen gestanden bisher weder in meinen eigenen, entsprechend ausgerüsteten Erd-Geschossen noch in hochmotorisierten Testwagen gemacht. Ich liebe es, wenn man bei hohem Autobahnspeed aufs Gaspedal drückt und noch in dem Sitz gepresst wird. Aber Sprints aus dem Stand haben schon lange ihren Reiz verloren.

Fast wie früher, nur vollelektrisch

Und ja, man war schließlich auch mal jung: Mit dem Z3 M Roadster hatte ich vor fast 30 Jahren versucht, die 5,1 Sekunden von 0 auf 100 aus dem Test in Auto, Motor und Sport zu unterbieten. Die 5,1 (Werksangabe 5,2 Sekunden) waren wirklich das Maximum, weil der abgesehen von ABS völlig ohne elektronische Helfer konzipierte, handgeschaltete Zweisitzer selbst beim Wechsel vom ersten in den zweiten Gang auf trockener Straße noch reichlich Wheelspin produzierte und wild mit dem Heck tanzte. Aber ein elektronisch koordinierter Katapultstart? Hmm, mir fällt gerade kein druckreifer Vergleich ein …

Doch während der gesamten Testfahrt gab es mir zu denken, dass mir Mathias Renz, der meinen Spaß an Speed kennt, dringend empfohlen hatte, den Launch-Control-Start einmal auszuprobieren. Auf den letzten Kilometern vor der Rückgabe am Porschewerk in Zuffenhausen ergab sich an einem Ortsausgangsschild die Möglichkeit, anzuhalten und den Raketen-Start gemäß einer festgelegten Prozedur für Gaspedal und Bremse mit dem Posche Taycan Turbo S auszukosten. Um ehrlich zu sein, war es ein interessanter Erkenntnisgewinn, aber angenehm geht anders.

Statt des bei Beschleunigungsorgien üblichen extrabreiten Grinsen stellte sich ein eher unangenehmes Gefühl ein. Der Eindruck, dass einem Hirn und alles, was man sonst noch so im Kopf hat, an die Rückseite der Schädeldecke genagelt wird. Der ansatzlose, nicht von Schaltvorgängen unterbrochene Antritt des vollelektrischen Porsche hatte die Sekundärtugenden von einem Faustschlag zwischen die Augen. Dazu kam ausgleichend der Kick hinzu, dass das 2,4-Tonnen-Geschoss nicht nur mit dem Heck tanzte, sondern dank 4-Rad-Antrieb einer Schlange gleiche Bewegungen auf beiden Achsen machte. Das unterhaltsame Sliden steuerte trotz des elektronisch geregelten Spektakels einen Schuss Dramatik bei und sorgte dafür, dass ich mich nach wenigen Sekunden irgendwo zwischen leichtem Unbehagen und Euphorie wiederfand. Soll mal einer sagen, elektrisches Fahren sei langweilig und steril. So, damit hätten wir das auch mal abgehandelt und können zum Fazit kommen.

Fazit: Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo mit Burmester 3D-High-End-Sound-System

Das Fazit fällt mir nur bei der Anlage leicht, zumal ehrlich gesagt das Ergebnis schon vorher in den Grundzügen feststand. Schließlich hatte ich den Klang des Burmester 3D-High-End-Sound-Systems im Wesentlichen noch von meinem Test für LowBeats im Ohr und war auch vorab sicher, dass die Marke aus meiner Wahlheimat Stuttgart in der Car-HiFI-Bestenliste von STEREO GUIDE zwischen drei Volvos und einem artverwandten Polestar ein Ausrufezeichen setzen würde. Etwas Lokalstolz muss sein, vor allem auch etwas Vielfalt in unserer Testübersicht.

Das Burmester 3D-High-End-Sound-System zählt neben seinem vom Konzept eng verwandten Pendant im Porsche Panamera zu den besten ab Werk erhältlichen Car-Audio-Lösungen. Mit Dolby Atmos macht es noch einmal einen großen Sprung in der Raumdarstellung, die nun weit über die Grenzen der Fahrzeugkabine hinaus wirkt.

Beim Fahrzeug selbst wird es komplizierter. Zwar ist das Trauma meines, von der unterentwickelten Infrastruktur maßgeblich beeinflussten Taycan-Tests aus dem Jahr 2020 spätestens seit der Audi-Alpentour im A6 e-tron überwunden, aber als Alltagsauto würde ich den elektrischen Power-Porsche trotz zahlreicher positiver Aspekte nicht unbedingt haben wollen. Und ich fürchte, mit meinem ganz persönlichen Fazit dürfte ich wiederum ziemlich alleine dastehen: Neben meinem 80er-Jahre Oldtimer und dem modernen Verbrenner-Coupé könnte ich mir abgesehen vom Preis einen Taycan als reines Spaß-Auto („Warp one, engage!“) vorstellen. Und zwar ohne infantile Extras wie das neuerdings verfügbare „Retro-Pack“, das ein Achtgang-Schaltgetriebe simulieren soll.

