STEREO GUIDE Testurteil
Monitorhaft-natürlich klingender, sehr bequem tragbarer und stressfreier True-Wireless mit eher dezentem ANC und wenigen Funktionen zum günstigen Preis.
Vorteile
- Feinaufgelöstes, natürliches Klangbild
- hervorragende Abbildung
- sehr bequem und dauertauglich
- zurückhaltendes, unaufdringliches ANC
Nachteile
- könnte mehr Tiefbassdruck und Impulsivität haben
- ANC nicht sonderlich effizient
- keine Apt-X Codecs
-
Klang: Natürlichkeit / Transparenz9.5
-
Klang: Bass / Dynamik8.7
-
Praxis / Connectivity8.5
-
Preis / Leistung9.7
Der Final ZE3000 war einer der TWS Earbuds, die gegen den Strom schwammen: Kein Noise-Cancelling, wenige Funktionen, kantige Form, der Klang ohne besondere Effekthascherei, so audiophil und natürlich wie möglich. Das, in Kombination mit einem überragenden Langzeit-Tragekomfort, machte ihn zu einem der Lieblinge der Redaktion im Earbud-Segment.
Mit dem ZE3000 SV steht nun der Nachfolger am Start, und der nähert sich von Ausstattung und Formgebung her dem Mainstream deutlich an: Es gibt ein aktives Noise-Cancelling, das per App mehrere Betriebsarten ermöglich. Der Preis ist noch günstiger als beim ZE 3000, der Hersteller verspricht aber eine ähnlich audiophile Klangabstimmung.
Wir sind also gespannt. Beim ersten Herausnehmen aus der Verpackung fällt auf, dass die in schwarz oder weiß erhältlichen Earbuds deutlich kleiner, nochmals leichter und ergonomischer geworden sind. Beim Anfassgefühl des Strukturlacks muss man leichte Abstriche gegenüber dem highendigen Niveau des Vorgängers hinnehmen, das Plastik fühlt sich jetzt etwas matter und preisklassentypischer an. Das Case ist ebenfalls geschrumpft, und gehört damit zu den praktischsten am Markt. Dennoch spielt die Laufzeit von 7 Stunden, bei aktiviertem Noise-Cancelling, und 28 Stunden mit Case in derselben Liga wie zuvor. Das gilt auch für den Wasserschutz bis IPX4.



Ergonomie und HiFi-Technik
Mit Bluetooth 5.3 und den qualitativ hochwertigen Codecs AAC und LDAC mit 96/24-Hires dürften auch anspruchsvolle Hörer zufrieden sein. Leider fehlen die Codecs der aptX-Familie, so dass in den Genuss der besten Klangqualität nur Besitzer von smarten Devices kommen, die entweder AAC mit hoher Datenrate oder LDAC unterstützen (zum Beispiel von Apple und Sony, bei anderen Android-Varianten sollte man das vorher überprüfen).
Trotz der veränderten Gehäuseform soll sich an den HiFi-Qualitäten der Hardware nichts verändert haben: Final erwähnt stolz auf die mit 10 Millimeter sehr großen, selbst entwickelten Treiberkapseln. Zur audiophilen Klangqualität soll auch ein spezielles Druckausgleichssystem der Rückkammer sorgen, das der Hersteller „f-Link Port“ nennt und das mit zwei speziellen Luftschächten pro Kapselvolumen arbeitet.
App mit tollem 7-Band-Equalizer
Bei vielen Apps der großen Elektronikhersteller haben wir mittlerweile das Gefühl, sie seien ein wenig mit Funktionen überladen. Die Final Connect App ist das schiere Gegenteil: Die dient der gewünschten Anwahl des Noise-Cancelling-Modus´, Aktivierung der Gaming-Funktion, dem Equalizer – und das war es. Der Gaming-Modus ist selbsterklärend, reduziert er doch die Latenzzeit unter Verringerung der für die Tonübertragung genutzten Datenrate.
