STEREO GUIDE Testurteil
Creative XF1 im Test: Die Desktop-Boxen überraschen für 159,99 Euro mit neutralem Klang, USB-C, Bluetooth 6.0, LDAC und vielseitiger Nexus App. Einzig der zurückhaltende Bass lässt jenseits von kleinen Räumen den Wunsch nach einem Subwoofer aufkommen.
Vorteile
- Ausgewogene Klangabstimmung
- Untersetzer für Desktop-Aufstellung
- Parametrischer 10-Band-Equalizer
- Apps für iOS, Android und Windows
- Subwoofer-Ausgang
Nachteile
- Etwas dünnes Bassfundament
- Keine variable Kanalzuordnung für Primär- und Sekundär-Speaker
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Natürlichkeit / Transparenz8
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Bass / Dynamik6.3
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Raumabbildung7.9
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Praxis / Connectivity9
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Preis/Leistung9.7
Creative stammt nicht aus der klassischen HiFi-Ecke. Mit Sound-Blaster-Soundkarten, PC-Zubehör, Gaming-Headsets und kompakten Multimedia-Lösungen hat sich das Unternehmen allerdings schon lange einen Namen in Sachen Audio gemacht. Mit dem Creative XF1 will der Hersteller nun ausgewachsenen HiFi-Klang auf den Schreibtisch bringen. Das aktive Zwei-Wege-System bietet 72 Watt RMS, Bluetooth 6.0 mit LDAC, USB-Audio und ungewöhnlich umfangreiche Möglichkeiten zur Klanganpassung.
Vor einigen Monaten hatte ich für AUDIO/stereoplay die Soundbar Creative Stage Pro getestet. Angesichts ihrer unverbindlichen Preisempfehlung von gerade einmal 150 Euro war ich von deren Performance völlig überrascht. Entsprechend hellhörig wurde ich, als die Pressemitteilung zum neuen Creative XF1 eintraf. Das kompakte Aktivlautsprecher-Paar versprach vollaktiven Zwei-Wege-Aufbau, Hi-Res-Audio und Bi-Amping zum Preis von 160 Euro. Grund genug, gleich ein Testgerät für STEREO GUIDE zu bestellen.
Optisch hält sich der Creative XF1 wohltuend zurück. Keine RGB-Beleuchtung und kein martialisches Gaming-Design lenken vom eigentlichen Zweck ab. Die wahlweise in Schwarz oder Weiß erhältlichen Gehäuse messen jeweils knapp 10 Zentimeter in der Breite, 19,1 Zentimeter in der Höhe und 15,5 Zentimeter in der Tiefe. Damit passen sie problemlos neben einen Monitor oder Laptop. Der linke Lautsprecher wiegt 1,29 Kilogramm, die mit der gesamten Elektronik ausgestattete rechte Box 1,36 Kilogramm.
Creative XF1 mit vier Endstufen
In jeder der beiden 2-Wege-Bassreflexboxen arbeitet ein 3 Zoll (7,6 cm) großer Tiefmitteltöner mit einem darüber angeordneten 1,9-xm-Hochtöner. Creative entwickelte das Tieftonchassis mithilfe der Finite-Elemente-Analyse (FEA), um aus der kleinen Membran möglichst viel Pegel bei geringen Verzerrungen herauszuholen. Das vollaktive Zwei-Wege-Konzept wird von einem digitalen Signalprozessor (DSP) gesteuert. Für jedes Chassis steht ein eigener Verstärkerkanal bereit.

Den beiden Tiefmitteltönern stehen jeweils 26 Watt RMS zur Verfügung, den Hochtönern jeweils 10 Watt. Daraus ergibt sich die von Creative angegebene Gesamtleistung von 72 Watt RMS. Der Übertragungsbereich soll laut Datenblatt von 55 Hertz bis 40 Kilohertz reichen. Damit besitzt der XF1 sowohl eine Hi-Res-Audio-Zertifizierung für seine kabelgebundenen Eingänge als auch das entsprechende Hi-Res-Audio-Wireless-Siegel für die Bluetooth-Wiedergabe mit LDAC.
Sämtliche Verstärker und Anschlüsse sitzen im rechten Primärlautsprecher. Die linke Box erhält die getrennt verstärkten Signale über ein mitgeliefertes vierpoliges Verbindungskabel. Mit zwei Metern Länge reicht es für die meisten Schreibtische locker aus. Bei einer weiter auseinandergezogenen Aufstellung auf einem Sideboard oder in einem Regal könnte es dagegen knapp werden.
Korkuntersetzer für den Schreibtisch
Zum Lieferumfang gehören neben dem externen Netzteil und dem Lautsprecher-Verbindungskabel ein 1,5 Meter langes USB-A-auf-USB-C-Kabel sowie zwei keilformig geformte Korkuntersetzer. Letztere sind weit mehr als ein optischer Gag. Sie lassen sich mit den beiliegenden Schrauben fest mit den Boxen verbinden, sorgen für einen stabilen Stand und neigen die Schallwandler leicht nach hinten.
Damit zielen Hoch- und Tiefmitteltöner bei der Aufstellung auf dem Schreibtisch besser auf die Ohren. Gleichzeitig entkoppelt der Kork die Lautsprecher etwas von der Arbeitsfläche. Wer die XF1 frei im Raum, auf einem Sideboard oder in einem Regal betreibt, sollte die Untersetzer weglassen.

