STEREO GUIDE Testurteil
Neues Design, bessere Technik, mehr Klang: Der Bowers & Wilkins Px7 S3 will alles besser machen als seine Vorgänger. Und er schafft es auch. Er wirkt in jeder Hinsicht geschliffener. Sein abgrundtiefer, druckvoller Bass fügt sich harmonischer ins Klangbild ein und wer Drums oder komplexe Klänge mag, dürfte kaum einen eindrucksvolleren Kopfhörer finden.
Vorteile
- Kräftiger, tiefreichender, kickender Bass
- Unübertroffen transparente Klangauflösung
- Hohe Anfassqualität, guter Tragekomfort
- Sehr wirksames ANC
Nachteile
- Batterielaufzeit hinter manchem Mitbewerber
-
Natürlichkeit / Transparenz9.2
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Bass / Dynamik9.5
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Praxis / Connectivity9.4
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Preis/Leistung9.2
Der Bowers & Wilkins Px7 S3 bleibt der markanten, eleganten Formensprache der britischen Edelmarke treu. Der Bluetooth-Over-Ear wurde aber optisch und funktional überarbeitet. Das neue Industriedesign ist sichtbar schlanker, moderner und eleganter. Besonders Vielhörer profitieren vom neuen ergonomischen Kopfbügel und den nochmals weicheren Ohrpolstern aus hochwertigem Memory-Foam. Auch das mitgelieferte Transportetui mit seinem Fach für die mitgelieferten USB-C- und 3,5-mm-Klinken-Kabel wurde verkleinert und platzsparender gestaltet.
Materialwahl und Verarbeitung bewegen sich nach wie vor auf Premium-Niveau: Metallakzente, Stoffstruktur und sanftes Kunstleder verleihen dem Bluetooth-Kopfhörer seinen charakteristischen High-End-Look. Der in den Farben Anthracite Black, Indigo Blue und Canvas White angebotene Px7 S3 ist bereits die vierte Generation des beliebten Over-Ears mit Active Noise-Cancelling (ANC). Nach dem von uns getesteten Px7 S2 brachte Bowers & Wilkins noch den Px7 S2e mit geänderter DSP-Klangabstimmung auf den Markt.
Technik und Klangarchitektur
Beim neuen B&W Px7 S3 macht der englische Hersteller jedoch auch bei der Hardware einen größeren Schritt. Im Inneren des High-End-Bluetooth-Kopfhörers wurde nahezu jede Komponente überarbeitet. Zwar bleiben die 40-mm-Biozellulose-Membranen erhalten, doch wurden die Magnetstruktur, die Spulenaufhängung und das Chassis der nach vorne angeschrägten Treiber, die für ein natürliches Hörempfinden sorgen, überarbeitet. Zusätzlich verbaut Bowers & Wilkins jetzt besonders hochwertige diskrete Kopfhörerverstärker – ein Novum in dieser Serie. Ziel dieser Entwicklung war ein noch verzerrungsärmerer, dynamischer und detailreicher Klang mit tiefreichender Bühne.
Der neue „True Sound“-Modus, zugänglich über die zugehörige App, soll dabei ein besonders authentisches Klangbild liefern.


Konnektivität und Codecs
Bluetooth 5.3 ist jetzt an Bord – der Px7 S2 nutzte noch Bluetooth 5.2 – mit den erweiterten Codecs aptX Adaptive und erstmals aptX Lossless, wodurch kabellose High-Res-Wiedergabe mit bis zu 24 Bit / 96 kHz möglich ist. Für kabelgebundene Verbindungen stehen wie beim Vorgänger sowohl ein analoger Klinkeneingang als auch ein USB-C-Anschluss zur Verfügung – beide Kabel liegen dem Lieferumfang bei. Der USB-C-Eingang verarbeitet digitale Hi-Res-Signale direkt mit bis zu 24 Bit / 96 kHz.
Noise Cancelling & Mikrofontechnik
Die aktive Geräuschunterdrückung wurde grundlegend überarbeitet. Statt vier Mikrofonen wie beim S2 nutzt der Px7 S3 nun ein Array aus acht Mikrofonen, das in Kombination mit einer neuen B&W-DSP-Plattform für besonders effektive und klangschonende ANC-Leistung sorgt.
Die Sprachverständlichkeit bei Anrufen wurde parallel durch eine Technologie namens ADI Pure Voice verbessert – auch in lauter Umgebung sollen Telefonate klar und verständlich übertragen werden. Und das gelang dem B&W Px7 S3 während unseres Tests auch in der Praxis wirklich sehr gut.


