STEREO GUIDE Testurteil
Retro-Look, Farbdisplay und bis zu 24 Stunden Akkulaufzeit: Der Philips The Roller TAMS60B überzeugt im Test mit sattem Klang, verliert bei hohen Lautstärken aber deutlich an Bass.
Vorteile
- Satter, tiefer Bass bei Zimmerlautstärke
- Natürliche Stimmenwiedergabe
- Steuerbare Lichteffekte
- Farbdisplay
Nachteile
- Oberhalb von mittlerem Pegel begrenzter Bass
- Keine Coveranzeige
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Natürlichkeit / Transparenz8
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Bass / Dynamik7.8
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Praxis / Connectivity9
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Preis/Leistung9.3
Es gibt Produkte, die man selbst nach Jahrzehnten auf den ersten Blick wiedererkennt. Der Philips The Roller – alias MS60, amtlich TAMS60 – gehört genau in diese Kategorie. Wer in den 1980er- oder frühen 1990er-Jahren mit Musik aufgewachsen ist, dürfte sich noch an die auffälligen Moving-Sound-Geräte erinnern, die mit kräftigen Farben, markanten Lautsprecheröffnungen und ihrem unverwechselbaren Design aus der Masse tragbarer Kassettenrecorder herausstachen. Mit dem neuen The Roller lässt Philips diese Produktlinie wiederaufleben und verbindet den nostalgischen Look mit aktueller Technik.
Doch Retro-Design allein reicht heute nicht mehr aus. Ein moderner Bluetooth-Lautsprecher muss nicht nur gut aussehen, sondern auch klanglich überzeugen, lange Akkulaufzeiten bieten und sich unkompliziert bedienen lassen. Im Test musste sich der Philips The Roller daher nicht nur als Designobjekt, sondern vor allem als Lautsprecher beweisen.
Design: Nostalgie ohne Staubschicht
Schon beim Auspacken wird klar, dass Philips bewusst auf den Erinnerungsfaktor setzt. Der The Roller orientiert sich unverkennbar an den klassischen Ghettoblastern der Moving-Sound-Serie. Die beiden großen Lautsprecheröffnungen links und rechts, der mittig platzierte Tragegriff und die gesamte Silhouette erinnern sofort an die Originale aus den Achtzigern.
Dabei wirkt das Gerät keineswegs wie eine billige Retro-Kopie. Vielmehr interpretiert Philips das historische Design zeitgemäß. Das Gehäuse macht einen robusten Eindruck und vermittelt ausreichend Stabilität für den mobilen Einsatz. Mit seinem integrierten Tragegriff lässt sich der Lautsprecher problemlos transportieren, während die IP67-Zertifizierung dafür sorgt, dass weder Staub noch ein Regenschauer zum Problem werden.

Die runden „Anbauten“ auf beiden Seiten des Gehäuses wirken wie die Räder eines Light Cycles aus dem Sci-Fi-Klassiker „Tron“. In ihnen stecken jeweils Zwei-Wege-Systeme aus einem 3,5-Zoll-Tiefmitteltöner (8,89 cm) und einem 1-Zoll-Hochtöner (2,54 cm). Bei der Koaxialanordnung sitzt die Hochtonkalotte auf einem Vorsatz im Zentrum des Tiefmitteltöner-Konus. Damit folgt die Konstruktion dem Ideal einer Punktschallquelle, bei der alle Frequenzen annähernd vom gleichen Ort abgestrahlt werden – eine gute Voraussetzung für zeitrichtige und natürliche Wiedergabe. Zwei Passivradiatoren auf der Rückseite der runden Gehäuseelemente unterstützen die Tieftonwiedergabe. Die Verstärkersektion leistet dauerhaft 60 Watt und bis zu 120 Watt in Impulsspitzen.
Besonders gelungen sind die LED-Leuchtringe rund um die Lautsprecher. Sie verleihen dem Gerät eine moderne Note und unterstreichen den Party-Charakter des Lautsprechers, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Je nach gewähltem Modus reagieren die Lichteffekte auf die Musik und sorgen insbesondere in den Abendstunden für zusätzliche Atmosphäre.