USB-C, Bluetooth und Subwoofer-Ausgang
Der Creative XF1 nimmt digitale Audiosignale über seinen USB-C-Eingang mit maximal 24 Bit und 96 Kilohertz entgegen. Das funktioniert nicht nur mit einem Windows-PC oder Mac, sondern ebenso mit geeigneten mobilen Geräten. Für analoge Quellen steht ein 3,5-Millimeter-Klinkeneingang zur Verfügung.
Bluetooth 6.0 unterstützt neben dem Standard-Codec SBC auch AAC und Sonys LDAC. Während Apple-Geräte AAC verwenden, können entsprechend ausgestattete Android-Smartphones über LDAC mit einer höheren Datenrate streamen. Die Reichweite gibt Creative unter freier Sicht mit bis zu zehn Metern an.


Wer beim Filmton, Gaming oder Musikhören mehr Tiefbass wünscht, kann einen aktiven Subwoofer an den 3,5-Millimeter-Ausgang der Primärbox anschließen. Gerade für den Einsatz am Fernseher oder als kleines Desktop-Kino ergibt diese Erweiterungsmöglichkeit viel Sinn.
Allerdings gibt Creative die Kanalverteilung fest vor: Der mit der Elektronik, den Anschlüssen und dem Lautstärkeregler ausgestattete Primärlautsprecher spielt immer den rechten Kanal. In der App suchte ich vergeblich nach einer Möglichkeit, die Zuordnung zu vertauschen. Je nach Aufstellung kann die feste Position immerhin von Vorteil sein, wenn man rechts leichter an USB-C-, AUX- und Subwoofer-Anschluss herankommt.
Der Lautstärkeregler auf der Front dient zugleich als Multifunktionstaste. Ein langer Druck schaltet das System ein oder aus, ein kurzer Druck wechselt zwischen Bluetooth, USB und AUX. Auf der Rückseite sitzen außerdem die Bluetooth-Pairing-Taste und ein Schalter für den Energiesparmodus.
Creative Nexus App: Presets ohne Ende
Für die Creative Nexus App nennt der Hersteller Windows 10 oder neuer in der 64-Bit-Version, iOS ab Version 17 und Android ab Version 10. Bei der ersten Einrichtung sollte man allerdings die richtige Reihenfolge einhalten. Weil ich ungern Bedienungsanleitungen studiere, koppelte ich das iPhone zunächst ganz klassisch über die Bluetooth-Einstellungen mit den XF1. Danach wollte die Nexus App das Lautsprechersystem auch bei mehreren Versuchen nicht finden.
Nachdem ich die Bluetooth-Verbindung wieder getrennt und die Suche direkt aus der App heraus gestartet hatte, fanden sich Lautsprecher und Smartphone dagegen schnell. Anschließend ließ sich zunächst ein Firmware-Update aufspielen.
Und umfangreich ist fast noch untertrieben. Creative stellt mehr als 120 Klangvoreinstellungen bereit, die über 20 Musikgenres und annähernd 100 Spiele abdecken. Man kann so lange durch die Liste scrollen, dass irgendwann selbst experimentierfreudige Nutzer den Überblick verlieren. Wer an einem verregneten Nachmittag nicht nur Musik hören, sondern mit seinen Lautsprechern spielen möchte, kann hier stundenlang Klangprofile miteinander vergleichen.
Darüber hinaus bietet die App einen parametrischen 10-Band-Equalizer, mit dem sich eigene Vorstellungen sehr präzise verwirklichen lassen. Für den Nahfeldeinsatz gibt es einen verständlich als „Schreibtisch“ bezeichneten Modus. Wer die Lautsprecher mit größerem Hörabstand auf einem Regal oder Sideboard betreibt, deaktiviert diese Einstellung einfach.
Als vollständige Musik-Fernbedienung dient Nexus allerdings nicht. Für die Wiedergabesteuerung eines über Bluetooth verbundenen Smartphones muss man zur jeweiligen Streaming-App wechseln. Dort startet oder pausiert man die Musik, während die Lautstärke über die Tasten des Smartphones oder direkt am rechten Lautsprecher geregelt wird.