Interessante Möglichkeiten gibt es beim Noise-Cancelling: dieser hat einen generellen An/Aus-Button, im aktivierten NC-Betrieb kann man zwischen normaler, über die Frequenzen gleichmäßigen Reduzierung wählen, und einem speziellen Wind-Cut-Modus. Hinter dem „BGM“ Kürzel verbirgt sich der Transparenzmodus für Durchsagen.
Die zweite Besonderheit der Final App ist der Equalizer. Es handelt sich um einen grafischen 7-Band-EQ mit nicht regelmäßigen Mittenfrequenzen. Das benötigt in der Praxis etwas mehr Übung und Hörerfahrung, die Eingriffe in den Klang sind aber viel gezielter, und trafen genau die richtigen Bänder, um gezielte tonale Korrekturen vorzunehmen, etwa eine leichte Brillanzreduktion (4K), Anhebung des Tiefbasses (62 Hz) und leichte Mittenbetonung. Vorbildlich!





Ein wenig Kritik müssen wir an der Touch-Bedienung äußern: wir erkennen zwar den guten Versuch an, möglichst viele Funktionen mit nur zwei Touchflächen kontrollieren zu wollen, vom Aktivieren des Sprachassistenten über den Wind-Cut-Modus bis zum Ablehnen von Telefongesprächen.
Nicht immer erkannten die Earbuds aber sofort die Befehle, und mit langem Halten, doppeltem, dreifachem und zu zu fünffachem (!) Tap sind viele Funktionen auch komplex hinterlegt und ineinander verschachtelt, dass man sie nicht immer intuitiv trifft und öfter mal danebenhaut. So war denn auch die etwas unzuverlässige Bedienung, in Kombination mit eher wenigen App-Funktionen und tendenziell subtilem Noise-Cancelling, der Hauptgrund für eine etwas geringere Benotung in „Praxis&Connectivity“ – wem das alles nicht wichtig ist, der wird im Gegenteil in der Praxis mit den ZE3000SV uneingeschränkt glücklich.
Richtiger Sitz, viele Adapter
Im Praxistest und beim Tragekomfort hatte der Vorgänger Final ZE3000 Maßstäbe gesetzt, und von den Bedienungszicken abgesehen, lieferte der ZE 3000 SV hier ebenfalls voll ab. Nach ein bißchen Übung mit dem richtigen, schraubenartigen Dreh gegen den Uhrzeigersinn beim Einsetzen überzeugt der hervorragende Sitz im Ohr, völlig ohne Druckgefühl. Dank der fünf mitgelieferten Adapter aus Silikon, die alle weich im Gehörgang sitzen und auch in besonders kleinen Größen mitgeliefert sind, kommen auch Kinder oder Personen mit eher kleinen Ohren hier auf optimale Ergebnisse. Wenn sie denn ein wenig Zeit in das Herausfinden des optimalen Adapters investieren.
Auch die akustische Isolation und das aktive Noise-Cancelling gefiel uns sehr gut. Bei der generellen Aktivierung des ANC-Modus fiel uns auf, dass der Unterschied bei normalem Hintergrundgeräuschen eher subtil bleibt. Tieffrequentem Lärm wie an Straßenkreuzungen oder im Flugzeug unterdrückt der ZE3000SV nicht vollständig, aber sehr natürlich und subtil, so dass auch ANC-Phobiker oder solche, die eine allzu starke Isolation oder ein Druckgefühl auf den Ohren als unangenehm empfinden, bedenkenlos diesen Modus nutzen können.
Eine minimale Rauschkulisse stellte sich in ruhiger Umgebung ein, die wir aber als natürlich empfanden. Im Wind-Cut-Modus verschwindet diese, und sorgt so im Freien für einen fast störungsfreien Betrieb und verhindert ein Überreagieren der Außenmikrofone bei starkem Wind, was wir vorbildlich fanden.
Leider ändert sich beim Ein- und Ausschalten des ANC die Tonalität des ZE 3000 SV doch merklich, so dass man sich am Ende des Tages für eine Betriebsart entscheiden sollte.

So klingt der Final ZE3000 SV
Die klangliche Verwandtschaft zum ZE3000 war vage zu erkennen, weil der ZE 3000SV eine ähnliche, eher dezente Bassabstimmung, und ähnlich superbe Qualitäten bei Auflösung und Transparenz mitbrachte. Tonal spielte er aber eher auf der schlanken, detailverliebten Seite, und setzte sich doch deutlich von der warmen Homogenität seines Vorgängers ab.
