Steigt OpenAI in den Markt für Smart Speaker ein? Wie Bloomberg berichtet, entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit dem ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive, dessen Designstudio LoveFrom zuletzt gemeinsam mit Ferrari den Elektro-Sportwagen Luce gestaltete, einen tragbaren, bildschirmlosen Lautsprecher, der als persönlicher KI-Assistent dienen soll. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht. OpenAI wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.
Mehr KI-Assistent als klassischer Smart Speaker
Dem Bericht zufolge soll das Gerät deutlich mehr sein als ein Konkurrenzprodukt zu Amazon Echo oder Apple HomePod. Bemerkenswert ist vor allem, dass OpenAI offenbar bewusst auf ein Display verzichten will. Stattdessen soll die Interaktion nahezu vollständig über Sprache und ChatGPT erfolgen. Damit würde das Unternehmen einen anderen Weg einschlagen als Amazon, Google oder Apple, die ihre Smart-Home-Produkte zunehmend mit Bildschirmen ausstatten.
Der Lautsprecher soll tragbar sein, über einen integrierten Akku verfügen und neben Mikrofonen auch eine Kamera sowie weitere Sensoren besitzen. Dadurch könnte das System seine Umgebung erfassen und deutlich natürlicher mit Nutzern interagieren. Medienwiedergabe, Smart-Home-Steuerung, Messaging und KI-gestützte Gespräche gehören laut Bloomberg zu den geplanten Funktionen. Der Lautsprecher wäre damit eher Mittel zum Zweck: Im Mittelpunkt stünde ein persönlicher KI-Assistent, der Musik lediglich als eine von vielen Funktionen beherrscht.
Jony Ive prägt das Design
Besondere Aufmerksamkeit erhält das Projekt durch die Beteiligung von Jony Ive. Der langjährige Apple-Chefdesigner prägte unter anderem das Design von iMac, iPod, iPhone und Apple Watch. Erst vor wenigen Monaten übernahm OpenAI sein Hardware-Startup io, um gemeinsam eine neue Generation KI-gestützter Geräte zu entwickeln. Mit dem Ferrari Luce bewies Ive zudem erst kürzlich, dass sein Designstudio LoveFrom auch außerhalb der Consumer-Elektronik neue Akzente setzt.
Marktstart wohl erst 2027
Bloomberg zufolge soll das erste Gerät frühestens 2027 erscheinen. Der Preis könnte zwischen 200 und 300 US-Dollar liegen. Geplant sei ein tragbarer Lautsprecher ohne Display, der sich durch eine besonders natürliche Sprachinteraktion von bisherigen Smart Speakern unterscheiden soll.
Hardware-Pläne könnten sich noch ändern
Bloomberg hatte bereits im Februar erstmals über OpenAIs Pläne für einen KI-gestützten Smart Speaker berichtet. Demnach könnten sich Details des Projekts sowohl im Zuge der technischen Entwicklung als auch aufgrund des laufenden Rechtsstreits mit Apple noch ändern. Darauf weist auch Heise unter Berufung auf den aktuellen Bloomberg-Bericht hin.
Apple hatte OpenAI vor wenigen Tagen verklagt und wirft dem Unternehmen vor, Geschäftsgeheimnisse für die Entwicklung eigener Hardware zu nutzen. OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Unabhängig davon zeigt ein Blick auf das Team, welche Ambitionen das Unternehmen verfolgt: Neben dem ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive arbeiten unter anderem Tang Tan, früher Leiter des iPhone-Produktdesigns, die ehemalige Apple-Designchefin Evans Hankeysowie Paul Meade, der bei Apple an der Vision Pro und künftigen Smart Glasses beteiligt war, an den neuen Hardwareprojekten.
Neue Konkurrenz für Alexa, HomePod und Google?
Sollten sich die Informationen zum ChatGPT-Lautsprecher bestätigen, würde OpenAI erstmals direkt in den Hardwaremarkt für Smart-Home- und Audio-Produkte einsteigen. Für die Audiobranche wäre das durchaus bemerkenswert: Der neue Konkurrent käme nicht aus der klassischen Unterhaltungselektronik, sondern aus der Welt der künstlichen Intelligenz. Während Amazon, Apple und Google ihre Geräte bislang vor allem als Lautsprecher mit Sprachsteuerung verstehen, könnte OpenAI den umgekehrten Weg gehen und einen KI-Assistenten entwickeln, bei dem der Lautsprecher lediglich die Benutzeroberfläche ist.
Noch handelt es sich ausschließlich um einen Bloomberg-Bericht. Weder OpenAI noch Jony Ive haben das Projekt offiziell vorgestellt. Sollte sich der Bericht bestätigen, dürfte eines der spannendsten Audio-Produkte der kommenden Jahre entstehen.