Sound-Test Creative XF1
Die Creative XF1 besitzen einen ordentlichen Fokus und eine bemerkenswert neutrale Stimmwiedergabe. Bei der Live-Version von R.E.M.s „Country Feedback“ stand Michael Stipes Stimme klar umrissen und glaubwürdig zwischen den Lautsprechern. Auch Auflösung und Ausgewogenheit konnten für diese Preisklasse überzeugen. Die Abstimmung eignet sich damit grundsätzlich für alle Musikgattungen und nicht nur für Games, Filme oder elektronische Beats.
Am wohlsten fühlen sich die XF1 erwartungsgemäß aus kurzer Distanz auf dem Schreibtisch. Hier ergibt sich eine saubere Stereo-Abbildung mit präziser Mitte. Kleine Details treten klar hervor, ohne dass die Wiedergabe analytisch oder unangenehm scharf wirkt. Der Umschalter für den Schreibtischbetrieb passt die Wiedergabe sinnvoll an den geringen Hörabstand an.
Bei freier Aufstellung im Wohnzimmer zeigte sich allerdings die Kehrseite der kleinen Gehäuse und 3-Zoll-Membranen. Der Bass geriet deutlich schlanker, als man es nicht nur bei Hip-Hop oder elektronischer Musik, sondern ebenso bei Rock erwarten würde. Daft Punks „Get Lucky“ besaß zwar Rhythmus und Kontur, doch der körperliche Nachdruck im Tiefton fehlte. Für den Einsatz als minimalistische Stereo-Anlage auf einem Sideboard oder Regal würde man sich schlicht mehr Substanz wünschen.

Natürlichkeit geht vor Pegel
Auch bei der maximal nutzbaren Lautstärke setzt die Physik klare Grenzen. Aus nächster Nähe fällt das kaum auf. Mit größerem Hörabstand lässt sich aber bereits nach gut zwei Dritteln des Regelbereichs erkennen, wie der Bass zu kämpfen beginnt. Der DSP greift dann schützend ein, komprimiert kräftige Impulse und nimmt der Wiedergabe zunehmend an Substanz. Das verhindert gröbere Verzerrungen und schützt die kleinen Chassis, ersetzt aber keine größeren Membranflächen.
Mit dem parametrischen Equalizer lässt sich die tonale Balance sehr genau an persönliche Vorlieben und die jeweilige Aufstellung anpassen. Fehlenden Tiefbass sollte man den kleinen Chassis allerdings nicht mit einer massiven Anhebung aufzwingen. Bei kleinen und mittleren Lautstärken sorgt das Klang-Preset“Music“ für mehr Substanz im Bass. Es setzt aber gleichzeitg dem verzerrungsfrei erzielbaren Maximalpegel noch engere Grenzen. Wer gerne hohe Pegel mit sattem Bass genießen möchte, sollte besonders im Wohnzimmereinsatz einen aktiven Subwoofer anzuschließen, was bei vielen Mitbewerbern gar nicht möglich ist. Allerdings müsste man beim Bassmodul auf einen anderen Anbieter zurückgreifen, denn Creative hat keines im Angebot.
Fazit und Alternativen: Creative XF1
Mit den XF1 liefert Creative ein vielseitiges und für 160 Euro erstaunlich natürlich abgestimmtes Desktop-Audo-System. In diesem Punkt übertrifft es sogar die vom Listenpreis etwas teureren Edifier M60, die allerding bei vergleichbarer Größe etwas mehr Punch und Pegelfestigkeit boten. Wer jedoch vor allem auf natürliche Stimmenwiedergabe Wert legt oder sowieso den Systemausbau durch Subwoofer plant, wird mit den XF1 zu einem günstigen Preis bestens bedient. Im letzten Punkt muss der Mitberwerber zudem auch passen: Die M60 haben keinen Subwoofer-Anschluß. Somit hat Creative für einen günstigen Preis ein Paket mit großem Potenzial geschnürt.
Weitere Alternativen finden Sie in unserer Bluetooth-Lautsprecher-Bestenliste.
Creative XF1: Technische Daten
- Preisempfehlung des Herstellers: ca. 160 Euro
- Abmessungen (B x H x T): 10 x 19,1 x 15,5 cm
- Gewicht: Linker Lautsprecher: 1,29 kg, rechter Lautsprecher: 1,36 kg
- Besonderheiten: AUX-Eingang, USB-C-Anschluss, Subwoofer-Ausgang, Bluetooth 6.0, App mit parametrischem 10-Band-Equalizer, Steckernetzteil, Korkuntersetzer, Anschlusskabelsatz
- Weitere Infos unter: www.creative.com






