Eigentlich sollte es nur ein Besuch bei HiFi Pilot am neuen Standort in Sulzfeld werden. Doch dann stand im Messraum ein völlig abgefahrener, runder 2-Wege-Lautsprecher aus einem an Ton erinnernden Material. So kam STEREO GUIDE zu den ersten Fotos. Mit der Econik 1851 bringt Econik ein Lautsprecherpaar auf den Markt, das sich bewusst zwischen Skulptur und Audiotechnik positioniert. Das Konzept: ein vollaktives High-End-Designlautsprecher-System, bei dem nicht nur Chassis und Elektronik, sondern auch das Gehäusematerial und die Aufhängung Teil der akustischen Idee sind. Der Preis liegt bei 16.800 Euro pro Paar. Damit macht Econik gegenüber der vor einiger Zeit getesteten Econik Six im Preis einen vergleichbar großen Sprung wie im Design.
Quarzsand statt Holz oder Aluminium: Gehäuse aus dem 3D-Drucker
Das auffälligste Merkmal ist das Gehäuse: Es wird vollständig aus Quarzsand im industriellen 3D-Druck gefertigt. Econik argumentiert dabei mit dem naturgemäß hohen Dämpfungsverhalten des Materials, das Mikro-Vibrationen effektiv unterdrücken soll. Die Oberfläche entsteht direkt im Prozess und ist kein nachträgliches Finish, das Ganze versteht sich als „monolithischer Körper“ mit akustischer Funktion.
Spannend ist auch der innere Aufbau: Während außen eine klare, skulpturale Form dominiert, arbeitet innen ein nahezu sphärisches Volumen, das stehende Wellen reduzieren und interne Reflexionen senken soll. Konstruktion und Wandstruktur wurden laut Econik per FEM-Simulation auf minimale Resonanzübertragung optimiert.
„Schwebend“ montiert: Stahlseil-Aufhängung zur Entkopplung
Zur 1851 gehört eine spezielle Stahlseil-Aufhängung, die den Lautsprecher optisch schweben lässt und gleichzeitig Körperschallübertragung zum Boden minimieren soll. Das ist nicht nur Design-Gag, sondern Teil des technischen Gesamtkonzepts – gerade in Wohnräumen, in denen tieffrequente Vibrationen schnell über den Untergrund „mitspielen“.
Treiber von Eton, aktive DSP-Weiche und WiSA-Funk
Bei den Chassis setzt Econik auf den Deutschen Hersteller Eton Audio und beschreibt das Treibersetup als besonders verzerrungsarm und impulstreu. Die 1851 ist als 2-Wege-Aktivlautsprecher ausgelegt und arbeitet mit Class-D-Endstufen (150 W für den Woofer, 150 W für den Tweeter pro Lautsprecher). Als Hochtöner nennt Econik einen 28-mm Magnesium-Keramik-Tweeter, dazu einen 181-mm Langhub-Tiefmitteltöner aus Magnesium-Verbundwerkstoff. Der Frequenzgang ist mit 34 bis 40.000 Hz (+/-3 dB) angegeben.




Die Signalverarbeitung übernimmt ein Quad-Core-DSP, als DAC nennt Econik Dual CS4398. Für die drahtlose Übertragung ist WiSA an Bord – konkret 24 Bit/96 kHz lossless. Das Ziel ist ein maximal aufgeräumtes Setup: im Idealfall pro Lautsprecher nur noch ein Netzkabel, keine Lautsprecherleitungen quer durchs Zimmer.
Raumkorrektur und App-Steuerung
Econik plant zudem eine App für iOS und Android (laut Hersteller „in Kürze“), über die sich Lautsprecher-Setup und Klang anpassen lassen. Dazu zählt ein automatisches Bass-Einmesssystem, das gezielt unterhalb von 500 Hzkorrigiert, sowie manuelle DSP-Optionen mit parametrischen EQs und speicherbaren Presets.

Design: 1851 Studio und Anton Erbenich
Das formale Konzept stammt von Anton Erbenich und seinem Studio 1851. Erbenich beschreibt 1851 als Designstudio, das Werkstattpraxis mit architektonischem Denken verbindet: Material- und Fertigungsprozesse (Holz/Metall) treffen auf Proportion, Raumwirkung und Konstruktion aus der Architektur. Additive Fertigung ist für ihn der nächste logische Schritt – präzise, ressourceneffizient und geometrisch frei.
Der Name „1851“ verweist auf die Londoner Weltausstellung und den Crystal Palace als Symbol dafür, wie sich Naturprinzipien und Technologie zu modularer Leichtigkeit verbinden lassen. In dieser Logik entstehen bei 1851 Lautsprecher, Leuchten und Möbel als Einzelstücke, Kleinserien oder skalierbare Linien – mit quarzsandgedruckten Gehäusen, gebogenen Edelstahl-Traglinien und „mineralischen Texturen“ als Stilmittel. Ein wichtiger Punkt: Die Produktion findet überwiegend in Deutschland statt, zudem setzt das Studio auf reparierbare Konstruktionen und modulare Elektronik für Langlebigkeit.


Das neue Firmengebäude von HiFi Pilot in Sulzfeld nordwestlich von Stuttgart (oben). Jens Hörman (links) und Berthold Daubner im schicken neuen Hörraum von HiFi Pilot. (Foto: Stefan Schickedanz)
Vor Ort gesehen: erster Eindruck aus dem neuen Firmengebäude
Ich konnte die Econik 1851 bereits bei einem Besuch im neuen Firmengebäude aus der Nähe sehen und auch fotografieren. In echt wirkt die Kombination aus mineralischem Körper, klarer Geometrie und der „schwebenden“ Aufhängung noch einmal präsenter als auf Renderings – eher Designobjekt als klassische Box, ohne den Technikanspruch zu verstecken.
Econik 1851: 16.800 Euro pro Paar. Weitere Infos: econik-speakers.com