One more thing: Autor Stefan Schickedanz mit FAQs zum Porsche Taycan Turbo S

Warum sollte man den vollelektrischen Taycan Turbo S auch als Petrol Head auf dem Radar haben?

Was ich schon vor Jahren im Test des Taycan 4 S feststellte, gilt für den Turbo S in verschärfter Form. Man hat das Gefühl, den Sprung in eine andere Dimension des Fahrens zu machen. Man wähnt sich eher in einem Scienence-Fiction-Film oder einem Raumschiff, als in einem Sportwagen. Das hat was und es verträgt sich auch bestens mit dem Burmester High-End-Sound-System, das nicht durch Verbrennungsgeräusche kompromitiert wird.

Wofür müsste Porsche eigentlich Sonderpunkte bekommen?

Es sind vor allem die Dinge, die der Taycan nicht hat. Als da wären: Beleuchteter Kühlergrill, Frontscheinwerfer und Rücklichter als Markenlogo modelliert oder Bildschirmmenüs im Play-Station-Design sowie Ambientelicht mit dem Charme einer Spielhölle in Las Vegas. Und nicht zu vergessen, dass er trotz virtueller Tasten in der Mittelkonsole ein wunderbar klassisch gestaltetes Cockpit hat.

Wofür würde ich Porsche die Sonderpunkte gleich wieder abziehen?

Gerade kam die Pressemeldung zu einer „Innovation“ für die Baureihe: „Mit der neuen Option E-Shift erweitert Porsche das emotionale Fahrerlebnis aller Taycan-Modelle. Virtuelle Gangwechsel mit spürbaren Schaltrucken, ein neu interpretierter Porsche Electric Sport Sound und ein virtueller Drehzahlmesser garantieren ein multisensorisches Fahrgefühl. Über Paddles am GT-Sportlenkrad kann zwischen acht virtuellen Gängen gewechselt werden.“ Echt jetzt? Hat man vor über 100 Jahren an den ersten Automobilen etwa ovale Räder verwendet, dass es beim Fahren hoppelt wie auf einem trabenden Pferd? Sagen wir also, in Zuffenhausen arbeitet man offensichtlich wie in Maranello an einer Art E-Zigarette als Ersatzdroge für Oktanjunkies. Schade, wenn ich ein Elektroauto wie den Taycan fahre, finde ich genau die Abwesenheit jener mit Verbrennern verbundenen Eigenschaften famos, die man jetzt im Grunde ohne Not wieder simuliert.

STEREO GUIDE Testurteil

97%
97%

Das Burmester 3D High-End-Sound-System gehört zu den besten ab Werk erhältlichen Car-HiFi-Anlagen. Mit Dolby Atmos erreicht die Raumabbildung ein neues Niveau und wirkt weit über die Grenzen der Fahrzeugkabine hinaus.

Vorteile
  1. Auto und Anlage zählen in dynamischer Hinsicht zum Besten auf dem Markt
  2. Mit Dolby Atmos legt die Räumlichkeit der Wiedergabe noch einmal deutlich zu
  3. Gemessen an einer Stereo-Anlage von Burmester eine günstige und bequeme High-End-Klanglösung
  4. AMT-Hochtöner sorgen für eine Höhenauflösung, die viele nicht aus dem Wohnzimmer kennen
Nachteile
  1. Man kann sich kaum entscheiden, ob man die Ladepause mit Musik im Auto oder der Charging Lounge verbringen möchte
  • Klangqualität
    9.5
  • Preis/Leistung Sound System
    9.8
Elektroauto Porsche Sportwagen
Stefan Schickedanz, STEREO GUIDE
Stefan Schickedanz
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Der Chefredakteur von STEREO GUIDE testet seit über drei Jahrzehnten als HiFi-Experte für Print- und Online-Magazine wie AUDIO, stereoplay, LowBeats oder FAZ Kaufkompass. Neben gepflegter Musikwiedergabe mag er schnelle Autos – gerne auch Oldtimer – mit sattem Sound. Über dieses Thema berichtet er ebenfalls regelmäßig, nicht zuletzt auf dieser Plattform.

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Über uns: Das Online-HiFi-Magazin
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Wir arbeiten bei STEREO GUIDE nach spezifischen, praxisnahen Testkriterien in einem standardisierten Verfahren. Das ist von der Hörerfahrung und Praxisorientierung der Autoren geprägt.

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