Bedienung & App-Funktionen
Bedient wird der Kopfhörer weiterhin über physische Tasten an den Ohrmuscheln – darunter auch eine frei belegbare Multifunktions-Taste auf der rechten Seite. Die App-Anbindung über die für iOS und Android kostenlos angebotene Bowers & Wilkins Music App wurde erweitert: Neben dem 5-Band-Equalizer mit zusätzlichen Presets gibt es die Möglichkeit, die Schnellzugriffs-Taste an der linken Ohrmuschel für den Wechsel der ANC-Modi oder den Aufruf des Sprachassistenten individuell zu konfigurieren.
Neu ist, wie bereits erwähnt, außerdem der „True Sound“-Modus – ein Soundprofil, das von den Akustikern im B&W-Hauptquartier in Southwater kuratiert wurde.









Tragekomfort & Akkulaufzeit
Der Tragekomfort wurde im Vergleich zum Px7 S2 weiter optimiert. Der neue Bügel drückt weniger, die Ohrpolster umschließen die Ohren zwar sehr dicht mit einem gewissen Anpressdruck, vermitteln aber trotzdem ein angenehmes Tragegefühl, das auch auf die hautfreundliche hochwertige Überfläche zurückgeht.
Die Akkulaufzeit entspricht mit rund 30 Stunden bei aktiviertem ANC der des S2. Praktisch: Die Schnellladefunktion liefert in nur 15 Minuten genug Energie für 7 Stunden Wiedergabe.
Zukunftssicherheit & Features
Bowers & Wilkins verspricht künftige Software-Updates mit 3D-Audio aus eigener Entwicklung für natürlicheres Hören mit einer Räumlichkeit, die in Richtung Lautsprecher gehen soll, sowie Bluetooth LE Audio mit Auracast. Letzteres erlaubt etwa das gleichzeitige Streamen einer Quelle auf mehrere Kopfhörer – praktisch für gemeinsame Hörsessions.


Bowers & Wilkins Px7 S3: Klangqualität
Was schon nach den ersten Takten Musik im Sound-Test auffällt: Die dritte Generation des beliebten Over-Ear-Kopfhörers bleibt der bewährten Linie treu: Der Px7 S3 setzt auf großes Kino. In HiFi-Kreisen sind das blitzsaubere, feinziselierte Höhen und abgrundtiefe, aber schnelle Bässe. Der Bowers bietet beides in einem Maße, das einen je nach Musikgeschmack und Hörpräferenzen in schiere Verzückung versetzt – oder mit dem Gefühl von audiophiler Überforderung zurücklässt.
Aber schauen wir uns mal die Eckpunkte der Klangabstimmung im Detail an. Besonders im Rampenlicht steht dabei der Bass-Bereich. Zwar hatte ich den Px7 S2 nach unserem Test im Herbst 2022 wieder zum Hersteller zurückgeschickt. Aber das Tieftonfundament ist zugleich noch machtvoller und deutlich besser ins Klangbild eingebunden worden. Kein Zweifel: Hier haben die Briten das Profil im Sinne ihrer Stammkundschaft nachgeschärft und zugleich die Musikalität verbessert.
Der zierliche Over-Ear eifert hier ohne Frage der legendären B&W 801 in der aktuellen Abbey Road Edition nach. Die allerste machte sich als Monitor in führenden Tonstudios, allem voran Abbey Road in London, einen Namen. Für mich war sie die Einstiegsdroge für audiophile Musikwiedergabe, als ich sie auf der ersten High End Messe in einem Düsseldorfer Hotel mit Orgel und Saxophon hörte und von außen glaubte, die Instrumente stünden wirklich hinter der Tür. Im offiziellen schweizerischen Volvo-Blog schilderte ich diese lange zurückliegenden Erlebnisse.
Still got the Blues
Die Erinnerung brachte mich auf eine Idee: Warum nicht den „Antiphone Blues“ von Arne Domnerus nach einer Ewigkeit über den Px7 S3 hören? Zwar hatte ich mir damals noch auf der Messe die Schallplatte gekauft, aber bis zum Kopfhörer ist es ein weiter Weg, der nur über Kabel führt. Sehr praktisch: Qobuz, mein bevorzugter Streaming-Dienst, hat das 1976 veröffentlichte Album tatsächlich im Sortiment und ich kann es direkt vom Smartphone via Bluetooth oder USB-Verbindung auf den Bowers & Wilkins streamen. Um die App zu verwenden, muss allerdings Bluetooth auch bei Wiedergabe via Kabel aktiviert sein.
Was die Kirchenorgel betrifft, fällt mir derzeit kein Kopfhörer ein, der das so authentisch hinbekommt. Das betrifft nicht nur, was die Ohren davon in den untersten Oktaven an Tönen wahrnehmen, es ist auch der fühlbare Schalldruck rund um die Ohren. Und es betrifft auch die Obertöne der Orgel und den Hall, der wirklich den Eindruck vermittelt in einer Kirche zu sein. Auch das Saxophon klingt sehr luftig, allerdings fehlt mir ein Schuss Grundton-Wärme, die jene unnachahmliche Note des Holzblasinstruments ausmacht, das aus Metall besteht, aber die Töne mit einem Holzblättchen erzeugt.
An der Stelle bot sich der Vergleich mit dem etwas wärmer abgestimmten Sony WH-1000XM6 an. Der Japaner schien jedoch unten wie oben mit einer Art Weichzeichner etwas Druck herauszunehmen und die Höhen ein wenig zu soften. Während es damit im Bass einen eindeutigen Sieger in diesem Durchgang gibt, lag die Wahrheit im Mittel-Hochtonbereich eher in der Mitte zwischen den beiden preislich vergleichbaren Top-Hörern.
Bowers bringt bombastische Beats
Nach dem Wechsel in den Pop-Bereich bleibt es weiter ein knappes Duell. Nehmen wir zum Beispiel „Unfinshed Sympathy“ von Massive Attack. Hier schenken sich die beiden Kontrahenten im Bass nicht viel, was Druck und Drive betrifft. Abermals ergibt sich im Mittel-Hochtonbereich, dass der Sony etwas wärmer und der Bowers & Wilkins etwas silbriger in den Höhen und minimal schlanker in den Mitten wirkt. Dabei würde man sich von einem idealen Hörer die Körperhaftigkeit des Sony und die Transparenz des B&W wünschen.
Wer den Bass etwas knackiger und weniger dominant mag, der braucht nicht zum Equalizer in der Bowers & Wilkins App zu greifen. Mit USB-Verbindung klingt der Brite gleich mal ein gutes Stück knackiger. Doch ich muss sagen: Je nach Musikart und persönlichem Geschmack kann man gerade die vollmundige Bluetooth-Wiedergabe in gewissen Situationen vorziehen.
Runde Sache
Was den Zusammenhalt des Klangbildes betrifft, verbindet Bowers & Wilkins jetzt mit der neuen „True Sound“-Abstimmung die mächtigen Bässe mit den frischen Höhen viel harmonischer, sprich ohne in den schlanken Mitten eine auffallende Lücke zu lassen. In der Folge reagiert der neue Px7 S3 weniger sensibel auf unterschiedliche Aufnahmen und Genres. Er eignet sich jetzt besser zum Langzeithören als sein Vorgänger. Doch sollte man für ihn schon einen gewissen Spaß am Bass mitbringen. Auch wenn Bass Drums oder Elektro-Beats richtig kicken und gleichzeitig ein erstaunliches Maß an Präzision erkennen lassen, muss man die kräftigen Druckwellen unter den eng anliegenden Polstern der Ohrmuscheln mögen.
Was übrigens Druckwellen von außen betrifft, liefert der B&W Px7 S3 mit seinem sehr guten, praktisch rauschfreien ANC eine hervorragende Abschirmung gegen Umgebungslärm – und zwar vom tieffrequenten Brummen von Motoren bis in den Mittel-Hochtonbereich.


