Die HIGH END zieht 2026 nach Wien, und schon stellt sich die ganze Branche die Frage: Was ist mit München? Als dezidiert regionale Messe und mit dem bewährten Konzept aus Hamburg im Rücken, starteten die Münchner HiFi Tage im Hotel Le Méridien den Reigen möglicher Nachfolgeveranstaltungen. Wie schon in Stuttgart und Hamburg wurde ein Eintrittsgeld erhoben.
Nach den Besucherzahlen zu urteilen, wurde das akzeptiert, besonders am Samstag berichteten uns unsere Kontakte, dass die Vorführräume ordentlich gefüllt waren. Selbstredend waren weniger neugierige Zaungäste, als vielmehr ernsthaft an HiFi Interessierte zugegen. Das war von den Veranstaltern ja auch durchaus so gewollt. Die Organisatorin Ivonne Borchert-Lima meldete im Nachhinein 1030 gezählte Besucher, für eine Erstauflage mit Eintrittskontrolle kann sich das sehen lassen. Positiv fiel auf, dass nicht nur Vertreter der „silbernen HiFi-Generation“, sondern zunehmend auch jüngere Musik- und Technikinteressierte das Hotel bevölkerten.
Bei den Präsentationen dominierten Marken, die wir eher als Geheimtipp einstufen würden. Natürlich gab es viele klassische Ketten mit Verstärkern und Passivlautsprechern, weniger Lifestyle-HiFi oder wirklich günstige Ketten. Dafür schien sich ein Trend zu verfestigen, der erfreulicherweise den Trends der letzten HIGH END zuwiderlief: Die Komponenten waren eher kompakter, überwiegend sogar wohnzimmertauglich. Und auf das Vorführen von übermäßig teurem oder akustisch zu großem Gerät in engen Hotelzimmern wurde dankenswerterweise verzichtet.
Aktiv-Lautsprecher und Kopfhörer
Wie immer standen für STEREO GUIDE moderne HiFi-Konzepte und Kopfhörer im Vordergrund. Auch, wenn man die in München ein wenig suchen musste, gab es doch Erfreuliches zu zeigen und zu hören.
Inklang macht Aktiv schlank

Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man auf der Rückseite der Lautsprecher von Inklang die Elektronikeinheit, die sie als vollwertige Aktivboxen ausweist. Der Hersteller bietet alle Modelle der Serie sowohl passiv als auch Aktiv mit Drahtloszuspielung an. Hier die wohlgeformte Ayers Three Wireless.
Personal Audio – Alders&Lange

Der Raum von A&L – ausgeschrieben als Alders&Lange – unterschied sich merklich von den Konventionen auf einer HiFi-Messe. Das lag zum einen an den sehr kompakten Komponenten in flippigen Farben wie Grün oder Orange, zum anderen auch an der guten optischen Präsentation und an der Ruhe im Raum. Hier stand die Kopfhörerwiedergabe im Vordergrund
Interner Kopfhörervergleich: Sennheiser

Die wohl bekannteste Marke auf der Münchner Messe war Sennheiser. Eine gewisse Anziehungskraft gerade auf jüngere Besucher hatte die ausgestellte Soundbar, die allerdings nicht in der Vorführung war. Dafür diverse aktuelle Kopfhörermodelle, wie der geschlossene HD820, den man hier in Ruhe probehören konnte.
High End wohnzimmertauglich
Eine High End Kette darf heute nicht mehr mit technischen Look nach Hobbykeller aussehen. Sie muss auch im edlen Wohnzimmer etwas hermachen. Neben miniaturisierten Design-Lautsprechern und allerlei neuartigen minimalistischen Anlagenkombinationen fielen uns auf den MHT 2026 diverse Präsentationen auf, die optisch einfach umwerfend waren. Hier eine kurze Auswahl.
Voll Retro mit Silent Pound

Manche Lautsprecher fallen durch ihr Retro-Design auf, und die Welle der massigen furnierten Monster-Monitore, die schräg auf dem Fußboden stehen, scheint ein wenig vorbei zu sein. Die Antwort von SIlent Pound verblüffte Auge und Ohr: Breite, aber durch die Ständerkonstruktion sehr filigran aussehende Monitore im 1970er Design, die sich einfach „Bloom“ nennen, und mit zwei massigen 12-Zollern bestückt sind. Klang: Klar retro, aber gewaltig!
S&V-Audio – raumfüllend, aber kompakt

Im ersten Stock fielen uns die Lautsprecher von SV-Audio auf, auch bekannt als Storgaard & Vestskov. Die Manufaktur aus Dänemark ist hierzulande noch weniger bekannt, liefert aber exzellent verarbeitete und traumhaft lackierte Gehäuse, die sich trotz kompakter Maße auch im großen Meetingraum des Münchner Le Méridien eindrucksvoll durchsetzten.
Rowen – Design-Lautsprechern mit einmaliger Technik

Der Schweizer Hersteller Rowen ist bekannt für sehr unauffällige Design-Lautsprecher mit Echtholz und Stoffverkleidung (rechts) sowie außergewöhnlichen Konzepten zur Schallabstrahlung. Das neue Modell Refyn (links) erinnert optisch eher an einen High-End-Lautsprecher, aber macht technisch keine Ausnahme: Die Box ermöglicht einen Halbaktiv-Betrieb, und der Hochtonbereich wird von zwei verschiedenen Treibern nach vorne wie nach hinten abgestrahlt. Der vom Hersteller LMT.2 (Linear Motion Transformer) genannte Mittelhochtöner spielt hier ab 1000Hz, und sorgte für besondere Transparenz und Auflösung im etwas zu kleinen Raum. Für viele der beste Sound der Messe.
Micro-Lautsprecher in Maxi-Raum: Raidho

Wer sich definitiv etwas traute, waren die Dänen von Raidho und Scansonic: Im größten Salon der Messe spielten sie mit dem kleinsten Kompaktlautsprecher, der Raidho X1t. Die misst wirklich nur 14 Zentimeter in der Breite und 31 Zentimeter in der Höhe, und füllte den Riesensaal erstaunlich gut mit weiter Räumlichkeit und seidig-transparentem Hochton, wenn auch keine Wunder bei Tiefbass und Ortungsgenauigkeit zu erwarten sind.

Der Chef fürhte die kleine Raidho sogar selber vor: Morten Kim Nielsen machte sich extra auf die lange Reise von Dänemark an die Isar.
High End, wem High End gebührt: Børresen

Im anderen großen Saal des Le Méridien erwarteten einige noch einmal richtig teures High End: Der dänische Hersteller Børresen von der Danish Audio Group fuhr an der erstaunlich schlanken Elektronik von Aavik das große Gedeck auf. Doch die C3 gehört zu den günstigeren Standboxen des Hauses, und füllte den Raum erstaunlich souverän mit kraftvollem Bass. Gewisse Ähnlichkeiten zu Raidho sind kein Zufall, denn der Entwickler Michael Børresen war auch der kreative Kopf hinter vielen Raidho-Konzepten.
Was nehmen wir aus München von den MHT 2026 mit? Dass HiFi auch in seiner traditionellen Form noch aufblüht, und auch neue HiFi-Messen eine Chance haben. Und dass die Münchner musikalisch eine erstaunliche Bandbreite mitbringen, denn von gehauchten audiophilen Klassikscheiben bis zu Jimi Hendrix live und deftigen Elektronikbeats, wurde hier alles goutiert.