Das Farbdisplay als zentrales Highlight
Eine Besonderheit des The Roller ist das integrierte Farbdisplay. Während viele Bluetooth-Lautsprecher lediglich Status-LEDs oder einfache Textanzeigen bieten, geht Philips hier deutlich weiter.
Das Display greift das Retro-Thema konsequent auf und zeigt verschiedene Animationen an. Besonders charmant sind die virtuellen Compact Cassetten, die sich während der Musikwiedergabe auf dem Bildschirm drehen. Auch Schallplattenanimationen und klassische Equalizer-Darstellungen stehen zur Auswahl. Diese kleinen Details tragen erheblich dazu bei, dass der Lautsprecher mehr Charakter besitzt als die meisten Wettbewerber.
Die Anpassung erfolgt über die Philips Entertainment App. Dort können unterschiedliche Designs ausgewählt und auf das Display übertragen werden. Genau dieser Punkt macht im Alltag überraschend viel Spaß, weil sich das Erscheinungsbild des Lautsprechers jederzeit verändern lässt.
Allerdings verschenkt Philips hier auch Potenzial. Trotz Farbdisplay werden keine Albumcover angezeigt. Stattdessen erscheinen lediglich Titel- und Interpreteninformationen vor einem farbigen Hintergrundbild. Angesichts der vorhandenen Hardware wäre eine Coverdarstellung technisch problemlos möglich gewesen. Gerade Streaming-Nutzer hätten davon deutlich profitiert. So bleibt das Display zwar ein echter Hingucker, schöpft seine Möglichkeiten aber nicht vollständig aus.

Philips Entertainment App: Licht und Schatten
Zur Steuerung des Lautsprechers bietet Philips die eigene Entertainment App an. Grundsätzlich funktioniert die Anwendung zuverlässig und ermöglicht den Zugriff auf verschiedene Zusatzfunktionen.
Neben der Anpassung des Displays lassen sich hier Firmware-Updates installieren, die Lichtmodi konfigurieren und Auracast-Verbindungen verwalten. Die Menüführung wirkt insgesamt übersichtlich und auch weniger technikaffine Nutzer dürften sich schnell zurechtfinden.
Weniger gelungen erscheint dagegen die deutsche Lokalisierung. So wird aus der Philips Entertainment App kurzerhand die „Philips Unterhaltung App“. Diese Übersetzung wirkt etwas unbeholfen und hinterlässt einen unfertigen Eindruck. Funktional beeinträchtigt dies die App zwar nicht, es fällt aber sofort auf und passt nicht ganz zum ansonsten hochwertigen Gesamteindruck.
Unter „Klang“ und „Musik“ hält die App übrigens gespeicherte – nennen wir sie einmal – meditative Sounds und Umweltgeräusche bereit. Die lassen sich in Endlosschleife abspielen. Wir beendeten das Endlose nach kurzem Ausprobieren allerdings vorzeitig und wechselten zu Musik – diesmal ohne Anführungszeichen.






Klangtest: Überraschend erwachsener Sound
Die größte Frage bei jedem Bluetooth-Lautsprecher bleibt jedoch der Klang. Hier liefert der The Roller zunächst eine ausgesprochen überzeugende Vorstellung ab.
Bereits die ersten Hörtests zeigen, dass Philips den Schwerpunkt klar auf ein sattes und voluminöses Klangbild gelegt hat. Der Bass reicht erstaunlich tief hinab und besitzt deutlich mehr Substanz, als die Gehäusegröße zunächst vermuten lässt. Gleichzeitig bleibt er kontrolliert und vermeidet das bei vielen Party-Lautsprechern typische Dröhnen oder Wummern.
Gerade bei elektronischer Musik, Hip-Hop oder modernen Popproduktionen profitiert der Lautsprecher von seinem kräftigen Fundament. Bassläufe wirken körperhaft und druckvoll, ohne andere Frequenzbereiche zu überdecken.
Auch im Mitteltonbereich hinterlässt der The Roller einen positiven Eindruck. Stimmen werden angenehm neutral wiedergegeben und stehen sauber im Klangbild. Sowohl männliche als auch weibliche Stimmen behalten ihre Natürlichkeit und werden nicht künstlich aufgebläht.
Die Höhen präsentieren sich frisch und vergleichsweise fein aufgelöst. Becken, Gitarren oder akustische Instrumente werden sauber dargestellt und verleihen dem Klangbild die notwendige Offenheit. Dadurch entsteht insgesamt ein ausgewogener und durchaus erwachsener Klangeindruck, der deutlich über das hinausgeht, was man von einem reinen Lifestyle-Produkt erwarten würde.