Stimmen erschienen in der Grundeinstellung etwas schlanker, dafür punktete der ZE 3000 SV mit wahrhaft audiophiler Detailauflösung und einer präzisen, aber nie aufdringlichen Brillanz. Damit man seine monitorhaften Qualitäten wirklich genießen kann, sollte aber die Zuspielung entsprechend hochwertig sein, was nur mit AAC-Übertragung von hohen Datenraten (oder noch besser: LDAC) gegeben ist. Die Grenzen des Standard-Codecs SBC legt der Final sehr schnell offen, und klingt entsprechend klirrend und harsch in den Höhen.
Neben der Transparenz fällt auch die Raumdarstellung sehr positiv auf: Konzertsäle bei Klassik- und Jazz-Aufnahmen erscheinen erstaunlich weit und vom Hall her plausibler als bei vielen anderen TWS-Modellen. Dafür hält sich der Final allerdings auch mit Nähe zum Hörer und knalligen Impulsen etwas zurück, alles bleibt tendenziell distanziert und gediegen. Das gilt auch für den Bass, der bei Rock, Jazz und Klassik schön natürlich und knackig und nahtlos eingebunden erscheint, bei Techno und Hiphop allerdings auch an Tiefe und Durchsetzungskraft vermissen lässt.
Besonderer Pluspunk
Ein besonderer Pluspunkt des Finals waren seine Allrounder-Qualitäten, was die Musikgenres angeht: seine natürliche, hochauflösende Abstimmung ließ bei keiner gewählten Musikrichtung irgendwelche prinzipbedingten Schwächen erkennen. Im Gegenteil, wir hatten eigentlich durchgehend das Gefühl, dass er für den jeweils gespielten Track „wie gemacht“ war, was für eine besonders sorgfältige tonale Abstimmung spricht. Allenfalls beim Versuch, sehr hohe Lautstärken zu erzielen, oder aus dem Final ZE3000SV fette Hiphop- oder Elektronikbässe herauszubekommen, kamen wir an die Grenzen des Systems und fanden, dass speziell dafür abgestimmte Hörer noch etwas mehr Spaß, Maximalpegel und knallige Dynamik mobilisieren können.
Mit dem hervorragenden Equalizer in der App kann man da noch einiges machen, insbesondere die wärmere Tonalität des Vorgängers emulieren. Mit etwas Betonung des untersten Bandes kann auch der Bass eine erstaunliche Tiefe entfalten, bekommt allerdings auch nie die dominante Durchsetzungskraft und Härte, die Impulsliebhaber erwarten.
Testfazit und Alternativen zum Final ZE3000 SV
In der Klasse ab 100 Euro hat der Final ziemlich harte Konkurrenz: Der Sennheiser Plus CX True Wireless und auch der Cambridge A100 bieten einiges mehr an Funktionen. Letzterer wäre unser klarer Tipp, wenn eine spielfreudigere, tiefbassstarke und mitreißende Wiedergabe gefragt ist, dafür sitzt er aber auch nicht bei jedem Träger sicher im Gehörgang, und kann nach einigen Stunden Druckgefühl verursachen. Der Final ZE3000 SV bleibt nach Stunden noch bequem, und setzt tonal eher auf monitorhaft-neutrale, präzise Spielweise. Damit hält er sich klanglich recht nah am Sennheiser, punktet gegenüber diesem aber mit besserer Mittentransparenz, einem überlegenen Equalizer, mehr Tragekomfort und angenehmerem Sitz im Dauerbetrieb.
Technische Daten Final ZE3000 SV
- Preisempfehlung des Herstellers: 100 Euro
- Bauart: In-Ear
- Wandlerprinzip: Dynamisch
- Gewicht: 4 g
- Besonderheiten: IPX4 Spritzwasserschutz, ANC mit Wind-Modus, App-Steuerung, 28 h Akkulaufzeit mit Case
- Mehr unter: https://www.audiotra.de/