B&W Px7 S3: Fazit und Alternativen
Der Bowers & Wilkins Px7 S3 ist wie ein McLaren Artura (den wir übrigens auch mit seinem B&W Sound-System getestet haben): Der Sportwagen liegt sehr satt auf der Straße, aber er fordert von seinen Insassen mit seiner straffen Federung und direkten Art auch gewisse Nehmer-Qualitäten. Wer es weniger kompromisslos mag, der dürfte sich zweifellos in einem luftgefederten Polestar 3 (ebenfalls mit Bowers & Wilkins Sound) wohler fühlen.
Soll heißen: Wer etwas entspannter hören möchte, der findet Alternativen wie den Sony WH-1000XM6 oder den günstigeren Sennheiser Momentum 4 Wireless. Der Sony ist ein fantastischer Allrounder und ich schätze seinen Trage- und Bedienkomfort mit toll umgesetzten Wischgesten. Aber die schnell speckig wirkenden seidenmatten Kunststoffoberflächen lassen ihn haptisch wie optisch hinter die beiden Engländer zurückfallen.
Man muss einen gewissen Spaß am Bass haben, um den Bowers & Wilkins Px7 S3 vollständig zu goutieren. Will mal so sagen: Der Bluetooth-Over-Ear ist vielleicht der charmanteste und charismatischste Haudrauf von der Insel seit Jason Statham. Und was den Erfolg beim breiten Publikum betrifft, sind beides Blockbuster.
Technische Daten: Bowers & Wilkins Px7 S3
- Preisempfehlung des Herstellers: 430 Euro
- Bauart: Over-Ear
- Wandlerprinzip: Dynamisch
- Gewicht: 300 g
- Akkulaufzeit: Bis zu 30 Std.
- Besonderheiten: Bluetooth 5.3, Noise-Cancelling, App-Steuerung
- Mehr unter: bowerswilkins.com