Wenn es laut wird, zeigen sich die Grenzen
Leider hält dieser positive Eindruck nicht über den gesamten Lautstärkebereich an.
Solange sich der Lautsprecher im Bereich einer normalen Zimmerbeschallung oder einer etwas gehobenen Hintergrundmusik bewegt, klingt er überzeugend und ausgewogen. Wird die Lautstärke jedoch deutlich erhöht, greift offenbar eine Schutzschaltung beziehungsweise eine elektronische Klangregelung ein.
Bereits oberhalb von etwa fünfzig Prozent der maximalen Lautstärke verliert der Bass spürbar an Fülle. Das ursprünglich kräftige Fundament wird zunehmend zurückgenommen. Während dies vermutlich dazu dient, Verzerrungen und Überlastungen zu vermeiden, verändert sich dadurch der Charakter des Lautsprechers deutlich.
Bei etwa zwei Dritteln der maximalen Lautstärke wird dieser Effekt sehr deutlich hörbar. Der Bass wirkt nun merklich ausgedünnt und verliert seine zuvor beeindruckende Autorität. Gleichzeitig verändern sich die Mitten und Höhen. Stimmen klingen nun weniger entspannt und beginnen teilweise gepresst zu wirken. Die Höhen gewinnen an Schärfe und können bei bestimmten Musikstücken sogar leicht harsch erscheinen.
Das ist insofern schade, weil der Lautsprecher bei moderaten Lautstärken sein Potenzial eindrucksvoll demonstriert. Wer ihn hauptsächlich in Wohnzimmer, Küche, Garten oder auf der Terrasse nutzt, wird davon kaum etwas bemerken. Für Nutzer, die regelmäßig hohe Partylautstärken erwarten, stellt dies jedoch eine Einschränkung dar.
Ausstattung für den mobilen Einsatz
Abseits des Klangs überzeugt der The Roller mit einer modernen Ausstattung. Bluetooth-Multipoint ermöglicht die gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten. Dadurch kann beispielsweise zwischen Smartphone und Tablet gewechselt werden, ohne die Bluetooth-Verbindung ständig neu herstellen zu müssen.
Hinzu kommt die Unterstützung von Auracast. Damit lassen sich kompatible Lautsprecher zu größeren Beschallungssystemen verbinden. Gerade bei Gartenpartys oder größeren Veranstaltungen eröffnet dies interessante Möglichkeiten.
Auch die Akkulaufzeit fällt großzügig aus. Philips gibt bis zu 24 Stunden Wiedergabezeit an. Im Alltag bedeutet dies, dass selbst längere Wochenendausflüge oder Gartenpartys problemlos ohne Steckdose überstanden werden können. Praktisch ist zudem die integrierte Powerbank-Funktion, mit der sich Smartphones oder andere mobile Geräte unterwegs laden lassen.
Nachhaltigkeit als Pluspunkt
Erfreulich ist außerdem, dass Philips beim The Roller stärker auf Nachhaltigkeit achtet als viele Wettbewerber. Der Akku soll austauschbar sein, zudem kommen recycelte Kunststoffe und FSC-zertifizierte Verpackungsmaterialien zum Einsatz.
Gerade die Möglichkeit eines späteren Akkuwechsels ist bei mobilen Lautsprechern keine Selbstverständlichkeit mehr und könnte die Lebensdauer des Geräts deutlich verlängern.
Fazit und Alternativen zum Philips MS80 The Roller
Bis etwa Zimmerlautstärke überzeugt The Roller mit einem erstaunlich satten und tiefreichenden Bassfundament. Dreht man weiter auf, greift jedoch offenbar sein Pegelmanagement ein. Der Tieftonbereich wird zunehmend zurückgenommen, wodurch der Lautsprecher einen Teil seines Klangcharakters verliert. Bereits bei halber Lautstärke büßt der Bass etwas Volumen ein, bei rund zwei Dritteln des Regelwegs wirkt er deutlich beschnitten. Gleichzeitig treten Stimmen stärker in den Vordergrund, klingen dabei aber zunehmend gepresst und verlieren einen Teil ihrer Natürlichkeit. Für die Beschallung einer Gartenparty reicht der erreichbare Pegel zwar problemlos aus, seine audiophileren Qualitäten zeigt The Roller jedoch eher bei mittleren Lautstärken.
Wer bei praktisch identischer UVP vor allem Pegelfestigkeit und Bassdruck sucht, findet im Tronsmart Bang Max im Testeine kraftvollere Alternative. Der optisch eher gewöhnliche Sechs-Kilo-Bolide kann dem Philips beim Retro-Charme nicht das Wasser reichen, lässt ihn bei Bassdruck und Maximalpegel dafür deutlich hinter sich.
Weitere Alternativen finden Sie in unserer Bluetooth-Lautsprecher-Bestenliste
Technische Daten: Philips The Roller MS60
- Preisempfehlung des Herstellers: 180 Euro
- Abmessungen (B × H × T): 38 x 19,2 x 11, 9 cm
- Gewicht: 2,3 kg
- Akkulaufzeit bis zu 24 Stunden
- Ladedauer: 3 Stunden
- Farben: Schwarz, Gelb
- Besonderheiten: Bluetooth 6.0 mit SBC, LC3, wasser/staubdicht gemäß Schutzklasse IP67, JBL Auracast Multi Speaker Connection, Powerbank-Funktion
- Mehr unter: philips.de






